Die Einwanderung bläht das spanische BIP nicht künstlich auf: Der IWF prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 2,5 % und beim Pro-Kopf-BIP von 1,5 %. Zwischen 2018 und 2027 wird Letzteres im Schnitt um 1 % pro Jahr zulegen, zehnmal mehr als zwischen 2008 und 2017.
Immer wenn Spanien gute makroökonomische Zahlen vorlegt, entbrennt dieselbe Diskussion. Die Frage lautet, ob das Land wirklich wächst oder ob es lediglich Bevölkerung hinzugewinnt, sodass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) anschwillt, ohne dass der Wohlstand pro Kopf steigt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bestätigte, dass Spanien **2026** zum dritten Mal in Folge die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft unter den Industrieländern sein wird, mit einem Zuwachs von zwischen **2,5 %** und **2,6 %**, noch vor den USA. Von dort aus argumentieren manche Ökonomen, dieses Wachstum lasse sich durch die Zuwanderung von Migranten erklären und das Pro-Kopf-BIP stagniere. Die Daten stützen diese These nicht.
## Das Pro-Kopf-BIP wächst zehnmal schneller als zwischen 2008 und 2017
Die Kennzahl, die die gesamte Wirtschaft durch die Gesamtbevölkerung teilt, weist für die kommenden Jahre ein solides Wachstum aus: **1,5 %** in 2026 und **0,8 %** in 2027, laut den IWF-Prognosen. Zwischen **2008** und **2017** wuchs das spanische Pro-Kopf-BIP im Schnitt um **0,1 %** pro Jahr. Zwischen **2018** und **2027** soll es laut Projektion durchschnittlich **1 %** pro Jahr zulegen. Zehnmal mehr als im vorangegangenen Zeitraum und weit über Deutschland (**0,4 %**), Frankreich (**0,7 %**), Japan (**0,8 %**), Großbritannien (**0,5 %**) oder Kanada (**0,6 %**) hinaus.
Das Argument, die Wirtschaft wachse "nach Gewicht", scheitert an der Arithmetik. Würde nur die Bevölkerung zunehmen, ohne dass die Aktivität pro Person steigt, würde das Pro-Kopf-BIP fallen, nicht steigen. Der Ökonom **Luis Gómez**, der im Wirtschaftsbüro von La Moncloa (Sitz des spanischen Ministerpräsidenten) arbeitete, entwirft das Gedankenexperiment, einer Wirtschaft mitten in der Großen Rezession zwei Millionen Menschen hinzuzufügen: "Eine Million Migranten in eine abstürzende Wirtschaft zu bringen, vergrößert sie nicht und wirkt nicht als Wirtschaftsmotor." Die Kausalbeziehung läuft in die andere Richtung: Die Wirtschaft wächst, das zieht Migranten an, und deren Ankunft verstärkt die Wachstumskraft.
## Die Bevölkerung trägt bei, reicht aber nicht zur Erklärung des Wachstums
Funcas, das Forschungszentrum der spanischen Sparkassen, berechnet, dass das Bevölkerungswachstum allein **47 %** des kumulierten BIP-Wachstums zwischen **2022** und **2025** ausgemacht hat. Dieser Schub ermöglichte die Expansion von Sektoren wie dem Bau, dem Tourismus oder den Dienstleistungen, die ohne zusätzliche Arbeitskräfte – überwiegend Migranten – nicht hätten wachsen können. Doch das bloße Hinzukommen von Menschen reicht ebenfalls nicht aus. Laut **Raymond Torres**, Konjunkturchef von Funcas, müssen die Sektoren, die diese Bevölkerung aufnehmen, wettbewerbsfähig sein, in der Lage sein, Personal einzustellen, und von einer steigenden Gesamtnachfrage profitieren.
Funcas warnte erst vor einer Woche in seiner letzten Prognoseaktualisierung, dass eines der Szenarien, die das spanische Wachstum am stärksten bedrohen, genau eine Verlangsamung des Bevölkerungszuzugs bis **2030** ist. Würde die Erwerbsbevölkerung wieder im Tempo des Zeitraums **2015-2019** wachsen, um **0,4 %** pro Jahr (die Hälfte des Basisszenarios), würde das BIP-Wachstum auf **1,5 %** sinken und die Staatsverschuldung würde weiter steigen, bis auf **97,8 %** des BIP im Jahr **2030**. Die Demografie bläht das Wachstum also nicht auf: Ein Stopp würde es schmälern.
## Die Banco de España beziffert den ausländischen Beitrag auf bis zu 0,7 Punkte
Eine Studie der Banco de España (spanische Zentralbank), die Ende vergangenen Jahres veröffentlicht wurde, bezifferte den Beitrag des Wachstums der ausländischen Bevölkerung zum Pro-Kopf-BIP-Wachstum in den letzten Jahren als relativ gesehen ähnlich hoch wie in früheren Phasen – mit dem Bonus, dass die Assimilation dieser Bevölkerung, ihre Ausbildung und ihre Verteilung auf die Sektoren heute besser sind als in anderen Perioden. Konkret: Wuchs das Pro-Kopf-BIP zwischen **2022** und **2024** im Schnitt um **2,9 %**, entfielen davon zwischen **0,4** und **0,7** Punkte auf den Beitrag der ausländischen Bevölkerung. Der inländische Beitrag war höher und war nur in den Jahren der Großen Rezession negativ.
Der Chefökonom für Spanien bei **BBVA Research**, **Miguel Cardoso**, liefert eine weitere Zahl: Das BIP ist seit **2019** um **12 %** gewachsen, das Pro-Kopf-BIP um rund **6 %**. Diese Diskrepanz zeigt, dass das Wachstum auf mehr Beschäftigung und nicht auf Produktivität oder Investitionen beruhte. "Im Grunde haben wir einfach mehr Leute eingestellt", sagt er, und das Ergebnis ist, dass die Produktivität stagniert – vielleicht, weil das Wachstum eher in Sektoren mit geringer Produktivität stattfindet oder wegen eines Kompositionseffekts der Zuwanderer.
## Italien verbessert seine Pro-Kopf-Quote, weil es Bevölkerung verliert
Wer Spanien mit Italien vergleicht und behauptet, dort wachse das Pro-Kopf-BIP schneller, übersieht einen gewichtigen Grund: Das Land verliert seit Jahren Bevölkerung. Diese Verbesserung der Pro-Kopf-Quoten kündigt ein schwerwiegendes wirtschaftliches Problem an, keinen Vorteil. Ähnliches zeigt sich innerhalb Spaniens. Laut Cardoso wächst das BIP in den Regionen am stärksten, in denen das Pro-Kopf-Wachstum am geringsten ist, etwa in der Region Valencia oder auf den Balearen, während die Regionen, denen es nicht gelingt, Einwanderung anzuziehen – wie Asturien, Galicien oder Extremadura –, beim Pro-Kopf-BIP am meisten zulegen.
Cardoso selbst weist darauf hin, dass sich diese Logik künftig umkehren könnte: In einem Umfeld mit Bevölkerungsrückgang bezweifelt er, dass ein steigendes Pro-Kopf-BIP als positiv gelten würde. Der Ökonom Gómez fasst es zusammen: Dass Spanien Menschen anzieht, ist ein gutes Zeichen – ein Land, in dem man Chancen sieht. Auch die Zahl der Menschen, die gleichzeitig studieren und arbeiten, hat sich verdoppelt, weil sie Aufstiegschancen sehen. Das Pro-Kopf-BIP ist jedoch ein unvollständiges Wohlstandsmaß: Es sagt nichts darüber aus, wie dieser Reichtum verteilt wird. Makroökonomische Daten sind nicht mit der Haushaltskasse jedes Einzelnen gleichzusetzen, und Investitions- oder Ausgabenentscheidungen sollten mit einem Fachmann besprochen werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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