Tuenti, Geocities und andere legendäre Websites, die verschwanden

Tuenti verschwand als Marke im April 2023. El rincón del vago, Trabajobasura und weitere bekannte Seiten fielen Klagen oder Verlassenheit zum Opfer.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Tuenti, Geocities und andere legendäre Websites, die verschwanden
Der Internet-Friedhof: Von Tuenti bis El rincón del vago

Tuenti verschwand als Marke im April 2023. Es war kein plötzliches Ende: Das „spanische Facebook“ wurde zu einem auf junge Zielgruppen ausgerichteten Mobilfunkanbieter von Telefónica, und als es niemand mehr als soziales Netzwerk bezeichnete, verschwand die Marke, während ihre Kunden in O2 integriert wurden. Dies ist das Muster, das fast alle berühmten verschwundenen Websites wiederholen. Selten werden sie abrupt getötet: Sie verlieren ihre Funktion und vegetieren jahrelang vor sich hin. Andere halten einer Anzeige einfach nicht stand.

Der Ausgangspunkt ist konkret: Ein Online-Shop, der die Kleidung aus dem Fernsehen verkaufte, El armario de la tele, der vor einigen Jahren bankrottging. Die dahinterliegende Frage ist klassisch. Wenn das Kernprodukt Werbung im Fernsehen war, was bleibt übrig, wenn das junge Publikum aufhört, fernzusehen? Die kursierende Antwort hat einen technischen Namen: Media for Equity, eine Finanzierungsform, bei der ein Startup Aktienanteile an ein Medienunternehmen abgibt, im Austausch für Werbung und Promotion im Fernsehen, Radio oder in der Presse. Statt bar zu bezahlen, wird mit Aktien bezahlt. Auf dem Papier attraktiv für wer ohne Marketingbudget dasteht; ruinös, wenn das erkauften Publikum nicht mehr existiert.

El rincón del vago: Der erste große Tod und der Nachfolger-Klon

Der meistzitierte Fall hat einen eigenen Namen. Die Originalversion von El rincón del vago verschwand so, wie man sie kannte: wechselte den Besitzer, änderte das Format und löschte die Download-Seiten. Aus diesem Trümmerfeld entstand ein Klon. Eine Gruppe unzufriedener ehemaliger Leser gründete ExVagos, das eine Zeit lang mit dem gleichen Geist funktionierte. Auch dieses Projekt wurde schließlich geschlossen. Nun überlebt es nur noch marginal, wie jene Schiffe, die ohne Flagge segeln.

Die letzte Übernahme erfolgte nicht durch eine andere Notizbuch-Website, sondern durch ein Sprachmodell: Die Arbeiten, die früher dort kopiert wurden, werden heute von KI-Tools schneller generiert, ohne dass Anerkennung gefordert wird. Die Sarracena schmerzt: Selbst die Nische des gestressten Studenten ist kein stabiler Zufluchtsort.

Websites, die wegen Anzeigen schlossen, nicht wegen fehlender Besucher

Nicht alle starben durch Vernachlässigung. Trabajobasura sammelte Kritik an Beratungsfirmen und Outsourcing-Unternehmen, basierend auf Zeugenaussagen von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern. Eine Lawine von Anzeigen und rechtlichen Drohungen führte zur Schließung. Ähnlich erging es einer Seite aus den Neunzigern, die Erwachsenencontent mit herunterladbaren Programmen kombinierte und laut Erinnerungen enorme Reichweite hatte: Sie schloss aufgrund dessen, was als ein „kleines Problem“ beschrieben wird.

Das Muster wiederholt sich. Wenn der Inhalt Beschwerde oder Piraterie ist, bestimmt nicht der Markt das Ende, sondern ein Gericht. Und die Spuren, die sie hinterlassen, sind schwieriger zu rekonstruieren als die einer Website, die einfach erlischt.

Diejenigen, die noch leben, aber Zombies sind

Es gibt eine dritte Gruppe, die unbequemste: Seiten, die existieren, aber nicht mehr wirklich da sind. Abandonmobiez ermöglichte den direkten Download alter Filme; nun bleiben nur noch Synopsen. Yonkis.com ist weiterhin online, aber nicht aktualisiert und ohne den Humor, der sie berühmt machte. Manche erzählen, dass einige ihrer alten Leser das Konzept unter einem anderen Namen wiederbelebt haben, mit thematischen Tagen, um die alte Routine zurückzubringen. Die Frikipedia fusionierte mit der Inciclopedia und ist mit ihren Artikeln weiterhin aktiv.

Ein Blog über urbane Fahrradmode schleppt dieselbe Domain seit 2018 ohne Updates mit sich. Und es gibt die zynischste Diagnose von allen: Die Suchmaschine, die früher Websites fand, findet jetzt nur noch Werbung.

Tote Suchmaschinen, geschlossene Megas und die Vorgeschichte des Online-Handels

Die Liste der technischen Leichen ist lang. Altavista, Astalavista, Arrakis und Lycos, letztere einst von Terra gekauft. Geocities, Ozú, Olé, Portalmix, MySpace, Fotolog, Megaupload, Mininova, Goear: Jeder Name deckt eine andere Schicht der Internetgeschichte ab, vom kostenlosen Hosting bis zum Dateiaustausch. Taringa überlebt als Soziales Netzwerk, aber ohne den früheren Boom. Es gibt auch Umbenennungen wegen Markenrechten: Ethereal, der Netzwerk-Analyser, hieß ab 2006 Wireshark, und seine ursprüngliche Domain steht heute zum Verkauf.

Und vor all dem, die Vorgeschichte. Discoplay funktionierte ohne Internet: In einer Zeitschrift befand sich eine Karte mit einem handschriftlich auszufüllenden Formular, dann musste man das Haus verlassen, den Brief einwerfen und 10 bis 15 Tage warten, bis das Paket zur Zahlung per Nachnahme ankam. Ein E-Commerce, der in Wirklichkeit Versandhandel war. Die Illusion, diese Bestellung nach zwei Wochen Wartezeit zu öffnen, wurde von keiner 24-Stunden-Lieferung übertroffen.



Die vollständige Bestandsaufnahme würde mehrere Seiten füllen, aber die Zusammenfassung wiederholt sich: Die Technologie verändert sich, das Publikum wandert ab, und wer sich nicht bewegt, endet als Domain zum Verkauf. Die berechtigte Frage ist, ob jemand in zwanzig Jahren die heutigen Netzwerke vermissen wird, die ewig erscheinen, so wie wir heute die Suchmaschinen der Neunziger vermissen. Und ob dieser nächste Tod ohne Warnung kommt – oder mit einer Anzeige im Gepäck.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (230 Antworten).

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