Spanischer Stadtrat: 15-20 % der Vetternwirtschaft fließen an die Partei
Ein kommunaler Beamter mit teilweiser Freistellung, der etwas mehr als 3.000 Euro pro Monat, eine Verpflegungskarte und bestimmte „Extras“ erhält, beschreibt seine Situation in einem Wirtschaftsforum. Was als einfache Frage-Antwort-Runde begann, entwickelte sich zu einem Bericht über die Hinterzimmer-Politik eines spanischen Rathauses. Der Protagonist versteckt sich nicht: Er behauptet, dass bei direkt vergebenen Aufträgen – verhandelte Verfahren ohne öffentliche Ausschreibung, Kleinverträge oder Notfallmaßnahmen – der Anteil, der an die Regierungspartei abgeführt wird, „niemals unter 15-20 % liegt“ und bis zu 100 % erreichen kann, wenn das begünstigte Unternehmen eine Strohmann-Firma ist.
Wie viel Prozent nimmt die Partei bei direkter Vergabe?
Die schärfste Frage verlangt eine Spanne. Die Antwort ist deutlich. Der Beamte unterscheidet zwischen verschiedenen Arten der Direktvergabe und ordnet den Aufpreis in ein konkretes Intervall ein, stets nach Abzug des Anteils für die Partei und die Regierungsgruppe. Dies passt zu einer früheren Erklärung, warum viele Ausschreibungen leer ausgehen: Der von der Verwaltung festgelegte Preis sei „seltsam niedrig und klar unter dem Marktwert“, was Unternehmen einlädt, dies auf anderen Wegen auszugleichen. Der technische Hinweis lautet: „Verhandlungsverfahren ohne Bekanntmachung.“
Die Mehrwertsteuer fügt eine Ebene administrativer Realität hinzu. Ein Nutzer fragt, ob das Unternehmen die 21 % MwSt. auf die Provision abzieht. Die Antwort lautet, dass sie „skrupellos“ auf den vollen Rechnungsbetrag gezahlt wird, da niemand die Aufmerksamkeit der Hacienda (spanische Finanzverwaltung) erregen will, „besonders wenn die Zentralregierung nicht derselben politischen Richtung angehört.“ Repräsentationskosten werden als weitere Betriebskosten beschrieben, ohne Unterschied zu jedem anderen Geschäft.
Teilzeitstelle, 3.000 Euro und eine Verpflegungskarte
Das wirtschaftliche Profil wird durch seine eigene Beschreibung vervollständigt: Teilzeitfreistellung, Gehalt knapp über 3.000 Euro, Verpflegungskarte und „bestimmte Extras“. Er nennt keine exakten Zahlen, um nicht durch eine Suche im Amtsblatt identifiziert zu werden. Auf die Frage, wie viel Prozent des Haushalts für Vetternwirtschaft, Freunde, Stiftungen und Parallelverwaltung ausgegeben werden, antwortet er, es hänge vom jeweiligen Fall ab.
Der Weg der Naiven und der Weg der Schlauen
Eine längere Intervention bittet um eine Zusammenfassung für Laien: Wie kommt man vom Parteieintritt zum stellvertretenden Bürgermeister? Die Antwort unterscheidet zwei Wege. Der Weg der „Naiven“ beginnt im lokalen Hauptquartier mit ideologischem Eifer, führt zur Mitgliedschaft und endet damit, die Drecksarbeit im Wahlkampf zu erledigen. Der Weg der „Schlauen“ ist anders. Der Protagonist gibt zu, mit 24 Jahren Stadtrat gewesen zu sein, geglaubt zu haben, das System von innen reformieren zu können, und vor zwei Jahren „aus eigener Initiative“ zurückgetreten zu sein. Hätte er nicht gekündigt, wäre er zum Rücktritt gezwungen worden. Sein Fazit ist bitter: „Dieses Land verdient das Schlimmste.“
Druck, Angst vor Jobverlust und Hintertür-Ausstieg
Eine weitere Frage erkundet, warum Amtsträger unabhängig von Wahlen um ihre Position fürchten könnten: illegale Verfahren, entdeckte Machenschaften, Missfallen des Bürgermeisters oder Parteichefs oder Konflikte mit Mitarbeitern. Während er nicht ins Detail geht, macht die vorherige Geschichte des erzwungenen Rücktritts klar, dass die Lokalpolitik Ausschlussmechanismen hat, die nicht über Wahlen laufen. Das Gespräch dreht sich um Hierarchien: Der Unterschied zwischen stellvertretendem Bürgermeister und Vizebürgermeister, den er als „perfekte Synonyme“ bezeichnet, und der Sprung vom Sergeant zum Leutnant, die unterschiedlichen Laufbahnen angehören.
Von Witzen zu Drohungen über Straßengräben
Der Ton schwankt zwischen Humor und versteckten Drohungen. Manche zitieren den Witz, dass ein stellvertretender Bürgermeister ein „Meilenstein“ ist (ein Wortspiel, das Hindernis impliziert), andere fragen, ob er mit Prostituierten und dem Bürgermeister ausgegangen sei, und manche erkundigen sich nach dem Privatleben der Kulturdezernentin. Eine unbequeme Frage taucht auf: „Glaubst du, du kommst lebend aus den Gräben?“ Gemeint sind Morde, bei denen Opfer oft in Straßengräben gefunden werden, eine Assoziation mit organisierter Kriminalität oder politischer Gewalt. Seine viel zitierte Antwort lautet: „Wenn die Grabenkämpfe beginnen, ist es schwer zu wissen, wer am Ende im Graben landet.“ Er klärt nicht, ob er scherzt.
Wasser, Müll und IBI: Die andere Seite der Medaille
Gegen das Bild weit verbreiteter Überteuertung verteidigt jemand den nicht-professionellen Politiker. Ein Teilnehmer argumentiert, dass seine Verwaltung dazu geführt habe, dass die Grundsteuer (IBI) und andere Steuern niedriger seien als im Rest der Provinz, ohne Wertzuwachsabgaben und fast keine Baugenehmigungen außer für Projekte über 100.000 Euro. Er erkennt an, dass dies einen privilegierten Status gegenüber denen bewahrt, die sich „kaputt arbeiten, um Steuern, Gebühren und sonstigen Mist zu zahlen.“ Der Austausch lässt eine ungeklärte Frage offen: Werden diese Margen durch Effizienz getragen oder dadurch, dass ein Großteil der Aktivität aus dem formellen Kreislauf gehalten wird?
Der Protagonist fasst seine Position mit einer unangreifbaren Phrase zusammen: „Ich bin ein ehrlicher und integrierter Beamter; lasst mich prüfen.“ Die Ironie liegt bei ihm. Das Problem ist, dass man nach der Lektüre, wie 15-20 % eines direkt vergebenen Auftrags verteilt werden, kaum sagen kann, wo der Scherz endet und die Anklage beginnt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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