Spanier in Deutschland in den 60ern: weniger Straftaten als Deutsche

In den 60er-Jahren machten spanische Gastarbeiter in Deutschland weniger Straftaten als die Deutschen selbst. Eine Zahl, die die Debatte über Migration und Kriminalität neu entfacht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanier in Deutschland begingen in den 60er-Jahren weniger Straftaten als Deutsche

Kriminalität steckt nicht im Reisepass. Die spanische Emigration in die Bundesrepublik Deutschland in den sechziger Jahren hinterließ eine Statistik, die all jenen unbequem ist, die heute Ausländerstatus und Kriminalität verknüpfen: Laut den Polizeiberichten der alten BRD war die Tatquote der Spanier die niedrigste unter den großen ausländischen Gemeinschaften und lag sogar unter der der Deutschen selbst. Die Zahl taucht wieder auf, mitten in der Diskussion über die ausländische Gefangenpopulation.

Wie viele Spanier wanderten zwischen 1960 und 1973 nach Deutschland aus

Die Zahlen schwanken. Eine kursierende Berechnung beziffert die Zahl der Spanier, die zwischen 1960 und 1973 in die BRD auswanderten, auf mehr als 600.000, was rund 47.000 Personen pro Jahr ergibt. Andere Quellen gehen höher: Die Studie La Patria en la Maleta von José Babiano und Ana Fernández schätzt, dass in diesem Zeitraum mehr als zwei Millionen Spanier das Land verließen. Der Unterschied, warnen Skeptiker, hängt davon ab, ob die Saisonarbeiter, die zur Weinlese gingen und nach drei Monaten zurückkehrten, doppelt gezählt wurden.

Dieser Zustrom war auf dem Papier legal und kontrolliert. Die Arbeiter kamen ohne Anspruch auf Sozialleistungen ins Land und mit der Rückkehr im Kopf. Das ist das Argument, das am häufigsten zur Erklärung der niedrigen Kriminalität angeführt wird: Es gab kein Netz an Unterstützungen, das diejenigen auffing, die nicht arbeiteten.

Die Anekdote vom Richter, der keine spanischen Häftlinge fand

Es gibt eine Geschichte, die besser als jede Tabelle zusammenfasst, was die Berichte zeigen. Ein Richter, der Deutsch sprach und einige Zeit im Deutschland der sechziger Jahre verbrachte, wollte einen spanischen Häftling interviewen. Sie fanden keinen. Stattdessen bot man ihm an, mit einem Chilenen zu sprechen. Damals gab es deutlich weniger Chilenen als Spanier im Land, also ließ sich das Fehlen spanischer Häftlinge nicht mit der Größe der Kolonie erklären.

Der Zusammenprall der Narrative über die heutige Einwanderung

Der historische Fall ist zur Munition der aktuellen Debatte geworden. Eine Strömung nutzt ihn, um zu behaupten, dass Einwanderung nicht gleichbedeutend mit Kriminalität ist und dass die Ankunftsbedingungen stärker wiegen als die Herkunft. Eine andere vertritt genau das Gegenteil: Entscheidend sei die Herkunftskultur, und ein Vergleich mit dem Spanien der sechziger Jahre trage nicht, weil es damals das heutige soziale Netz nicht gab. Ein dritter, unbequemere Weg erinnert daran, dass die Emigranten von damals am Zielort ebenfalls mit Misstrauen betrachtet wurden.

Im Hintergrund schweben Zahlen, die ohne Aufschlüsselung wiederholt werden. Dass jeder zehnte Häftling in Spanien aus Marokko stammt. Dass 30 Prozent der Gefangenpopulation eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzt. Keine der beiden Zahlen sagt für sich allein, welches Verhältnis zwischen Staatsbürgerschaft und Straftat besteht: Es fehlt das Wissen darüber, wie viele Personen jeder Herkunft in Spanien leben und wie viele Straftaten begehen.

Wenn sich das Muster der sechziger Jahre wiederholt, hängt die Kluft zwischen Ankunft und Kriminalität weniger vom Reisepass ab als von den Einreisebedingungen. Mit den verfügbaren Zahlen sollte man die Frage nicht vorschnell beenden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (56 Antworten).

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