Spanische Regierung schlägt Verteilung von 2.500 minderjährigen Migranten vor
Das Treffen zwischen der Regierung von Spanien und der der Kanarischen Inseln zur Entlastung des Migrationsdrucks auf den Inseln hat nur ein Teilergebnis geliefert. Die Zentralregierung setzt auf einen Gesetzentwurf (proposición de ley), um etwa 2.500 unbegleitete ausländische Minderjährige unter den 5.500 zu verteilen, die derzeit allein von den Kanarischen Inseln betreut werden, während die kanarische Regierung ein Dekretgesetz (decreto ley) fordert, da dieses schneller umsetzbar sei. „Hier gibt es eine kleine Abweichung, da sie der Meinung sind, dass es aus Gründen der Rechtssicherheit ein Dekretgesetz sein muss, das von der spanischen Regierung sofort angewendet werden kann“, räumte der Minister für Territorialpolitik und demokratische Erinnerung, Ángel Víctor Torres, nach dem Treffen mit dem Präsidenten der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, und den Ministerinnen für Jugend und Kindheit, Sira Rego, sowie für Inklusion, Elma Saiz, ein.
Gesetzentwurf oder Dekretgesetz: der Streit um die Fristen
Torres verteidigte den Gesetzentwurf als „besten Mechanismus“ und zeigte sich offen für jede Formel, die die Verfahren beschleunigt. Der Vorschlag der Regierung sieht vor, dass das Gesetz eilbedürftig ist, in einem einzigen Durchgang verabschiedet wird und keine Vetos im Senat erfährt, was eine Genehmigung in etwa drei Monaten ermöglichen würde. Der Text ändert Artikel 35, um ihn auf Gebiete anzuwenden, die einen Migrationsnotstand aufweisen, was derzeit Ceuta, Melilla und die Kanarischen Inseln sind. Die Änderung würde nach einer Sektorenkonferenz und nach den dort bereits verabschiedeten Kriterien aktiviert.
Clavijo wiederum betonte, dass die Kanarischen Inseln eine sofortige Lösung benötigen: Sobald eine Autonome Gemeinschaft überlastet ist und 150 % ihrer Plätze belegt sind, sollten neue eintreffende Minderjährige direkt einer anderen Gemeinschaft zugewiesen und nach einer Frist von fünfzehn Tagen weitergeleitet werden können. Die Unstimmigkeit ist erheblich: Während die Zentralregierung die Rechtssicherheit eines Gesetzes priorisiert, warnt die Kanaren-Regierung davor, dass das System kurz vor dem Kollaps steht.
Ablehnung der Verteilung durch mehrere Autonome Gemeinschaften
Die Ankündigung der Verteilung ist in mehreren Autonomen Gemeinschaften auf Ablehnung gestoßen. Madrid, Andalusien, Kastilien und León sowie Katalonien haben das Abkommen zwischen dem Staat und den Kanarischen Inseln zur Verteilung minderjähriger Migranten abgelehnt. Die Gemeinschaft Madrid hat der Zentralregierung vorgeworfen, die Kompetenzen der Regionen durch „aufgezwungene“ Quoten zu verletzen, und hat die Eröffnung eines neuen Erstaufnahmezentrums in Fuenlabrada angekündigt, das zu den Zentren in Hortaleza und Casa de Campo hinzukommt. Die Madrider Regierung behauptet, dass der Migrationsdruck gestiegen sei und die Regierung Erwachsene umleite, die sich als Minderjährige ausgeben.
Parallel dazu steigen die Ankunftszahlen weiter an. Die Zahl der ankommenden minderjährigen Migranten in Spanien ist im ersten Halbjahr 2024 um 190 % gestiegen. In Aragonien sind laut durchgeführten Tests 95,8 % der illegalen Einwanderer, die angaben, minderjährig zu sein, es nicht. Andalusien hat in diesem Jahr bisher 500 Minderjährige aufgenommen, was mit geschätzten 3 Millionen Euro zu Buche schlägt. Und in Madrid sind allein in diesem Jahr bereits ein Drittel der 2.500 angekommen, die verteilt werden sollen.
Die Kosten der Aufnahme: 52.925 Euro pro Minderjährigem pro Jahr
Der Verteilungsvorschlag sieht eine spezifische Finanzierung vor, um die Bemühungen der Gemeinschaften zu entschädigen. Dem Text zufolge würde La Rioja 15,3 Millionen Euro für die Aufnahme der ihr zugewiesenen 285 Kinder erhalten. Die Kosten pro Minderjährigem werden auf 52.925 Euro jährlich geschätzt, wobei zusätzliche Ausgabenposten hinzukommen müssten. Der Betrag für jede Gemeinschaft wird reduziert, je weniger zugesagte Plätze vorhanden sind.
