SVB stürzt ab, Märkte rechnen mit Fed-Pause
Eine mittelgroße Bank aus dem Silicon Valley verliert in einer einzigen Handelssitzung mehr als die Hälfte ihres Werts und reißt den gesamten Finanzsektor mit in die Tiefe. Der Auslöser ist weder ein Zahlungsausfall noch Betrug: Es ist das Anleihenportfolio, das die Bank selbst angesammelt hat, als die Zinsen bei null lagen. Steigen die Zinsen, sind diese Wertpapiere weit weniger wert als in den Büchern ausgewiesen – und wenn Anleger ihr Geld abziehen, muss die Bank sie mit Verlust verkaufen. Das Paradoxon ist lehrbuchmäßig: Die Politik, die die Inflation eindämmen sollte, bringt genau die Institute an den Rand ihrer Solvenz, die diese Politik finanziert haben.
Die Debatte eskaliert mit einer unbequemen Frage: Hält das Finanzsystem Zinserhöhungen so aggressiv wie die der Federal Reserve aus? Die Antwort, die der Markt in den folgenden Stunden gibt, ist ein klares Nein. Die Futures auf Nasdaq und S&P 500 eröffnen über 1 % im Plus, der Euro wertet gegenüber dem Dollar auf. Alles deutet in dieselbe Richtung: Der Markt preist ein, dass die Fed zweimal nachdenkt, bevor sie weiter an der Zinsschraube dreht.
Was ist die SVB und warum ist ihr Absturz wichtig?
Die Silicon Valley Bank ist kein Wall-Street-Riese. Sie ist ein mittelgroßes Institut, das auf die Finanzierung von Start-ups und die Verwaltung von Einlagen von Tech-Unternehmen spezialisiert ist. Doch ihre Bilanz spiegelt wider, was ein großer Teil der Branche getan hat: Staatsanleihen und Unternehmensanleihen anhäufen, als die Renditen niedrig waren, in dem Glauben, es sei der sicherste Vermögenswert. Steigen die Zinsen, verlieren diese Anleihen an Marktwert. Hält die Bank sie bis zur Endfälligkeit, zeigt sich der Verlust nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung; braucht sie Liquidität und verkauft sie, materialisiert sich der Verlust schlagartig.
Das eigentliche Problem ist buchhalterischer Natur. Ein erheblicher Teil dieses Portfolios ist als „bis zur Endfälligkeit halten" klassifiziert, wodurch die Wertminderung nicht ausgewiesen werden muss. Manche schätzen, dass die nicht realisierten Verluste der SVB 15 Milliarden Dollar übersteigen. Diese Zahl erklärt, so sie sich bestätigt, allein schon den Run der Einleger.
Der Mechanismus, der eine Zinserhöhung in einen Konkurs verwandelt
Die Abfolge ist einfach und wiederholt sich in jedem Zyklus. Die Bank nimmt Einlagen entgegen und investiert sie in Anleihen. Steigen die Zinsen, zahlen neue Anleihen mehr, alte sind weniger wert. Der Einleger, der sieht, dass ein Treasury-Bill 5 % abwirft, während sein Girokonto 0,25 % bringt, verschiebt sein Geld. Die Bank, ohne Bargeld, verkauft Anleihen mit Verlust. Und so weiter, bis das Loch das Eigenkapital übersteigt.
Der Vergleich mit Großbritannien von wenigen Monaten zuvor liegt nahe. Dort waren es die Versicherer, die Renten finanzieren und Anleihen zu Niedrigzinsen hielten, die Liquidität brauchten, als die Bank of England die Politik straffte. Die Notenbank musste zurückrudern und Anleihen kaufen, um einen Kollaps zu verhindern. Der Unterschied: Diesmal spielt sich das Geschehen in den USA ab und betrifft eine Geschäftsbank, nicht einen Pensionsfonds.
Die Dringlichkeitssitzung und die Rettung der Einlagen
Die Fed beruft für Montag, den 13. März, eine außerordentliche Sitzung ein. Die Stimmung ist eine Ausnahmezustands-Stimmung: Konkurs der SVB, Stilllegung der Signature Bank, Gerüchte über Abzüge bei mittelgroßen Instituten. Die Behörden kündigen an, dass alle Einlagen garantiert werden, auch die über der Grenze von 250.000 Dollar, und dass Anleihen als Sicherheiten zum Nennwert akzeptiert werden, über ihrem Marktpreis. Das heißt: Die Verluste aus dem Verkauf von Anleihen sollen sich nicht materialisieren.
Die Maßnahme hat einen technischen Namen und eine politische Wirkung. Technisch wird Liquidität zugeführt und Ansteckung vermieden. Politisch werden die Einleger mit Steuergeld gerettet, während die Aktionäre die Verluste tragen. Die Frage, die in der Luft hängt: Wer bezahlt die Zeche? Manche sagen, die Antwort sei der Steuerzahler.
Das Dilemma der Fed: Inflation oder Finanzstabilität
Das Mandat der Federal Reserve ist doppelt: volle Beschäftigung und Preisstabilität. Bei historisch niedriger Arbeitslosigkeit und einer Inflation weit über 2 % sagt die Logik: weiter die Zinsen erhöhen. Doch wenn jede Erhöhung eine Bank zerbricht, wird die Logik kompliziert. Der Markt hat bereits mit einer Pause gerechnet. Die Futures steigen, der Dollar schwächelt, Unternehmensanleihen werden genau unter die Lupe genommen.
Manche halten den Schaden für bereits angerichtet und eine Pause für untauglich, die Rezession zu verhindern. Das Bild, das kursiert: ein Auto, das mit 300 Stundenkilometern auf eine enge Kurve zuläuft – bei 240 zu bremsen verhindert das Abkommen von der Fahrbahn nicht. Andere glauben, die Fed werde in jedem mäßigen Arbeitsmarktdatum die perfekte Ausrede finden, den Ton zu mäßigen. Geldpolitik ist am Ende auch Politik.
Wer gewinnt und wer verliert durch die Rettung
Die Einleger der SVB erhalten, so die kursierenden Informationen, am Montag oder Dienstag rund 50 % ihres Geldes, den Rest je nach realisiertem Wert der Vermögenswerte in den folgenden Monaten. Die Aktionäre verlieren alles. Die Manager müssen vorerst nicht haften. Und die kleinen Banken, die nicht systemrelevanten, sehen sich einem Abfluss von Einlagen zu den großen Instituten ausgesetzt, die als sicherer gelten.
Das Ergebnis ist eine Konzentration des Finanzsektors, für die niemand gestimmt hat. Große Kapitalgruppen kaufen Vermögenswerte zum Schleuderpreis, und Kredite werden teurer für alle ohne Zugang zu den Märkten. Die mittelgroßen Banken, die KMUs und Start-ups finanzieren, sind die ersten Opfer. Und die Start-ups, die ohnehin ein mageres Jahr hinter sich haben, verlieren ihre wichtigste Finanzierungsquelle.
Was kommt: Zinsen, Inflation und Vertrauen
Die Inflation bekämpft man nicht allein mit Zinsen. Unterbrochene Lieferketten, Elbichito und die Übernachfrage nach physischen Gütern haben ihr Übriges getan. Aber die Notenbanken haben nur die Werkzeuge, die sie haben. Erhöhen sie die Zinsen, kippen Banken. Tun sie es nicht, frisst die Inflation die Kaufkraft. Einen sauberen Ausweg gibt es nicht.
Vertrauen ist der einzige Vermögenswert, der sich nicht drucken lässt. Glauben die Einleger, dass ihre Bank sicher ist, gibt es keinen Run. Hören sie auf, es zu glauben, hilft kein Zinssatz der Welt. Die Frage, die in der Luft bleibt: Bringt die SVB-Rettung dieses Vertrauen zurück oder beschädigt es weiter? Denn die Einleger einer Bank zu retten, die heiße Luft finanziert hat, während man andere fallen lässt, ist keine Politik – es ist ein Signal.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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