Eine Staatsanwältin schafft es nicht, ihre eigene Partei zu registrieren
Jemand, der im Namen der Verwaltung Prozesse führt, brachte ihre eigene Partei nicht durch eine administrative Prüfung. Das Innenministerium verweigerte am 6. Juni 2023 die Registrierung von Caminando Juntos, der Partei, mit der Macarena Olona bei den Parlamentswahlen am 23-J antreten wollte – wegen Formfehlern. Die Initiatorin des Projekts ist ausgerechnet Staatsanwältin (abogada del Estado, eine Beamtin, die die spanische Verwaltung juristisch vertritt). Die Nachricht wurde am späten Nachmittag bekannt und verbreitete sich sofort, denn der Mangel lag nicht in der Substanz des Projekts, sondern in der Bürokratie.
Ihre Reaktion war, eine Korrektur einzureichen und einen Satz für die Geschichtsbücher zu hinterlassen: „Man darf nie einen Weg ohne Plan A, B ... und Z beginnen“. Mit der noch offenen Akte und dem knappen Zeitplan hörte das Problem auf, bürokratisch zu sein, und wurde zu einer Rechenaufgabe.
Der Formfehler, der die Registrierung kippte
Das Innenministerium teilte der Partei mit, dass sie wegen formaler Mängel nicht eingetragen werden könne. Die Betroffene selbst bestätigte dies und schrieb, ihre Partei könne nicht zu den Wahlen antreten, „wenn wir diese Unterschriften nicht in jeder der Provinzen bekommen, in denen wir antreten wollen“. Dort lag der eigentliche Knotenpunkt: die Wählerunterstützung.
Das Detail hat eine gewisse Ironie, handelt es sich doch um eine Juristin des Staates. Auf der anderen Seite ein Rechtsteam, das unter Druck funktionierte: Wie in Gesprächen von Vox-nahen Leuten erzählt wurde, hatten die juristischen Dienste, die während der Pandemie die Ausnahmezustände anfochten, wegen Formfehlern, die einige dieser Klagen beinahe kippten, hart zu kämpfen. Es ist eine Anekdote ohne unabhängige Überprüfung, aber sie zeigt, welche realen Folgen prozedurale Nachlässigkeiten haben können.
Wie viele Unterschriften eine neue Partei für die Kandidatur braucht
Hier erscheint der erste Widerspruch in den Zahlen. Die veröffentlichten Informationen sprachen von 21.000 Unterschriften; Olona selbst hatte 194.000 Unterstützungen erwähnt. Beide Mengen beruhen auf demselben Mechanismus, so die im Thread gegebene Erklärung: Das Gesetz verlangt von Parteien ohne Parlamentssitze eine Anzahl von Unterschriften proportional zur Bevölkerung jedes Wahlkreises, während Abgeordnete mit Sitzen davon ausgenommen wären.
Die Folge dieser Lesart ist ein System mit zwei Geschwindigkeiten: Etablierte Parteien mussten diese Unterschriften nie sammeln und hätten, einmal drinnen, Wahlrechtsreformen unterstützt, die den Eintritt für diejenigen erschweren, die später kommen. Für ein Projekt ohne territoriale Struktur ist das Sammeln tausender Unterstützungen in wenigen Tagen ein Wettlauf gegen die Zeit, Provinz für Provinz, und das Ergebnis dieser Gesamtrechnung entscheidet, ob ein Name auf dem Stimmzettel erscheint oder von der Landkarte verschwindet.
Die Sitz-Arithmetik: Wo Olona punkten kann
Der zweite Filter ist die Geografie. Es gibt Provinzen mit sehr wenigen Sitzen – Soria, Teruel, Palencia oder Guadalajara –, wo ein Mandat einen Prozentsatz erfordert, der für eine frisch gegründete Partei unerreichbar ist. Der eigentliche Kampf findet in Madrid, Barcelona, Valencia, Alicante, Málaga und Sevilla statt, den großen Stimmenkammern.
Und nicht einmal das ist garantiert. Bei ihrem früheren regionalen Anlauf in Andalusien fiel das Ergebnis bescheiden aus, wie im Thread erinnert wird. In den dortigen Berechnungen liegt ihr optimistischstes Szenario bei einer Handvoll Sitzen in den großen Wahlkreisen; das pessimistische bei null. Zwischen beiden Extremen liegt eine Variable, die sie nicht kontrollieren kann: wie viele taktische Wähler sich durch ihre Kandidatur bedroht fühlen.
Der Brief an die fünf Großen: von der Unterstützung zur Gefälligkeit
Der auffälligste Schachzug war der Brief an PSOE, PP, Vox, Podemos und Ciudadanos, in dem sie gebeten wurden, ihre „internen Strukturen“ und ihre Basis zur Verfügung zu stellen, um so das Sammeln von Unterschriften zu erleichtern und „unsere Demokratie größer zu machen“. Die Rivalen um deren Maschinerie zu bitten, um gegen sie anzutreten, ist wahrlich nicht üblich.
Die Parallele blieb nicht unbemerkt: Manche weisen darauf hin, dass logistische Hilfe von Parteien erbeten wird, die der eigene Diskurs an das ideologische Ende des Spektrums stellt. Eine weniger wohlwollende Lesart sieht in der Bitte ein implizites Eingeständnis, dass der Kandidatur eigene Substanz fehlt. Und eine dritte Strömung hält das Ziel nicht für Regieren, sondern für mediale Präsenz: Die Abfolge von Ankündigungen, Auftritten und Gesten – die hochhackigen Schuhe in verschiedenen Farben inklusive – passt zu dieser Deutung. Das Gegenargument liegt auf der Hand: Ohne bestehende Struktur beginnt jede neue Partei mit Schlagzeilen, weil ihr kein anderes Werkzeug zur Verfügung steht.
Wurde Caminando Juntos schließlich registriert?
Die später kursierende Version deutete an, dass die Registrierung am Ende doch gewährt wurde. Falls die Akte ohne die geforderten Unterschriften erledigt wurde, stellt sich die Frage, auf welcher rechtlichen Grundlage – denn eine Ausnahme von einer gesetzlich geregelten Voraussetzung zwingt dazu zu fragen, wie viele Schritte des Verfahrens von der Norm abwichen. Auch die gegenteilige Lesart ist möglich: dass die Korrektur genügte, weil der Mangel tatsächlich nur ein Formfehler war.
Zwischen der anfänglichen Ablehnung und einem unklaren Ausgang sehen manche in der Wahlgesetzgebung zwei Maßstäbe: eine Anforderung, die die einen nie erfüllen müssen und die anderen nicht rechtzeitig erfüllen können. Inzwischen wirkt die Partei, die als persönliche Plattform entstand, für manche Beteiligte eher wie eine Marketingoperation denn wie ein organisches Projekt.
Da die Registrierung – oder deren Ausbleiben – intransparent blieb, bleibt eine unbequeme Frage offen: Wenn das Sammeln von Unterstützungen für diejenigen, die schon drinnen sind, so einfach ist, warum wird es denen so eifrig abverlangt, die hineinwollen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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