Die Summe hat eine Debatte über Prioritäten ausgelöst. Einige behaupten, dass man bei einem Geburtenrückgang in Spanien dasselbe Geld verwenden könnte, um spanische Familien zu unterstützen, die Kinder bekommen möchten. Andere argumentieren, dass die Finanzierung nicht ausreicht, um die tatsächlichen Aufnahmekosten zu decken, und dass die Gemeinschaften am Ende das Defizit tragen müssen. Was niemand bestreitet, ist, dass das derzeitige System unter Druck steht: Die Kanarischen Inseln betreuen allein 5.500 Minderjährige und fordern dringende Hilfe.
Demografische Dimension: Afrika wird 2050 über 2,5 Milliarden Einwohner haben
Prognosen der Vereinten Nationen deuten darauf hin, dass die Bevölkerung Afrikas im Jahr 2050 etwa 2,5 Milliarden erreichen wird, was mehr als 25 % der Weltbevölkerung entspräche. Diese Zahl, die in Foren und Analysen immer wieder genannt wird, nährt die Vorstellung, dass der Migrationsdruck kein punktuelles Phänomen, sondern ein strukturelles ist. Einige Teilnehmer der Debatte weisen darauf hin, dass Europa dieses Wachstum nicht absorbieren kann und dass Verteilungspolitiken das Problem nur von einem Punkt auf der Landkarte zum anderen verschieben.
Im Gegensatz dazu argumentieren andere, dass Migration eine Folge globaler Ungleichheit ist und dass Aufnahmepolitiken mit Entwicklungszusammenarbeit kombiniert werden müssen. Die Diskussion über die Verteilung von Minderjährigen ist somit Teil einer breiteren Debatte über das europäische Migrationsmodell, die keine der Parteien abzuschließen scheint.
Altersbestimmungstests: ein ungenutztes Gerät in Teneriffa
Einer der umstrittensten Punkte ist die Altersbestimmung von Migranten, die angeben, minderjährig zu sein. Ein entscheidendes Gerät zur Altersbestimmung von Migranten liegt laut Informationen in Teneriffa ungenutzt in einem Karton. Die Jugendstaatsanwaltschaft muss die radiologischen Untersuchungen anordnen, aber der Mangel an Mitteln verzögert den Prozess. In der Zwischenzeit könnten einige Erwachsene als Minderjährige aufgenommen werden, was die Zahlen verzerrt und zu Spannungen zwischen den aufnehmenden Gemeinschaften führt.
Die Gemeinschaft Madrid hat davor gewarnt, dass die Regierung illegale erwachsene Einwanderer durchschleust, die sich als Minderjährige ausgeben. Dies ist kein isolierter Vorwurf: In Aragonien waren 95,8 % derjenigen, die angaben, minderjährig zu sein, es nicht, wie die zitierten Daten zeigen. Der Mangel an zuverlässigen Tests schürt das Misstrauen und erschwert jede gerechte Verteilung.
Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit: Vorfälle in Reus und Lleida
In den letzten Monaten wurden in verschiedenen Orten Vorfälle durch minderjährige Migranten registriert. Eine Gruppe marokkanischer Jugendlicher löste in Reus (Tarragona) Panik aus, indem sie Jugendlichen Handys stahl und ältere Menschen überfiel. In Lleida hinterließ eine brutale Schlägerei zwischen marokkanischen Jugendlichen mitten auf der Straße einen der Jugendlichen nach einem heftigen Schlag bewusstlos. Diese Episoden, die in sozialen Netzwerken und Medien verbreitet wurden, haben den Widerstand gegen die Verteilung in einigen Gemeinschaften verstärkt.
Dennoch teilen nicht alle Analysen diese Diagnose. Einige behaupten, dass diese Vorfälle punktuell seien und dass es ungerecht und kontraproduktiv sei, eine ganze Gruppe wegen des Verhaltens weniger zu kriminalisieren. Andere entgegnen, dass die Wiederholung dieser Vorfälle in verschiedenen Städten ein Integrationsproblem belegt, das nicht allein durch gute Absichten gelöst werden kann. Die Diskussion über Sicherheit vermischt sich so mit der über die Verteilung und erschwert jede Einigung.
Die ungewisse Zukunft der Verteilung: zwischen Dringlichkeit und Uneinigkeit
Die Zentralregierung hält an ihrem Plan für einen eiligen Gesetzentwurf fest, während die Kanarischen Inseln auf das Dekretgesetz bestehen. Die von der PP (Volkspartei) kontrollierten Gemeinschaften lehnen die aufgezwungenen Quoten ab und fordern mehr Finanzierung und Kompetenzen. Die Verteilung der 2.500 Minderjährigen hat weiterhin keinen festen Termin. Währenddessen betreuen die Kanarischen Inseln weiterhin allein 5.500 Minderjährige, und die Zahl der Ankommenden steigt weiter.
Die vollständige Berechnung zeigt, dass die Kosten pro Minderjährigem 52.000 Euro jährlich übersteigen – eine Summe, die keine Gemeinschaft ohne Bedingungen akzeptiert hat. Der Ball liegt bei der Regierung, die entscheiden muss, ob sie die Gesetzgebung vorantreibt oder dem von den Kanarischen Inseln geforderten Dekretgesetz nachgibt. Fest steht: Das Problem wird sich nicht von selbst lösen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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