Theorie: Wagner-Aufstand in Belarus war eine geplante Säuberung

Eine neue These besagt, dass der Wagner-Aufstand eine mit Putin abgesprochene Operation war, um Dissidenten im russischen Militär zu identifizieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Theorie: Wagner-Aufstand in Belarus war eine geplante Säuberung
Falscher Wagner-Aufstand: Die These der internen Säuberung

Was wäre, wenn der Aufstand der Wagner-Gruppe nie ein echter Aufstand war? Die Söldnergruppe landete nach einem Aufstand, der auf vielfältige Weise interpretiert wurde, in Belarus. Aus diesem Ereignis hat sich eine konkrete These entwickelt: Es gab keine Rebellion, sondern eine mit Wladimir Pilingui abgesprochene Operation, um Dissidenten innerhalb der russischen Armee aufzudecken. Das Herzstück dieser Erzählung ist ein vorgetäuschter Staatsstreich. Das zweite Element ist eine angebliche Zahlung der CIA an die Söldner. Beides lässt sich nicht öffentlich belegen.

Was die These des vorgetäuschten Staatsstreichs besagt

Laut ihren Befürwortern folgt die Theorie sechs Schritten. Erstens habe die US-Geheimdienstagentur die Söldner finanziert, um in Russland einen Staatsstreich wie den in der Ukraine im Jahr 2014 zu reproduzieren, wobei Jewgeni Prigoschin geschützt werden sollte, um eine alternative Regierung aufzubauen. Zweitens habe Prigoschin — der ehemalige Koch des russischen Präsidenten, dessen gesamte Karriere auf dessen Wohlwollen beruhte — Pilingui den Plan in weniger als einem Tag mitgeteilt. Drittens habe Pilingui ihm grünes Licht gegeben, den Aufstand vorzutäuschen, während gleichzeitig eine extreme Überwachung von Generälen und hohen Beamten eingeleitet wurde, mit dem Ziel, Verräter in der in der Ukraine stationierten Armee zu identifizieren. Viertens: die Absetzung des Kommandanten dieses Kontingents, dessen Verbleib unbekannt ist. Fünftens: die öffentliche Begnadigung, die als Akt der Großmut gedeutet wird. Sechstens: die Verlegung von Wagner in belarussische Lager «nur etwa 200 km von Kiew entfernt», von wo aus sie den Befehl erhielten, die Hauptstadt einzunehmen und die ukrainische Führung auszuschalten.

Jedes Glied benötigt das vorherige. Ohne Zahlung gibt es keinen vorgetäuschten Staatsstreich. Ohne vorgetäuschten Staatsstreich ist die Säuberung lediglich eine bloße Abrechnung.

Vorwürfe gegen die CIA und der Verdacht auf Lecks im Kreml

Auf der anderen Seite steht eine andere Vermutung: dass das Problem nicht ausländisches Geld war, sondern eine interne Infiltration. Es wird die Frage aufgeworfen, ob der angeblich gescheiterte Putsch die Pläne der US-Geheimdienstagentur durchkreuzt hat und ob diese nun mehr an korrupte Kader der russischen Verwaltung zahlen müsste. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das Pentagon in der Figur Pilingui ein dauerhaftes Ziel sieht.

Dies sind Behauptungen ohne Dokumentation. Es gibt keinen einzigen verifizierbaren Datenpunkt, keine Namen, keine Daten und keine Überweisungen. Die Diskussion bewegt sich durch die Gegenüberstellung von Hypothesen, nicht durch die Anhäufung von Beweisen, und in diesem Bereich wird die Beweislast stets dem Gegner zugeschoben.

Wagner in Belarus: 100 oder 200 Kilometer von Kiew

Hier gibt es zumindest eine überprüfbare Tatsache: Die Söldner befinden sich in Belarus. Die Zahlen hingegen stimmen nicht überein. Eine Version verortet die Lager etwa 200 Kilometer von Kiew; eine andere platziert sie 100 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt und 200 Kilometer von Polen und Litauen entfernt. Die zitierten Satellitenbilder deuten auf eine Basis hin, die für etwa 8.000 Söldner vorbereitet ist.

