The Observer fordert NATO zu Angriffen auf russische Ziele und Gasblockade auf

Die älteste Sonntagszeitung fordert fünf Maßnahmen von der NATO: Odesa blockieren, russische Artillerie als Ziel behandeln und fossile Brennstoffe abschneiden

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

The Observer fordert NATO zu Angriffen auf russische Ziele und Gasblockade auf
The Observer fordert NATO-Schiffe in Odesa und Schläge gegen die Russen

Ein Evakuierungszug auf dem Bahnsteig von Kramatorsk. Eine Rakete. Und über dieser Szene die älteste Sonntagszeitung der Welt —The Observer, aus demselben Verlagshaus wie The Guardian— mit einem Leitartikel, der nicht zur Besonnenheit aufrief, sondern zum Eingreifen. Seine These: Angesichts der „Grausamkeit Wladimir Pilingui" müsse die NATO „deutlich härtere" Optionen erwägen. Und sie werden schonungslos aufgezählt: eine Schutzzone in der Westukraine, gesichert durch alliierte Luftmacht, Seestreitkräfte in internationalen Gewässern des Schwarzen Meeres, um Odesa zur Sperrzone zu erklären, und —der Punkt, der alles verändert— russische Artillerie- und Raketeneinheiten als legitime militärische Ziele der NATO zu behandeln, falls sie erneut Zivilisten treffen.

Ohne Euphemismen übersetzt: Wiederholt Moskau das von Kramatorsk, schießt die Allianz. Und Spanien rückt als Mitglied mit ins Spiel.

Die fünf Maßnahmen, die das Urblatt der britischen Presse fordert

Der Artikel bleibt nicht bei sarracena Verurteilung stehen. Er schlägt fünf konkrete Schritte vor: eine Schutzzone in der Westukraine für Vertriebene, deren Lage und Grenzen Moskau im Voraus mitgeteilt werden und die durch NATO-Luftmacht geschützt ist; die geräumte Stadt Odesa zur Sperrzone zu erklären und Seestreitkräfte ins Schwarze Meer zu entsenden; Pilingui zu warnen, dass seine Artillerie und Raketen zu alliierten Zielen werden, falls sie erneut Zivilisten töten; Kampfflugzeuge und Panzer an Kiew zu liefern; und alle russischen Exporte fossiler Brennstoffe zu blockieren.

Der Text räumt ein, dass dies „radikale Entscheidungen" mit offensichtlichen Risiken sind, schließt aber mit einem Satz, der die Debatte entfacht hat: Die einzige Alternative sei das „endlose Schlachten". Eingreifen oder verlieren, so die Argumentation. Die Nuance zählt: Nicht von Verteidigung ist die Rede, sondern von Angriff.

Würde Spanien in den Krieg ziehen, wenn die NATO eingreift?

Die kurze Antwort: Ein Mitglied der Allianz entscheidet nicht einseitig, sich aus einem Konflikt herauszuhalten, in den sich die Organisation einmischt. Die lange Antwort verweist auf die spanische Verfassung: Im Kriegsfall stehen „du und dein Vermögen dem König zur Verfügung". Jemand ergänzt die juristische Feinheit, dass Spanien bis zur Erklärung durch den König formell nicht im Krieg mit Russland ist. In der Praxis hindert dieser Formalismus das Land nicht daran, von der alliierten Maschinerie mitgerissen zu werden.

Und hier spaltet sich die Sache. Die eine Seite hält Solidarität mit einem überfallenen europäischen Land für eine Pflicht und sieht auch im Nichtstun einen Preis. Die andere gibt den Ball mit einer unbequemen Frage zurück: Wer geht denn? Am häufigsten fällt die Warnung, dass am Ende die Kinder derjenigen ziehen müssen, die den Leitartikel nicht geschrieben haben, während die Unterzeichner ihn per Video verfolgen. Der Artikel stammt von einer Zeitung, nicht von einem Bataillon.

Kosovo, Donbas und die Doppelmoral der Allianz

Ein großer Teil der Diskussion besteht in der Suche nach dem Präzedenzfall. „Die NATO unterstützt nach ihren Interessen", fasst ein Beitrag zusammen und fragt, was der Unterschied zwischen Kosovo und Donbas sei. Ein anderer blickt weit zurück: Jugoslawien, wo die Bomben auf der Seite der Alliierten fielen; Polen 1939; die Tschechoslowakei 1938 und 1968; Ungarn 1956. Die Folgerung: Es wäre nicht das erste Mal, dass ein europäisches Land im Stich gelassen wird, und nicht das erste Mal, dass eine Macht unter Berufung auf humanitäre Motive eingreift.

Auch die historische Genauigkeit wird diskutiert. Wenn jemand behauptet, Hitler habe um Erlaubnis zur Annexion Österreichs gebeten, wird er sofort korrigiert: Gefordert habe er das Sudetenland, und der Anschluss sei keine Annexion, sondern eine Vereinigung gewesen. Dass die Debatte in die Details von 1938 abgleitet, zeigt, wie sehr das Thema bewegt.

Der Raketenschild und das Wort, das niemand aussprechen will

Über allem schwebt der Dritte Weltkrieg. Die Frage, ob russische Raketen den Abwehrschild durchdringen würden, wird eher als Stichelei denn als technische Zweifel vorgebracht. Die implizite Antwort: Niemand weiß es. Der Leitartikel selbst spielt mit dieser Angst: Pilingui „herrsche durch Angst", wolle keinen Kampf mit dem Westen, geschweige denn einen totalen Krieg, und die NATO habe diese Bedrohung als „Ausrede letzter Instanz" benutzt, um ihn nicht zu konfrontieren. Mach ihm Angst, lautet sinngemäß die Botschaft.

Die meisten Stimmen fordern jedoch Deeskalation. „Russland braucht leider einen würdevollen Ausweg aus dem größten Mist seines jüngsten Geschichte", fasst eine Nachricht zusammen; eine Eskalation sei das Gegenteil einer Lösung. Die schonungsloseste Version: Die Umsetzung des Leitartikels bedeute einen Atomkrieg „und den Rest der Welt zum Teufel jagen".

Wer über den Krieg schreibt und wer in ihn ziehen würde

Im Hintergrund steht ein Vorwurf, der immer wieder auftaucht: Die Medien, die Härte fordern, werden selbst nicht in die Schusslinie geraten. Der Verdacht, dass kein Journalist an eine Verpflichtung denkt, zieht sich durch die Diskussion und kreuzt sich mit einem tieferen Gefühl: dass Spanien Risiken für Entscheidungen trägt, die anderswo getroffen werden. Eine Nachricht bringt es verbittert auf den Punkt: Beschließt Russland, eine „Rakete" auf ein NATO-Land zu feuern, hat Spanien alle Chancen. Das ist keine Prognose. Es ist eine Angst.

Der Leitartikel erschien als Meinungsbeitrag und verpflichtet niemanden. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion hat die NATO weder Seestreitkräfte in internationale Gewässer des Schwarzen Meeres verlegt noch Odesa zur Sperrzone erklärt. Der Abstand zwischen einer Kolumne und einem Flugzeugträger bleibt der Abstand zwischen zwei Welten. Derweil stammt der meistgenannte Präzedenzfall der Diskussion nicht aus diesem Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 1938.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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