Teruel: Wenige Mieten unter 800 Euro und niedrige Provinzlöhne
Was kostet das Leben in einer Stadt, die angeblich nicht existiert? In Spanien ist dies ein laufender Witz, doch die Debatte zeigt eine unbequeme Wahrheit: In der Hauptstadt von Teruel werden kaum noch drei Wohnungen für weniger als 800 Euro pro Monat angeboten, während die meisten Inserate zwischen 1.000 und 1.200 Euro liegen. Dies geschieht in einer Provinz, deren Hauptstadt erstmals mehr als 37.000 Einwohner hat. Die Situation lässt sich zusammenfassen als Teruel, das neue Manhattan – ohne Wolkenkratzer, ohne Manhattans Gehälter und mit einem Winter, der halb so lang dauert wie das Jahr.
Das Paradoxon ist nicht, dass Teruel teuer ist. Es ist, dass Teruel gerade deshalb teuer ist, weil es sonst nichts bietet. Ohne produktive Sektoren jenseits der Primärindustrie, Flughafen-Dienstleistungen und öffentlicher Bezüge haben sich die Immobilienpreise von den lokalen Löhnen entkoppelt. In Madrid toleriert man solche Ungleichgewichte mit Hoffnung auf beruflichen Aufstieg; in Teruel erträgt man sie mit befristeten Verträgen und Autos, die im Januar nicht anspringen.
Der Fall der Beamtin, die im Auto lebte
Ein prägnantes Beispiel aus der Debatte betrifft eine Beamtin aus Madrid, die nach bestandenem Examen Teruel als ersten Dienstort wählte, überzeugt davon, dass Wohnraum günstig sei. Sie schlief mehrere Tage im Auto, bis sie einen Vermieter davon überzeugte, die Miete von 900 auf 700 Euro zu senken. Laut diesem Bericht war dies kein Einzelfall, sondern ein Bild eines Marktes, in dem Knappheit Mieter zwingt, aus einer Position absoluter Schwäche zu verhandeln.
Vermieter nennen Angst als Grund: Angst vor Hausbesetzern, zahlungsunwilligen Mietern, die sich verschanzen, und einem Rechtsrahmen, der als feindselig wahrgenommen wird. Folglich vermieten viele nur an Studenten und Beamte – Gruppen mit stabilen Einkommen und definierten Mietzeiten. Andere, wie Dienstleistungsarbeiter, Saisonkräfte und junge Menschen mit unbefristeten, aber schlecht bezahlten Jobs, werden aus dem formalen Markt gedrängt und flüchten in die Schattenwirtschaft oder zurück ins Auto.
Calamocha, oder die Lösung, die keine ist
Der externe Rat lautet immer gleich: Zieh in ein nahegelegenes Dorf. Calamocha, 30 Autominuten von der Hauptstadt entfernt, hat 4.655 Einwohner, Autobahnanschluss, Schulen, ein Gesundheitszentrum und wirbt mit niedrigeren Preisen. Es ist die drittwichtigste Gemeinde der Provinz nach Alcañiz und Andorra. Doch hier endet das Argument.
Wie diskutiert wird, fehlt einem Dorf mit 4.655 Einwohnern eine robuste Infrastruktur. Es gibt nur Basisausstattung passend zur Größe: ein Gesundheitszentrum, eine Oberschule und eine Autobahn. Nichts weiter. Wer dies als Wohnraumlösung propagiert, setzt voraus, dass Familienleben – Arbeit, Gesundheit, Bildung, Soziales – um ein Auto und tägliche Pendelzeiten kreist. Es ist das „leere Spanien“, das zum Schlafplatz für sich selbst wird.
Die zugrunde liegende Rechnung ist vernichtend: Liegt die Miete in Teruels Hauptstadt bei 900 Euro und sinkt in Calamocha auf 700 Euro, wird die monatliche Ersparnis von 200 Euro durch Sprit, Fahrzeugverschleiß und zwei Stunden tägliche Fahrzeit aufgezehrt. Die Rechnung geht nicht auf. Wenn man dies laut sagt, lautet die übliche Antwort: Dann zieh nach Madrid.
Warum steigen die Mieten in einer schrumpfenden Provinz?
Viele fragen sich, wie Mieten in einem Gebiet steigen können, das seit Jahrzehnten einheimische Bevölkerung verliert. Die Debatte nennt drei Ursachen.
Erstens: Fehlende Neubauten. Es wird kaum neuer Wohnraum geschaffen, und kommunale Genehmigungen, Steuern und Bürokratie machen Entwicklungen in kleinen Märkten unwirtschaftlich. Zweitens: Zuwanderung. Daten zeigen, dass Ausländer 30 % der Industrie- und Gastronomieverträge in der Provinz unterschreiben und jede vierte Einstellung insgesamt. Diese Nachfrage drückt auf einen statischen Bestand. Drittens: Immobilien gelten als Wertanlage. Bei volatilen Zinsen und nervösen Aktienmärkten ist Kaufen-zum-Vermieten in einer kleinen Hauptstadt zur konservativen Wette geworden.
Manche sehen das Problem rein angebotsseitig und behaupten, Preisdeckel verschlimmerten die Knappheit. Andere meinen, Mieterschutzgesetze führen dazu, dass Vermieter leere Wohnungen riskieren, statt Zahlungsverzug zu fürchten. Eine pessimistische Sichtweise besagt, dass der spanische Immobilienmarkt in einer allgemeinen Blase steckt, die nicht zwischen Hauptstädten unterscheidet, wobei Teruels groteske Skala nur das sichtbarste Symptom ist.
Der Flughafen, der die lokale Wirtschaft trägt
Der wirtschaftliche Motor ist der Flughafen für Wartung und Reparatur von Flugzeugen, errichtet auf der ehemaligen Luftwaffenbasis Caudé, geschlossen 1992. Das Militär verkaufte das Gelände 2005 an die Stadt; Runways wurden repariert, eine Logistikplattform für Verschrottung und Parken alter Maschinen gebaut. Während des Lockdowns füllte er sich, da Parken dort billiger ist als an kommerziellen Flughäfen. Heute beherbergt er Teile der Qatar Airways-Flotte und das neue Ausbildungszentrum der Luftwaffe.
Dieser Industriepol erklärt, warum es in Teruel Arbeit gibt und warum Jugendliche aus umliegenden Dörfern in die Hauptstadt ziehen. Er erklärt auch steigende Mieten: Einige Gehälter können 900 Euro stemmen, wenn auch wenige. Das Problem ist, dass der Rest der lokalen Wirtschaft keine vergleichbaren Löhne generiert, wodurch die Kluft zwischen Wohnkosten und Gastronomie-Löhnen zum Hauptfaktor für Verdrängung wird.
Der Vergleich mit Manhattan, der kein Scherz ist
Der Vergleich der Wohnraumzuganglichkeit in Teruel mit Manhattan ist verstörend. Ein Gehalt von 80.000 Dollar in New York gilt angesichts der Insel-Mieten als arm. Ein Studio in Manhattan kostet zehnmal mehr als in Teruel. Mit 22.000 Euro in Teruel lebt man besser als mit 80.000 Dollar in Manhattan, sofern man akzeptiert, dass Teruel sonst wenig bietet. Doch das Verhältnis von Miete zu Lohn kann in New York tatsächlich günstiger sein als in Teruels Hauptstadt – eine überraschende Realität.
Die Schlussfolgerung ist unbequem: Spaniens Wohnungskrise ist nicht mehr nur städtisch; sie ist national. In kleinen Provinzhauptstädten, wo drei Angebote wegen extremer Marktengheit die Preise für alle anderen bestimmen, ist die Wirkung brutal. Es gibt keinen Spielraum, kein alternatives Angebot und keine Verhandlungsbasis. Willkommen im Manhattan der Ödnis.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (125 Antworten).