Spaniens Wohnungskrise: Wenn Wunschdenken die Realität verdrängt

Das „Alice-Denken“ verwischt Wunsch und Wirklichkeit. Eine Analyse der spanischen Wohnungsmarkt-Krise und ihrer politischen Folgen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das „Alice-Denken“, das Wunsch und Wirklichkeit verwechselt, hat die Debatte um den Wohnungsbau durchdrungen. Es führt zu politischen Maßnahmen, die das Problem nicht lösen, sondern verschärfen, indem sie ökonomische Gesetze ignorieren.

## Die Illusion des bezahlbaren Wohnraums

Der Begriff „Alice-Denken“, geprägt vom Professor **Gustavo Bueno**, beschreibt eine Denkweise, die sich eine andere Welt vorstellt als die reale – eine verkehrte Welt, wie im Wunderland. Sie unterscheidet nicht zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Handlung und Konsequenz. In der Politik zeigt sich dies in der Formulierung großer Ziele, wie dem Weltfrieden oder der Auflösung von Grenzen, ohne die realen Schwierigkeiten bei deren Erreichung zu berücksichtigen. Es ist eine kindliche, simple und frivole Haltung, die ein Publikum anspricht, das Märchenbotschaften empfänglicher ist als Fakten. Ein Element magischen Denkens ist enthalten: Der Glaube, dass man die wirtschaftliche Realität, die günstigen Wohnraum verhindert, allein durch häufiges Reden über dessen Notwendigkeit bannen kann. Die Realität jedoch ist, dass Baukräne in unseren Städten rar geworden sind. Für private Investoren rechnet sich das Geschäft nicht mehr. Unzählige bürokratische Hürden, explodierende Kosten und verzögerte Gewinne haben den Bau zu einem unrentablen Geschäft gemacht.

In der Behauptung, „jeder habe ein Recht auf würdigen Wohnraum“, wird der zweite Teil der Gleichung bewusst ausgeblendet: Dieses Recht begründet keine altruistische Pflicht anderer Bürger, Wohnraum bereitzustellen. Dies geschah dem ersten Eigentümer einer Wohnung in Madrid, der von einem Altvertrag mit altem Mietpreis profitierte. Dieser Vertrag lief für die Untermieterin im Jahr **2004** aus, doch der Eigentümer ließ ihn vierzehn Jahre lang zu einem symbolischen Preis weiterlaufen. Schließlich sah er sich angesichts von Unterhaltskosten, die die Mieteinnahmen überstiegen, gezwungen, die Wohnung weit unter Marktwert zu verkaufen und auf jeden Gewinn zu verzichten.

## Fehlende Dankbarkeit und die Marktrealität

Trotz zahlreicher Äußerungen der betreffenden Mieterin wurde nie ein Wort des Dankes an den Eigentümer gerichtet, der sie ohne rechtliche Verpflichtung über ein Jahrzehnt hinweg zu einem lächerlich niedrigen Preis in der Wohnung beließ. Es wäre ein eleganter Zug gewesen, daran zu erinnern, dass sie während dieser vierzehn Jahre nie im Genuss der Wohnung gestört wurde. Auch bot sie keine Vertragsverlängerung zu faireren Konditionen für den Vermieter an. Die pensionierte Beamtin scheint zu glauben, die Welt schulde ihr die Möglichkeit, fast kostenlos in einer privilegierten Gegend von Madrid zu leben. Der harte Aufprall auf die Realität hat sie unfähig gemacht zu begreifen, dass diese Zwangsräumung mit etwas Entgegenkommen ihrerseits hätte vermieden werden können.

Das „Alice-Denken“ hat einen Großteil der Argumentation der radikalen Linken zum Thema Wohnen erfasst. Es wird von Enteignungen gesprochen, wie in einer TV-Debatte geschehen. Doch wenn der bedrohte Eigentümer selbst darum bittet, enteignet zu werden, weil er nicht mehr kann, verschwindet der Vorschlag schnell wieder, da die Regierung weder willens noch fähig ist, Geld für Enteignungen auszugeben. Es handelt sich um leere Drohungen, jugendlichen Populismus und interventionistische Maßnahmen, die das Gegenteil des Gewollten bewirken. Niemand kann gezwungen werden, eine Wohnung zu vermieten, wenn er es nicht möchte, und die Androhung zusätzlicher Steuerlasten für leerstehende Wohnungen ist keine Lösung, denn wie der erste Eigentümer zeigte, kann man immer verkaufen.

## Patriotische Auswahlkriterien und das Angebotsschwund

Je stärker das „Alice-Denken“ dominiert und je mehr versucht wird, die unbegrenzte Verweildauer des Mieters in einer Immobilie sicherzustellen, desto mehr zieht sich das Angebot zurück. Eigentümer, die Angst haben, an problematische Mieter gebunden zu sein, nehmen ihre Wohnungen vom Markt. Das Ergebnis: Hunderttausende Wohnungen sind stillschweigend verschwunden, und die verbleibenden verlangen von Bewerbern Kriterien, die vor Jahren als unmenschlich galten.

Vor einigen Tagen bot ein Familienunternehmen eine Wohnung in **Barcelona** zur Vermietung an. Es war eine Chance: **92** Quadratmeter in einem angespannten Gebiet, in perfektem Zustand, in einem renovierten Jugendstilgebäude. Innerhalb der ersten zehn Minuten nach der Veröffentlichung gingen **250** ernsthafte Bewerbungen ein, viele davon mit Nachweisen der finanziellen Situation. Die Eigentümer beschlossen, ein patriotisches Kriterium für die Auswahl anzuwenden: Bevorzugt sollte ein spanisches Paar erhalten, statt digitaler Nomaden mit höheren Einkommen. Hoffentlich geht dieser Idealismus gut aus und sie müssen das Fehlen eines kalifornischen Programmierers oder einer norwegischen Designerin nicht bereuen, denn wie beim ersten Eigentümer von Maricarmens Wohnung wird ihnen niemand diesen Don-Quijote-Akt danken.

Dieser Aspekt – die tatsächlichen Kosten des Wohnraums für alle Erwachsenen – wird im „Alice-Denken“ nicht berücksichtigt. Wie Professor Bueno erklärt, will Alice sich nicht der Schwierigkeiten bewusst sein, dieses imaginäre und unmögliche Welt zu erreichen. Alles ist viel einfacher: Man muss nur den Willen haben, in diese verkehrte Welt einzutreten.

Jahre lang haben wir Geschichten und Fake News eines Präsidenten gehört, der lügt, und von Verbündeten, die eine unmögliche Opposition darstellen. Aber die Realität ist hartnäckig. Der Markt reagiert nur auf demagogisches Management, egal wie oft behauptet wird, dass die Ergebnisse anders sein sollten. Willkommen in der Realität.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (0 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver