Spaniens Steuerlast: 63% heute vs. 18,9% unter Franco

Eine virale Berechnung vergleicht Spaniens aktuelle Steuerlast von 63% mit den 18,9% zur Franco-Zeit und behauptet, Arbeitnehmer verlieren jährlich 5,4 Netto-Monate.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Steuerlast: 63% heute vs. 18,9% unter Franco
Spaniens Steuerlast: 63% heute vs. 18,9% unter Franco

Bis zum 20. August für den Staat arbeiten. Das ist der Zeitplan, der sich aus einer kürzlich kursierenden Berechnung ergibt: Wenn die gesamte Steuerlast 63% des Einkommens erreicht, widmet jeder Arbeitnehmer mehr als siebeneinhalb Monate pro Jahr der Finanzierung von Gesundheitswesen, Bildung und Infrastruktur, bevor er anfängt, für sich selbst zu verdienen. Die Zahl wird mit den 18,9% verglichen, die laut derselben These während der letzten Phase des Franquismus gezahlt wurden. Von dort zur Schlussfolgerung ist es ein Schritt: uns werden 5,4 Netto-Monate mehr pro Jahr genommen als unseren Eltern.

Der Vergleich hat gleichermaßen Haken und Tücken. Die 63%-Daten unterscheiden nicht zwischen Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern, noch zwischen nominellen Sätzen und tatsächlicher Belastung, und berücksichtigen nicht, dass das Angebot an öffentlichen Dienstleistungen 1975 dem heutigen in nichts ähnelt. Aber das zugrunde liegende Unbehagen ist real, und die Debatte spiegelt dies wider: Es geht weniger darum, ob der Prozentsatz exakt ist, sondern vielmehr um was wir im Gegenzug erhalten.

Von 18,9% auf 63%: Was steckt hinter dem Vergleich?

Die ursprüngliche Prämisse besagt, dass der Steuerdruck seit den Siebzigern mehr als verdreifacht wurde, und illustriert dies mit einer direkten Übersetzung in die Geldbörse: Jemand, der den Mindestlohn von 1.332 Euro verdient, würde jährlich 7.192 Euro netto weniger erhalten, wenn er damals wie heute besteuert worden wäre. Die Rechnung ist einfache Arithmetik und die rhetorische Wirkung sofort spürbar. Was in der Broschüre nicht erscheint, ist die andere Seite des Kontos.

Denn das Steuersystem der Diktatur beruhte auf einer sehr anderen Struktur: Staatsmonopole, öffentliche Unternehmen und niedrige Beiträge, die einen großen Teil der Arbeitnehmer vom Radar fernhielten. In kleinen Werkstätten zahlten viele Mitarbeiter jahrelang keine Beiträge, und die daraus resultierenden Renten waren proportional viel niedriger. Der Staat nahm weniger ein, weil er auch weniger versprach.

Rentenausgaben: Von 3% auf 13% des BIP

Hier liegt der Kern der Sache. Die Rentenausgaben machten 1970 etwa 3% des BIP aus und liegen heute bei fast 13%. Das ist kein Detail: Die Alterung der Bevölkerung erklärt einen Großteil des Sprungs, und diese Zusatzkosten müssen irgendwo gedeckt werden. Die unbequeme Frage ist, ob der Rest der Steuererhöhung ebenso gut begründet ist.

Die ländliche Gesundheitsversorgung bestand aus dem Arzt, wenn es einen gab. Straßen waren eine Geduldsprobe. Autobahnen existierten kaum außerhalb Kataloniens und waren mautpflichtig. Den Steuerdruck ohne Vergleich des Leistungskatalogs zu betrachten, ist wie über den Menüpreis zu klagen, ohne auf den Teller zu schauen.

Wohnraum: Daten, die die Nostalgie entkräften

Das am häufigsten wiederholte Argument in der Diskussion betrifft Wohnraum. Dass man 1975 eine Wohnung in vier Jahren kaufen konnte und heute fünfundzwanzig Jahre braucht. Statistiken relativieren dies: 1970 gab es 68 Autos pro 1.000 Einwohner; heute sind es über 540. Das Kleinwagen war für viele Familien ein Luxus, nicht die Norm. Und günstiger Wohnraum koexistierte damals mit alten Mietgesetzen, die Mieten einfroren und Investitionen hemmten, sowie mit dem Wohnungsamt, das Siedlungen im Akkord baute.

Was stimmt, ist, dass der Zugang zu Wohnraum zum großen Generationenmarker geworden ist. Eine Wohnung kostete 1970 einige hunderttausend Pesetas und die Inflation fraß den Kreditbetrag innerhalb eines Jahrzehnts auf. Heute wird der Aufwand für die Anzahlung in Jahrzehnten des Gehalts gemessen.

Schwarzgeld und die Party, die für manche länger dauerte

Ein Faktor fehlt oft in der Gleichung: die Schattenwirtschaft. Jahrzehntelang war es verbreitete Praxis, ein Minimum anzugeben und Wohnungen schwarz zu kaufen. Mehrwertsteuer für Handwerker war Science-Fiction, und der Notar trat beim Verkauf beiseite, damit der Umschlag die Hände wechseln konnte. Selbstständige zahlten erst vor fünfzehn oder zwanzig Jahren echte Steuern.

Das war auch eine Form niedrigen Steuerdrucks: derjenige, der ihn umging. Und es erklärt, warum Vergleiche zwischen Epochen nie ganz sauber sind. Das heutige System ist belastender, ja. Es ist aber auch schwerer zu umgehen.

Der Staat, der ausgibt und nicht kürzen will

Der zweite Teil der Geschichte, wie in der Diskussion angemerkt, ist, dass Staaten noch nie so verschuldet waren, trotz dessen, was sie einnehmen. Die Abschaffung des Dienstag-Kino-Rabatts wird aus wahltaktischen Gründen nicht erwogen. Und hier öffnet sich eine weitere Kluft: die Effizienz der Ausgaben. Sechsmonatige Wartelisten für Spezialisten, sechs Stunden Wartezeit in der Notaufnahme. Die Beschwerde lautet nicht nur, wie viel gezahlt wird, sondern was man bekommt.

Mit diesen Elementen wird die Debatte über den Steuerdruck weiter im Kreis laufen. Die Berechnung der 5,4 Monate ist eine nützliche Provokation, keine wirtschaftliche These. Aber solange die Rechnungen nicht sinken und das Gesundheitswesen nicht besser wird, wird die Provokation weiterhin Publikum finden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

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