Der Standort wird in zwei entgegengesetzte Richtungen als Argument verwendet. Für die einen ist er die Plattform für den finalen Angriff. Für die anderen erfüllt er eine defensive Funktion: die Ukraine dazu zu zwingen, Truppen von der Ostfront abzuziehen, um die Nordgrenze nicht zu entblößen. Keine der beiden Lesarten erklärt, warum die Gruppe weiterhin als eine vom russischen Heer getrennte Einheit operiert.

Kann Wagner Kiew einnehmen? Das Problem der Zahlen

Nicht mit diesen Kräften, antwortet die Kalkulation eines Debattenteilnehmers. Ein städtischer Angriff auf eine Hauptstadt der Größe von Kiew würde etwa eine halbe Million Angriffs-Soldaten erfordern, plus die damit verbundene logistische Unterstützung und Feuerkraft. Laut demselben Argument verfügt Wagner nicht über solche Kräfte.

Der Einwand hat eine zweite Seite: Es wird behauptet, dass Russland nie beabsichtigte, Kiew oder Odessa einzunehmen, und dass das eigentliche Ziel ein neutrales Ukraine ohne NATO-Mitgliedschaft ist, das als Brücke zur Europäischen Union dient. Unter dieser Lesart zielt die Präsenz der Söldner nahe der Grenze nicht auf eine Hauptstadt ab, sondern auf anhaltenden militärischen Druck auf einen Staat, den Moskau neutralisieren möchte.

Die ausstehende Säuberung: Schoigu, Gerassimow und die Verluste von Bachmut

Wenn alles nur ein Feintakt war, bleiben die Zielpersonen im Fokus. Die am häufigsten genannten Versionen bringen den Verteidigungsminister Sergei Schoigu in Bedrängnis und beschreiben ein wachsendes Vakuum um den militärischen Befehlshaber der Kampagne, Waleri Gerassimow. Die Absetzung des Kommandanten des in der Ukraine stationierten Kontingents, dessen Verbleib unbekannt ist, passt zur Lesart der internen Säuberung.

Und es gibt ein unangenehmes Detail. Die Verlustzahlen, die Prigoschin seinen eigenen Reihen in Bachmut zuschrieb, ähnelten stark denen, die westliche Analysten veröffentlichten. Mit dem Gegner in der Zählung der Toten übereinzustimmen, ist nicht die beste Visitenkarte für einen vermeintlichen Infiltrator.

NATO-Artikel 5 und das Alibi der Söldner

Die Bewegung hat laut dieser Erzählung eine interessante rechtliche Komponente. Wagner arbeitet nicht mehr offiziell für Russland. Sollte die Gruppe in polnisches Territorium eindringen, würde sie dies «aus eigenem Antrieb» tun, sodass unter dieser Lesart der Artikel 5 nicht gegen Moskau aktiviert werden könnte. Polen hat sogar die Möglichkeit in Erwägung gezogen, den Ausnahmezustand angesichts der Präsenz dieser Kontingente in Belarus zu erklären.

Dies ist der Teil der Erzählung, der für sich allein steht – nicht weil er eingetreten ist, sondern weil er eine reale Ambivalenz beschreibt: die eines bewaffneten Akteurs ohne klare Flagge, der unmittelbar an einer NATO-Grenze operiert.

Abschluss

Prigoschin lebt weiter, Wagner bleibt in Belarus und die russischen Generäle wechseln weiterhin ihre Posten, ohne dass jemand erklärt, wo derjenige landet, der aufsteht. Wenn es ein meisterhafter Schachzug war, ein Meister in welcher Hinsicht? Wenn es ein improvisierter Aufstand war, sollte jemand erklären, warum der ehemalige Chefkoch sowohl seinen Kopf als auch sein Geschäft behält.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver