Tertsch: Wer trug die Schuld an der US-Unabhängigkeit?

Hermann Tertsch von Vox stellt die spanischsprachige Unabhängigkeit infrage und blame England sowie kreolische Eliten statt indigener Völker.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Tertsch: Wer trug die Schuld an der US-Unabhängigkeit?
Tertsch und die US-Unabhängigkeit: Zwei Jahrhunderte Suche nach einem Schuldigen

Ein Fall veranschaulicht, warum dieses Thema so hitzig diskutiert wird. Eine Frau, die kürzlich mit Kieferkrebs nach Spanien kam, soll mit einem humanitären Visum eingereist sein, da ihr Vater gebürtiger Galicier war. Von hier aus dreht sich die Kontroverse um das Verhältnis zwischen Spanien und Amerika – mit dem Vox-Politiker Hermann Tertsch im Zentrum – heute um Staatsbürgerschaft, Gesundheitswesen und öffentliche Kosten, nicht um Geschichte. Die Kernfrage bleibt dieselbe wie vor zwei Jahrhunderten: Wer war schuld an der amerikanischen Unabhängigkeit?

Was Tertsch zugeschrieben wird

Die Debatte basiert auf einer These, die dem Vox-Funktionär zugeschrieben wird: Lateinamerika habe Spanien geschaffen und groß gemacht. Diese als Verteidigung der Hispanidad (Spanischsprachigkeit) formulierte Position stößt auf den größten Widerstand. Einige sehen darin eine kulturelle und politische Operation – mit Vox als verlängerter Arm –, die ein Narrativ der Brüderlichkeit erzwingen will, während dunkle Kapitel in den amerikanischen Territorien ignoriert werden. Andere verteidigen sie als historische Wiedergutmachung, die nie abgeschlossen wurde.

Warum England und kreolische Eliten beschuldigt werden]

Die weit verbreitete Version sieht den Ursprung der Unabhängigkeiten außerhalb des spanischen Amerikas. Kreolische Eliten – die Oberschichten der Vizekönigreiche, ausgebildet in England und Frankreich und verbunden mit der Freimaurerei – hätten den Bruch mit britischer wirtschaftlicher und militärischer Unterstützung vorangetrieben. Spanien habe Amerika nicht verstoßen; privilegierte Minderheiten hätten aufgehört, der Krone Rechenschaft abzulegen. Der wiederkehrende Vergleich gilt separatistischen Bewegungen auf der Iberischen Halbinsel: Der Ursprung der katalanischen oder baskischen Abspaltung läge nicht in Madrid, sondern bei lokalen Eliten mit eigenen Interessen. Den Fokus vom kollektiven Unrecht auf wenige Profiteure zu lenken, ist genau das Ziel dieser Argumentation.

Indigene Völker, die keine Unabhängigkeit wollten

Die unbequemste Behauptung lautet, dass die indigenen Völker die Unabhängigkeit nicht wollten. Es wird argumentiert, dass sie generell gegen den Bruch waren, dass Truppen und Geld nötig waren, um ihn durchzusetzen, und dass sie von den Befreiern massenhaft als Kanonenfutter rekrutiert wurden. Daraus folgt die These, dass die Ablehnung Spaniens nicht vom amerikanischen Volk, sondern von seinen Führern ausging. Hier wird Geschichte zur Identitätsstreitfrage: War die Ablehnung elitär, bleibt die Brüderlichkeit intakt; war sie populär, bricht das Narrativ zusammen.

Das „spanische Reich“, das laut dieser These nie existierte

Eine radikale Einwand hinterfragt sogar den Namen. Es wird argumentiert, das spanische Reich habe nie als solches existiert, da die Territorien Lehen waren, die zunächst von einer flämischen und dann von einer französischen Familie verwaltet wurden, und dass kein gewöhnlicher Spanier dort ohne explizite königliche Erlaubnis siedeln durfte, unter Androhung von Zwangsarbeit. Nur der Klerus und autorisierte Beamten hatten freien Zugang. Die Schlussfolgerung – dass das amerikanische Abenteuer ein Geschäft fernab der Interessen des Durchschnittsspaniers war – passt zur allgemeinen Geringschätzung des Projekts, bleibt aber eine parteiische Hypothese.

Von der Geschichte zu Staatsbürgerschaft und Gesundheitssystem

Der Subtext ist ökonomisch. Der Artikel 22 des spanischen Zivilgesetzbuchs wird als Weg angeführt, über den etwa zwanzig iberoamerikanische Länder – von Argentinien bis Venezuela, von Mexiko bis Portugal – leicht die Staatsbürgerschaft erlangen. Dieser Kanal, verteidigt als kulturelles Band, wird auch als Einwanderungstor und zusätzliche Belastung für bereits angespannte öffentliche Dienstleistungen gesehen. Der Fall der Krebspatientin deutet in dieselbe Richtung: Die Diskussion geht nicht um abstrakte Rechte, sondern darum, wer die Rechnung zahlt. Und hier bewegen sich die Positionen nicht.

Eine Hispanidad, die laut Kritikern erst fünf Jahre alt ist

Es gibt einen grundsätzlichen Einwand: Dass die Rhetorik der Hispanidad neu sei. Es wird behauptet, dass dieses Narrativ vor etwa fünf Jahren in Spanien kaum präsent war, dass indigene amerikanische Völker tiefe Ablehnung hegen und dass die Begeisterung für die Brüderlichkeit vor allem eine Strategie der Anwerbung ist. Mit demselben Argument werden die Befürworter des Projekts als kleine Gruppe innerhalb der Rechten beschrieben. Die These koexistiert mit ihrem Gegenstück: Dass die Hispanidad das natürliche Erbe einer gemeinsamen Kultur sei und ihre Ablehnung die eigentliche Anomalie darstelle.

Daraufhin wählt jeder seinen Schuldigen. Manche verteilen die Verantwortung auf ausländische Mächte, geheime Gesellschaften und lokale Nachkommen der Krone; andere schieben sie direkt auf Spanien. Das verwirrende Faktum ist nicht historisch, sondern innenpolitisch: Angesichts der fünf Jahre, die dem Aufstieg der Hispanidad zugeschrieben werden, beziffern manche die kontinuierliche Arbeit am Zerfall des Landes auf 200 oder 300 Jahre. Nebeneinander gestellt, lassen diese beiden Zahlen die Kontroverse unentschieden enden. Und die Rechnung geht an den Verursacher.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (263 Antworten).

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