Spanische GEO-Agenten in Bolivien: Gesichter entblößt, Befehle unklar

Nach einer nicht erklärten Operation erscheinen spanische GEO-Agenten mit unbedecktem Gesicht in Bolivien. La Paz fordert Aufklärung und zitiert Pablo Iglesias.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanische GEO-Agenten in Bolivien: Gesichter entblößt, Befehle unklar
Spanische GEO-Einheiten in Bolivien: Enttarnte Gesichter und unerklärte Befehle

Eine Spezialeinheit existiert definitionsgemäß, um keine Spuren zu hinterlassen. Ihre Namen, Gesichter und Ausweise sind Verschlusssache. Was jedoch kursierte, war das genaue Gegenteil: Nahaufnahmen von Agenten, helle Hemden, müder Blick, die um 1:30 Uhr nachts am Flughafen Bolivien in ein Flugzeug stiegen, während jemand sie filmte. Die Paradoxie fasst den Fall zusammen: Die Einheit, die im Schatten hätte agieren sollen, stand plötzlich im grellen Licht – samt einem Einsatz, den die spanische Regierung nie vollständig öffentlich erklärt hat.

Was tat eine spanische Eliteeinheit in La Paz?

Die Bilder tauchten zusammen mit einer Reihe unbeantworteter Fragen auf: Warum hätten Agenten versucht, bewaffnet und maskiert in die mexikanische Botschaft in La Paz einzudringen, warum sah man sie mit voller Ausrüstung und warum verließen sie den Flughafen mitten in der Nacht? Die sich abzeichnende Version deutet auf einen Begleiteinsatz hin: Spanien habe Personen begleitet, die in der mexikanischen Botschaft Asyl suchten, damit sie das Land verlassen konnten – angeblich, so die zitierten Berichte, mit Wissen von La Paz.

Das Detail ist verwirrend. Ein vereinbarter Begleitschutz und ein maskierter Eindringversuch erzählen nicht dieselbe Geschichte. Daher wurde der Vorfall eher politisch als polizeilich gedeutet. Die Frage war nicht, wie sie herauskamen, sondern wer den Befehl gab.

Die diplomatische Note und die Ladung von Pablo Iglesias

Die Angelegenheit hörte auf, ein Gerücht vom Flughafen zu sein, als die bolivianische Staatsanwaltschaft aktiv wurde. Generalstaatsanwalt Juan Lanchipa sandte eine Note an das Außenministerium – damals unter Leitung von Margarita Robles –, in der er spanische Behörden aufforderte, die Anwesenheit des GEO-Personals auf bolivianischem Boden zu erklären. Derselbe Text informierte über die Zeugenladung für Pablo Iglesias, um seine Verbindungen zu Evo Sarracena zu klären.

Parallel dazu reichte der bolivianische Innenminister Arturo Murillo bei der Staatsanwaltschaft ein Schreiben ein, um Ermittlungen gegen Iglesias, Monedero, Errejón, José Luis Rodríguez Zapatero und den ehemaligen Richter Baltasar Garzón wegen ihrer angeblichen Kontakte zum Ex-Präsidenten anzustoßen. Wichtig ist das Wort „angeblich“. Es handelt sich um Ermittlungsersuchen und eine Ladung, nicht um Verurteilungen oder bewiesene Tatsachen.

Gefährdet die Enttarnung ihre Gesichter die Agenten?

Hier spaltete sich die Debatte. Eine Strömung argumentiert, dass die Veröffentlichung von Gesichtern, Namen und sogar Ausweisen Profis, die sich ihren Einsatz nicht ausgesucht haben und weiter operieren werden, zur Zielscheibe macht. Eine Eliteeinheit zeigt selten ihr Gesicht vor Kameras; dies tue es diesen Agenten an und markiere sie für immer, so die Argumentation.

Die Gegenreaktion kam schnell. Wenn das, was sie taten, illegal war, sagen Kritiker, sei die Offenlegung kein Angriff auf die Polizei, sondern die einzige Möglichkeit, dass jene zur Rechenschaft gezogen werden, die den Befehl gaben. So verschob sich die Diskussion von der Sicherheit der Agenten zur Natur des ihnen übertragenen Auftrags.

Der Befehl, den man nicht befolgen darf

Es gibt einen juristischen Punkt, der den gesamten Vorfall durchzieht und den kaum jemand im Grundsatz bestreitet: Ein Beamter ist verpflichtet, die Befehle seiner Vorgesetzten innerhalb des Gesetzes zu befolgen. Außerhalb dessen wird Gehorsam nicht mehr zur Tugend, sondern zu etwas anderem.

Dies ist der Kern der häufigsten Vergleichs, der auf den Fall Roldán zurückblickt: Wenn ein Polizist weiß, dass ihm ein Verbrechen befohlen wird, muss er sich weigern. Die offene Frage bleibt, inwieweit die Agenten wussten, worum es ging. Wenn sie es wussten, ist die öffentliche Bloßstellung ihre Rechnung. Wenn nicht, trägt sie derjenige, der den Befehl unterschrieb.

Der Flughafen, 1:30 Uhr nachts

Die meistverbreitete Szene war die Abreise: Agenten, die den bolivianischen Flughafen mitten in der Nacht verließen, mit dem Gefühl, hastig ein Kapitel abzuschließen, das ihnen entglitten war. Die politische Lesart war sofort da und richtete sich gegen Innenminister Fernando Grande-Marlaska, der vorgeworfen bekam, Spanien in eine unangenehme Position gegenüber einem einstigen Partner gebracht zu haben.

Der Fall, der ohne Antwort abkühlte

Mit den Tagen verlor die Sache an Aufmerksamkeit. Eine Information vom 18. Februar stellte klar, dass die Asylsuchenden der mexikanischen Botschaft das Land eskortiert und mit Zustimmung Boliviens verlassen hatten. Genau das, was Wochen zuvor wie eine Gewaltoperation aussah, wurde nun als vereinbarte Ausreise interpretiert.

Es bleibt ein unbehagliches Gefühl: Den Einsatz einer Eliteeinheit für eine Angelegenheit, die sich mit einem Telefonat hätte lösen lassen, hatte Kosten, die niemand trug. Weder in Madrid noch in La Paz.



Und wenn die eigentliche Frage nicht lautet, was sie dort taten, sondern wer entschied, sie zu schicken und sie dann allein vor den Kameras stehen zu lassen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (410 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver