Vier Auswege für Russland in der Ukraine: Die Niederlage ist kein Tabu mehr
Die Sanktionen, die Russland seit 2014 tragen muss, sollen bereits rund 25 % seiner Wirtschaft aufgezehrt haben. Das ist der Ausgangspunkt, von dem ein Teil der Analyse ausgeht, und er hilft zu verstehen, warum das Szenario, das an Boden gewinnt, weder der Blitzsieg noch der sofortige Zusammenbruch ist, sondern etwas Schmutzigeres und Langsameres: eine teilweise Kapitulation, die niemand unterschreiben will und die jede Seite auf ihre Weise benennen wird. Im Frühjahr 2022, als dieser Kraftakt endete, hielt sich weder die Vorstellung eines russischen Militärspaziergangs noch die einer russischen Niederlage auf dem Schlachtfeld.
Zwischen beiden zerbrochenen Gewissheiten passt fast alles: von der Annexion neuer Gebiete, die als Triumph verkauft wird, bis zu einem Abnutzungskrieg, der in Jahrzehnten gemessen wird. Und über allem schwebt eine unbequeme Frage: Wenn die Abnutzung der Weg ist, wer hält länger durch, das Russland, das Gas verkauft, oder das Europa, das es kauft?
Was ist eine teilweise Kapitulation Russlands?
Mit Gewalt einen Streifen ukrainischen Territoriums festigen und faktisch auf den Rest verzichten, indem man es als ausreichenden Sieg verkauft. Das ist der Ausweg, der am häufigsten genannt wird, weil er Moskau zwei Extreme erspart: die totale Niederlage auf dem Schlachtfeld und die vollständige Eroberung der Ukraine, die angesichts von 40 Millionen Einwohnern und eines ständigen Stroms westlicher Waffen kurzfristig höchst unwahrscheinlich ist. Die Liste der Beschwerden, die auf den Tisch kommt, umfasst den verlorenen europäischen Markt, Finnland und Schweden in der NATO, ein Deutschland, das sich wieder bewaffnet, und eine Ukraine, die aus dem Konflikt mit einem schwer umkehrbaren Hass hervorgeht.
Die 25 % Wirtschaft, die nicht zurückkehren
Das am häufigsten wiederholte Argument handelt nicht von Panzern, sondern von Buchhaltung. Die Sanktionen vor der Invasion sollen ein Viertel der russischen Wirtschaft gekürzt haben, und die vorherrschende Vermutung ist, dass das spätere Paket auch ohne Invasion verhängt worden wäre. Daraus folgern mehrere Analysen: Moskau hat den Krieg nicht im Donbass verloren, sondern in Moskau, an internen Meinungsverschiedenheiten und am Druck auf die Oligarchen. Der Mangel an Bauteilen, um eine Luftfahrt in der Luft zu halten, die die Logistik eines riesigen und dünn besiedelten Landes trägt, ist das am häufigsten zitierte Beispiel.
Tschetschenien und die Lust an Kriegsvergleichen
Die Analogie zu Grosny spaltet. Die einen glauben, die russische Doktrin sei nie der Blitzkrieg gewesen und der anfängliche Stillstand das übliche Muster; die anderen entgegnen, die Ukraine sei nicht Tschetschenien und eine Million Einwohner nicht 40, ebenso wenig ein einzelner Gegner gegenüber den reichsten Volkswirtschaften des Planeten. Beide Seiten sind sich in einem Detail einig: Sie haben trotzdem gewonnen. Einig sind sie sich auch über die Kostspieligkeit der Methode, das Artilleriefeuer als einziges Werkzeug, wenn die Infanterie nicht reicht.
Abnutzungskrieg: Deutschland 1918 als Warnung
Der Präzedenzfall, der am hartnäckigsten wiederholt wird, ist der des Ersten Weltkriegs. Deutschland verlor nicht an der Front: 1918 stand es auf dem Schlachtfeld noch unentschieden da, mit zerstörter Wirtschaft. Abnutzungskriege gewinnt man nicht auf dem Schlachtfeld, man verliert sie durch Erschöpfung und wirtschaftliche Auszehrung einer der Seiten. Wenn Russland rund 10 % seiner Armee mobilisiert und nicht 50 %, dann weil es kostet, diese Anstrengung aufrechtzuerhalten. Niemand weiß, welche der beiden finanziellen Lungen zuerst zusammenbricht.
Das Gas, der Weizen und die europäische Rechnung
Es gibt eine Lesart, die besagt, der Krieg werde nicht von Russland verloren, sondern von den europäischen Bürgern, die zugleich die entsandten Waffen und das doppelt so teure Gas bezahlen. Der Winter wirkt als wiederkehrende Drohung: Wenn Moskau im November den Hahn zudreht, so dieses Argument, ändert halb Europa seine Haltung. Hinzu kommt das Ernährungsrisiko: Die Region soll mehr als 30 % des Weizens weltweit produzieren, und Russland gehört zu den größten Düngemittelexporteuren. Als Präzedenzfall gelten die Revolten des Arabischen Frühlings, ausgelöst durch Preissteigerungen, die im Westen kaum spürbar waren.
Wo wird der Krieg verloren: in Charkiw oder in Moskau?
Die meisten Schätzungen deuten darauf hin, dass die Front allein nichts entscheidet. Russland dürfte eine ausreichende Artillerieüberlegenheit behalten, um nicht vertrieben zu werden, aber einen so hohen Preis zahlen, dass die Rechnung im Kreml beglichen würde, nicht auf dem Schlachtfeld. Der Sportvergleich, der im Diskurs kursiert, ist unerbittlich: Wer steigt aus, wenn es 8:2 steht. Ein loser Faden bleibt. Wenn die Abnutzung der Weg ist und beide Seiten sagen, sie hielten Jahrzehnte durch, rechnet dann wirklich jemand damit, mit welcher Wirtschaft man in die Verlängerung geht?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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