Spanische Schatzwechsel mit 3,804% auf Zwölfjahreshoch

Spanien emittiert 12-Monats-Schatzwechsel zu 3,804%, dem höchsten Zinssatz seit Juli 2012, während Sparer Schutz vor der Inflation suchen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanische Schatzwechsel mit 3,804% auf Zwölfjahreshoch
Schatzwechsel bei 3,8%: Höchster Zins seit 2012

Das spanische Staatsfinanzamt (Tesoro Público) hat 12-Monats-Wechsel zu einem Zinssatz von 3,804% ausgegeben, dem höchsten Stand seit Juli 2012. Nach zwölf Jahren kostet die Finanzierung über ein Jahr wieder so viel wie während der Schuldenkrise, und private Ersparnisse kehren als sicherer Hafen zur öffentlichen Verschuldung zurück. An einem einzigen Tag wurden laut den im Fernsehen verbreiteten Zahlen 5 Milliarden Euro platziert. Die Daten lassen mindestens zwei unbequeme Lesarten zu.

Erstens: Dass der Staat 3,804% zahlt, bedeutet, dass er im direkten Wettbewerb mit Bankeinlagen steht, die seit Monaten keine Verzinsung mehr bieten. Zweitens: Diese Rendite liegt immer noch unter dem Wertverlust durch die Inflation. Zwischen beiden Punkten taucht der wiederkehrende Verdacht auf, dass das Finanzamt kleine Sparer gezielt anspricht, wenn es Geld braucht.

Warum zahlt der Staat 3,804% für 12-Monats-Wechsel?

Der Satz wird durch die Auktion bestimmt, und diese reagiert auf die EZB. Da die Geldpreise auf Niveaus liegen, die seit Jahren nicht gesehen wurden, haben sich kurzfristige Schulden bei jeder Ausschreibung verteuert. Die Mehrheitserwartung ist, dass die EZB noch nicht am Ende ist: Manche behaupten, sie werde erst bei 5% stoppen, andere glauben, sie bleibe nahe beim aktuellen Niveau von 4%.

Im Kern geht es nicht um Technik, sondern um den Kalender. Jede Auktion konkurriert mit der vorherigen, und wer heute für ein Jahr kauft, muss damit rechnen, zwölf Monate gebunden zu sein. Daher wird der Satz von 3,804% als Erwartungsindikator gelesen: Der Markt preist weitere Erhöhungen ein.

Rendite, die von der Inflation aufgefressen wird

3,804% klingen gut, bis man sie dem Warenkorb gegenüberstellt. Die kumulierte Inflation über vier Jahre liegt bei rund 16%, und die Grundausgaben haben sich in nur zwei Jahren um etwa 30% erhöht. Mit dieser Referenz deckt der Wechselzins nur das Papier ab, nicht die Kaufkraft.

Hinzu kommt der Einkommensverlust: Das Median-Einkommen ist von 1.400 auf 1.200 Euro gefallen. Wer Staatsanleihen für ein Jahr kauft, macht im besten Fall ein Nullsummenspiel. Im schlechtesten Fall leiht er an einen Schuldner, dessen Verbindlichkeiten sich in vier Jahren vervierfacht haben.

Was kostet die Umschuldung zu diesen Konditionen?

Hier liegt die verwirrende Zahl. Wenn die Schuldenlast von 1,5 Billionen Euro – eine in Berechnungen kursierende Größe – zu den aktuellen Sätzen umgeschuldet werden müsste, würden die Zinskosten auf etwa 57 Milliarden Euro pro Jahr steigen: das Äquivalent zu fünf Monatsgehältern aller Rentner des Landes. Dies ist kein feststehendes Szenario, sondern eine Arbeitshypothese. Schulden werden nicht getilgt, sondern refinanziert.

Parallel dazu ist die Schuldenquote (Verhältnis von Staatsverschuldung zum BIP) von 120% im Jahr 2021 auf voraussichtlich unter 100% im Jahr 2025 gesunken. Der Rückgang existiert, ist aber hauptsächlich der Inflation geschuldet, die den Nenner vergrößert, ohne einen Euro der Schulden zu reduzieren. 2022 gingen zudem 10,8 Prozentpunkte BIP verloren, trotz galoppierender Inflation.

Warum sind Bankeinlagen unverzinst?

Weil Banken nicht für Geld zahlen müssen, das sie bereits haben. Es ist die kurze Antwort auf eine wiederkehrende Frage: Wenn der Staat 3,804% für ein Jahr zahlt, warum bietet dann kein Institut etwas Ähnliches für Festgeld an? Der Wettbewerb zwischen Finanzamt und Banken um dieselben Ersparnisse existiert, ist aber asymmetrisch.

Daraus ergibt sich eine Empfehlung unter Käufern: In einem Umfeld steigender Zinsen sind kurze Laufzeiten von 3 oder 6 Monaten besser, um bei jeder Erhöhung neu anzulegen. Man gewinnt Flexibilität und vermeidet, an einen Zinssatz gebunden zu sein, der in sechs Monaten niedrig erscheinen wird.

Signale beim Verkauf an Privatanleger

Jedes Mal, wenn das Finanzamt Anleihen bei Kleinsparern bewirbt, erinnert jemand daran, dass dieses Muster schon einmal beobachtet wurde. Genannte Beispiele sind Forum Filatélico, Afinsa oder Rumasa, Produkte, die als sicher und einfach verkauft wurden und schlecht endeten. Der Vergleich ist nicht exakt – hier ist der Emittent der Staat –, aber die Reflexion ist vorhanden.

Andere argumentieren das Gegenteil: Dass die Anleihen so leicht platziert werden, zeige das Vertrauen des Marktes in den Emittenten. Und es gibt einen dritten Weg, weniger episch und trockener: Den Kauf von Schatzwechseln bedeutet schlichtweg, Geld an einen Staat zu verleihen, der später entscheidet, womit er es zurückzahlt.



Der Punkt, an dem alles hakt, ist immer derselbe. Wenn die EZB bei 4% stoppt oder weiter auf 5% geht, wird der heute gekaufte 12-Monats-Wechsel eine gute oder schlechte Entscheidung sein, und niemand garantiert die Antwort. Währenddessen bleibt die Jugendarbeitslosigkeit die höchste in Europa, die Produktivität liegt unter der griechischen, und der durchschnittliche Immobilienpreis beträgt 1.927 Euro pro Quadratmeter. Die 3,804% sind eine Tatsache. Was jeder Einzelne daraus macht, ist eine andere Sache.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (120 Antworten).

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