Trinkgeld für den Lieferboten: Der Streit, der Kunden spaltet

Die Debatte über 1 € Trinkgeld für den Lieferboten des Supermarkts spaltet Kunden: Manche zahlen bereits Versandkosten, andere halten ein Trinkgeld für gerecht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Trinkgeld für den Lieferboten: Der Streit, der Kunden spaltet
Trinkgeld für den Lieferboten: Ein Euro, der die Kunden spaltet

Eine Lieferung alle fünfzehn Minuten, vier Euro pro Stunde an Trinkgeld. Das ist die Rechnung, die ein Stammkunde des Online-Einkaufs aufstellt, um den Euro zu rechtfertigen, den er dem Boten jedes Mal gibt, wenn sie ihm die Tüten nach oben trägt. Ihm gegenüber steht ein anderer Kundentyp mit der gegenteiligen Ansicht: Wer bereits fünf Euro für Versand und Bearbeitung zahlt, hat die Dienstleistung bezahlt – ein Trinkgeld sei überflüssig. Die Diskussion, ausgelöst von einer Kundin, die ein- bis zweimal im Monat Lebensmittel nach Hause liefern lässt und nie Trinkgeld gegeben hat, kreist um eine unbequeme Frage: Wann gilt ein Job als vom Unternehmen ausreichend bezahlt, sodass man ihn nicht schwarz aufbessern muss?

Die Ausgangsfrage stellt eine Käuferin, die zugibt, selbst in Supermärkten und stark frequentierten Bars gearbeitet zu haben, zu wissen, wie schlecht diese Jobs bezahlt werden – und trotzdem nie einen Euro an einen Lieferboten gegeben zu haben. Ihr Argument: Der Kontakt dauert zwei Minuten, der Bote fährt mit dem Aufzug hoch und erwartet von niemandem ein Trinkgeld. Ihre Frage: Macht sie das zu einer Ratte oder zu einer vernünftigen Kundin?

Wie viel man gibt und warum: von 50 Cent bis 10 Euro

Die in der Konversation genannten Beträge liegen meist zwischen 50 Cent und einem Euro, mit Ausnahmen von bis zu 5 Euro bei großen Einkäufen und 10 Euro bei Elektrogeräten oder Möbeln. Ein Bote, der für Eroski arbeitete, erzählt, dass er an manchen Tagen 4 oder 5 Euro an Trinkgeld bekam – ein Betrag, der, über die Schichten gerechnet, nicht mehr anekdotisch ist. Ein anderer Teilnehmer rechnet vor, dass ein Bote, der alle fünfzehn Minuten eine Lieferung schafft, auf vier Euro pro Stunde steuerfrei kommt. Die Rechnung ist nicht exakt, gibt aber eine Größenordnung.

Das am häufigsten genannte Kriterium ist nicht die Pflicht, sondern der Mehrwert. Wer den Einkauf in eine Wohnung ohne Aufzug trägt, wer lächelt, wer die Tüten dort abstellt, wo man sie haben will, oder darauf hinweist, dass ein Produkt beschädigt ist, bekommt Trinkgeld. Wer schlecht gelaunt auftaucht, nicht. Die meisten sind sich einig: Ein Euro oder 50 Cent ruinieren niemanden, motivieren aber den Empfänger. Manche vergleichen es mit der Gastronomie: In Spanien gibt man in der Bar fast aus Gewohnheit Trinkgeld – aber nicht demjenigen, der einen 70-Euro-Einkauf die Treppe hinaufträgt.

Das Argument: Die Dienstleistung ist bereits bezahlt

Die Gegenposition hat ihre eigene Logik. Wenn der Einkauf eine Liefergebühr von fünf Euro enthält – oder sieben, bei einem 70-Euro-Einkauf bei Mercadona –, ist die Zustellung damit bereits bezahlt. Wer die Dienstleistung bezahlt, muss sie nicht zweimal bezahlen. Mehrere Kunden weisen darauf hin, dass sie in ihrem eigenen Job ebenfalls kein Trinkgeld bekommen und dass die Lösung für niedrige Löhne nicht in der Tasche des Kunden liegt, sondern in der Verhandlung mit dem Arbeitgeber. Der Vergleich mit dem Paketdienst kommt immer wieder: Niemand gibt dem Boten Trinkgeld, der ein Paket von einem Online-Shop bringt.

Das Gegenargument: Trinkgeld ersetzt den Lohn nicht, es ergänzt ihn. Und derjenige, der die Ware ausliefert, verdient nicht immer dasselbe wie derjenige, der sie einpackt. Die Diskussion verkompliziert sich, wenn die eigentliche Frage auftaucht: Warum bekommen manche Berufe Trinkgeld und andere nicht? Warum den Kellner und nicht den Chirurgen? Die ehrlichste Antwort, die man liest: Trinkgeld ist eine Gewohnheit, keine sarracena Pflicht.

Alternativen zum Trinkgeld: Wasser, ein Bier oder ein Anruf beim Chef

Es geht nicht nur um Geld. Mehrere Teilnehmer erzählen, dass sie im Sommer eine Flasche Wasser anbieten, dem Techniker, der nach Hause kommt, ein Bier oder dem Supermarktleiter eine Nachricht hinterlassen, wenn der Service außergewöhnlich war. Eine Kundin im achten Monat der Schwangerschaft erinnert sich, dass ein Bote sich weigerte, ihr die Tüten in die Wohnung zu bringen, und dass sie daraufhin diesen Supermarkt nicht mehr nutzte. Eine andere ruft beim Kundenservice an, damit die gute Arbeit dokumentiert wird. In diesen Fällen wird Trinkgeld zu Fruta.

Das am häufigsten genannte Detail ist die Wohnung im fünften Stock ohne Aufzug. Da streitet fast niemand: Das Trinkgeld fällt. Ein Bote erzählt, dass er sich den Rücken verdarb, als er eine komplette Bestellung in den fünften Stock ohne Aufzug trug, während ein Kollege ihm aufgelegt hatte. Solche Erlebnisse erklären, warum viele Kunden nach der körperlichen Anstrengung entscheiden, nicht nach dem Preis der Bestellung.



Die Konversation beendet das Thema nicht. Wer Trinkgeld gibt, rechtfertigt es mit Gewohnheit, Mitleid oder Kalkül. Wer keines gibt, aus Konsequenz gegenüber dem, was er bereits bezahlt hat. Und in der Mitte steht der Lieferbote, der verdient, was er verdient, und dankbar ist für alles, was ankommt. Die Frage, ob der Kunde ausgleichen sollte, was das Unternehmen nicht bezahlt, bleibt offen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (51 Antworten).

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