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Spanische Klassiker Paella und Tortilla unter Beschuss
Paella und Kartoffelomelett stehen im Zentrum einer Debatte über Olivenöl, die PREDIMED-Studie, Sushi und weitere spanische Gerichte.
Paella ist überschätzt. Auch das Tortilla de Patata (Kartoffelomelett). Und Olivenöl ist weit davon entfernt, eine Delikatesse zu sein; es ist eine fettbombige Erklärung dafür, warum die Hälfte Spaniens übergewichtig ist. So beginnt eine Diskussion, die in nur zwei Tagen 140 Antworten gesammelt hat und von der Gastronomie zur Haushaltsökonomie, von Schnecken zu Sushi und vom Cachopo zur Langlebigkeit der Galicier überging. Der Auslöser: eine aufwieglerische Nachricht, die die europäische Küche als reinen nationalistischen Marketingtrick bezeichnete. Was folgte, war eine Abrechnung mit dem nationalen Rezeptbuch.
Reis war der erste Betroffene. Paella führt die Liste der überschätztesten Gerichte an: „Reis mit Sachen“, fasst ein Beitrag zusammen, der jedoch zugibt, dass sie gut zubereitet glorreich sei. Widersprüche sind der rote Faden: Niemand bestreitet, dass guter valencianischer Reis exzellent ist; bezweifelt wird, dass jeder Koch ihn beherrschen kann. Hier kommt der Tourismus ins Spiel: Manche behaupten, nur Besucher essen Paella mit Freude, während Einheimische sie meiden. Das Tortilla de Patata schneidet nicht besser ab. Eine Strömung nennt es fettig und widerlich; eine andere die Krönung der spanischen Geschichte. Die flüssige Version – immer häufiger auf Restaurantkarten – wird wegen ihrer Textur und vermeintlichen Modernität kritisiert.
Olivenöl stand im Mittelpunkt der technischsten Auseinandersetzung. Gegen den Vorwurf, ein kalorisches Gift zu sein, wurde die PREDIMED-Studie angeführt, durchgeführt in Spanien mit etwa 7.500 Personen mit kardiovaskulärem Risiko: Wer sich mediterran mit nativem Olivenöl oder Nüssen ernährte, erlitt rund 30 % weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle als die Gruppe mit fettarmer Ernährung. Die aus dem Gedächtnis zitierten Daten schlossen die Kluft nicht, verschoben aber den Fokus: vom angeblichen Schaden des Öls auf die Qualität der gesamten Ernährung. Die Diskussion driftete dann zu Mehlen. Wenn Italiener, deren Ernährung darauf basiert, schlanker sind als Spanier, stimmt etwas nicht mit der Theorie, dass nur sie dick machen. Der Vergleich, ohne Statistiken lanciert, blieb in der Luft hängen.
Die Liste der Geschädigten wuchs schnell. Schnecken wurden als „Erde von einem leeren Feld lecken“ beschrieben, obwohl eine andere Stimme sie als unterschätzt verteidigte. Kroketten, diese frittierte Speise, geboren um Reste nicht wegzuwerfen, bekamen ihren Anteil Skepsis: Extra in ein Restaurant zu gehen, um sie zu essen, ist zumindest überraschend. Cachopo und galizische Empanada tauchten ebenfalls auf der Liste auf, ebenso Sobrasada. Und Sushi erhielt den härtesten Schlag: „Ein bisschen Reis in trockenes Algenblatt gewickelt, mit einem Stück rohem Fisch oben drauf“, für manche die größte gastronomische Betrügerei der Geschichte im Vergleich zu einer Bar-Tapa.
Das Gespräch nahm eine unerwartete Wendung, als jemand die Ernährung mit Langlebigkeit verband. Eine Ecke in Galicien, wo man häufiger 100 Jahre alt wird als in Madrid oder Barcelona, diente dazu, das angebliche Ernährungsdesaster im Nordwesten in Frage zu stellen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Ich rede über Essen, nicht über Langlebigkeit.“ Die Debatte spaltete sich zwischen denen, die die galizische Küche als die beste der Welt verteidigen – Cocido, Meeresfrüchte, altes Rindfleisch – und denen, die sie als ungesundes Fett abtun. Auch die katalanische Küche kam zur Sprache, mit Tajín und Couscous als Beispiele, dass nicht alles Paella oder Tortilla ist.
Der Ton heizte sich in mehreren Abschnitten bis zu Beleidigungen auf, mit persönlichen Diffamierungen, die andere zu Mäßigung aufforderten. Einige vermuteten direkt einen Setup: „Noch so ein Rage-Bait-Thread für 20 Cent“, schrieb jemand und wies darauf hin, dass das Forum voller Provokationen und automatischer Antworten sei. Der Vorwurf hatte keine Wirkung, zeichnete aber das Klima nach. Im Lärm lieferte ein Beitrag die einzige philippinische Farbnote: Menudo und Reisgerichte mit Fisch sind gerettet; der Rest Fast Food und Kindersüßigkeiten.
Die Prognose, mit Vorbehalten: Paella wird das leichte Ziel bleiben, solange Touristen sie weiterhin mit demselben glücklichen Gesicht bestellen. Das Tortilla de Patata wird in seinen beiden Versionen, fest und flüssig, überleben, weil sich das Land selbst darin nicht einigen kann. Und Olivenöl wird trotz der Daten weiterhin die Schuld für jeden Fettfleck tragen. Was sich nicht ändern wird, ist die Grundschlussfolgerung: In Spanien bedeutet über Essen zu sprechen, über Identität zu sprechen, und dort verlieren Daten fast immer.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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