Trump an Selenskyj: «Mach einen Deal, oder wir gehen»
Ein dreiseitiges Treffen im Oval Office, live übertragen und ohne Vorwarnung. Donald Trump, JD Vance und Wolodymyr Selenskyj stritten vor den Kameras, und die Verhandlungen scheiterten öffentlich sichtbar. Es gab keine gemeinsame Erklärung und keine Unterschrift unter einem Dokument. Stattdessen kam ein Ultimatum: Entweder gibt es ein Friedensabkommen, oder die USA ziehen sich aus der Ukraine zurück. Die Verteilung von Seltenen Erden, die unmittelbar nach dem Treffen hätte abgeschlossen werden sollen, ist vorerst in der Schwebe.
Was sich Trump, Vance und Selenskyj im Oval Office sagten
Die Abfolge, wie sie aufgezeichnet wurde, hat eine klare Reihenfolge. Selenskyj unterbrach Vance, während dieser auf Fragen der Presse antwortete, und warf ihm vor, er sei wenig diplomatisch. Die Antwort des Vizepräsidenten kam prompt: Man habe ihnen hunderte Millionen übergeben, also seien sie sehr diplomatisch gewesen. Von da an übernahm Trump das Kommando im Gespräch, und der Ton verschärfte sich weiter.
Der US-Präsident sagte ihm, man habe ihm viel Geld bezahlt, um hart zu wirken, aber nun müsse er Frieden schließen; wenn er das nicht tue, ziehe Washington sofort aus der Ukraine ab, und das «wäre schlecht für die Ukraine». In einem Moment der Diskussion ließ er fallen: «Du spielst mit dem Dritten Weltkrieg.» Und dann die Schlussfolgerung: «Entweder du machst einen Deal, oder wir gehen; wenn wir gehen, wirst du kämpfen, aber du hast keine Karten mehr.»
Die Zahl, die Trump auf den Tisch legte, betrug 350 Milliarden Dollar, ausgehändigt, wie er sagte, «durch unseren dummen Präsidenten», in Anspielung auf die vorherige Regierung. «Ihr Land steckt in ernsten Problemen. Sie gewinnen nicht. Sie haben dank uns eine gute Chance, gut abzuschneiden», fügte er hinzu, bevor er feststellte, dass der Krieg ohne US-Militärtechnik «in zwei Wochen» beendet wäre. Dabei warf Vance Kiew vor, Zwangsrekrutierungen einzusetzen, und Trump schloss mit einer Warnung: «Dein Problem beginnt jetzt.»
350 Milliarden, eingefrorene Waffenverkäufe und gekappte Geheimdienstinformationen
Relevant ist nicht nur, was laut gesagt wurde, sondern was danach umgesetzt wurde. Laut dem Wall Street Journal stoppte die Trump-Administration die Finanzierung neuer Waffenverkäufe an die Ukraine und könnte die Lieferungen einfrieren. Kurz darauf berichtete der Financial Times von einem weiteren Schnitt: der Aussetzung des Austauschs von Geheimdienstinformationen mit Kiew. Für eine Armee, die mit westlichem Material und Daten kämpft, ist das Abschalten dieser beiden Kanäle gleichzeitig eine sehr konkrete Art zu sagen: «Schau mal, wie gut man blind kämpft.»
Parallel dazu hat FBI-Direktor Kash Patel gefragt, wohin das gesamte Steuergeld geflossen ist, das für die Ukraine bestimmt war. Dies formuliert nun der Chef einer Behörde, die laut Berichten erst vor wenigen Tagen ins Amt kam und auf eine feindliche Apparatur trifft.
Europa sucht neue Führung: Kallas erhöht Druck, Sánchez meldet sich
Die europäische Reaktion kam am selben Tag. Kaja Kallas veröffentlichte, dass «die Ukraine Europa ist», dass man die Unterstützung intensivieren werde, damit Kiew gegen den Aggressor weiterkämpft, und dass «die freie Welt einen neuen Führer braucht». Das bedeutet, dass Europa nun gefordert ist. Pedro Sánchez seinerseits schrieb in drei Sprachen, dass Spanien an der Seite der Ukraine steht.
Manche fragen, wie viel davon Geld und wie viel echte Fähigkeit ist. Das häufigste Argument lautet, dass Europäer Schecks ausstellen können, aber nicht bereit sind, das Risiko einer direkten Konfrontation einzugehen. Und ohne den amerikanischen Schutzschirm vervielfacht sich die Rechnung für die Aufrechterhaltung der ukrainischen Anstrengungen.
Selenskyjs Wendung: von «Danke Amerika» zu «Ukraine ist nicht zum Verkauf»
Nach dem Streit veröffentlichte Selenskyj einen Dank an die Vereinigten Staaten, den Kongress und das amerikanische Volk und betonte, dass die Ukraine einen gerechten und dauerhaften Frieden brauche. Der versöhnliche Ton hielt nur kurz an. Danach lehnte er Aufrufe zu einem sofortigen Waffenstillstand ab und gab eine eindeutige Erklärung ab: Die Ukraine ist nicht zum Verkauf. Es wird keine Entschuldigung an Trump geben, und wer eine will, möchte sie laut kursierenden Versionen aufgezeichnet sehen.
Trump selbst erklärte vor dem Kongress, er habe einen Brief seines ukrainischen Amtskollegen erhalten, in dem dieser seine Bereitschaft bekundet, die Verhandlungen so bald wie möglich wieder aufzunehmen und das Abkommen über Mineralien und Sicherheit zu unterzeichnen. Im selben Zeitraum verbreitete sich die unbestätigte Version, dass Selenskyj bereit wäre, die Macht abzugeben, als Gegenleistung für den NATO-Beitritt.
Das Nachbeben: Akten, Senatoren und NATO-Austritt
Wie üblich verlagerte sich der Fokus schnell. Der Leiter des FBI-Büros in New York trat zurück, nachdem das Justizministerium sein Büro beschuldigt hatte, Tausende Dokumente im Epstein-Fall zurückgehalten zu haben. Und 22 demokratische Senatoren veröffentlichten Videos, in denen sie ein identisches Skript gegen Trump und Musk lasen, was die These koordinierter Absprachen nährt. Im spekulativen Bereich werden bereits Wetten auf einen möglichen Austritt der USA aus der NATO diskutiert.
Der Ausgangspunkt war klar: Wer vom fremden Hahn abhängt, verhandelt mit den Karten, die man ihm lässt. Selenskyj kann sich widersetzen, er kann mit europäischer Rückendeckung durchhalten, er kann warten, bis die Zeit zu seinen Gunsten spielt. Aber jeder Tag ohne Abkommen ist ein Tag mit weniger Material, weniger Daten und weniger Spielraum. Wenn die Unterstützung neu aufgebaut wird und die Unterschrift auf unbestimmte Zeit vertagt wird, steigt der Druck nur noch. Und niemand, weder in Kiew noch in Brüssel, hat bisher erklärt, wie diese Rechnung bezahlt werden soll.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (284 Antworten).