Spaniens neues Sicherheitsgesetz: Zwangsarbeit ohne Entgelt
Die spanische Regierung bereitet ein Gesetz vor, das es gestatten würde, jede volljährige Person im Krisenfall zu mobilisieren. Die vorgesehenen persönlichen Dienstleistungen sollen laut Entwurf nicht vergütet werden. Die Norm schafft kein Rekrutenheer, doch manche sehen darin die Tür zu etwas viel Schlimmerem. Das Kleingedruckte hat alle Alarmglocken schrillen lassen.
Was der Entwurf des neuen Gesetzes vorsieht
Der von El País vorab veröffentlichte Text legt fest, dass «jede volljährige Person verpflichtet ist, die 'persönlichen Dienstleistungen' zu erbringen, die die zuständigen Behörden verlangen», wenn ein Krisenzustand ausgerufen wird. Die Maßnahme würde auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrates (Consejo de Seguridad Nacional) aktiviert. Es wird nicht spezifiziert, um welche Art von Dienstleistungen es sich handelt, wie lange sie dauern oder welche wirtschaftliche Gegenleistung erwartet wird.
Der Punkt, der die größte Empörung ausgelöst hat, ist die Erwähnung, dass diese Dienstleistungen «ohne Entschädigung» erfolgen würden. Für einige bedeutet dies, dass der Staat über Güter und sogar das Leben der Bürger verfügen könnte, ohne etwas zurückzugeben. Andere halten diese Interpretation für verdreht: Die Verfassung verpflichtet in ihrem Artikel zum Ausnahmezustand bereits dazu, wirtschaftlich Betroffene zu entschädigen. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass diese Entschädigung oft ausbleibt.
Die Frage, die niemand vollständig beantwortet, ist, welcher Art von Krise den Mechanismus auslösen würde. Ein Krieg? Eine Naturkatastrophe? Ein Gesundheitsnotstand? Der Entwurf spricht von einem «Krisenzustand», ohne ihn zu definieren. Diese Mehrdeutigkeit ist für Kritiker der Beweis, dass die Norm so konzipiert ist, dass sie eingesetzt wird, wann immer es politisch opportun erscheint.
Das Präzedenzfall von 2015, an den sich kaum jemand erinnert
Die aktuelle Regelung entsteht nicht aus dem Nichts. Es gibt einen direkten Vorgänger: das Gesetz 17/2015 über das Nationale System des Zivilschutzes, veröffentlicht im Staatsanzeiger (BOE) am 10. Juli 2015 unter der Regierung von Mariano Rajoy. Dieser Text mit rund fünfzig Artikeln gliederte bereits die Zuständigkeiten des Staates und die Pflichten der Bürger angesichts «der vielfältigen und komplexen Bedrohungen durch Natur-, Industrie- oder Technikkatastrophen».
Der Unterschied ist, dass damals nicht von Mobilisierung im strengen Sinne die Rede war. Die nun angekündigte Reform tut genau das. Und das verändert den Rahmen: Es geht nicht mehr nur um Schutz, sondern um die Verfügungsgewalt über Personen. Die Ironie besteht darin, dass jenes Gesetz von 2015 fast ohne öffentliche Debatte verabschiedet wurde. Nun, da der Krieg vor der Tür steht, wird jedes Komma unter der Lupe betrachtet.
Kann man gezwungen werden, an die Front zu gehen?
Diese Frage zieht sich durch das gesamte Thema. Die kurze Antwort lautet, dass das Gesetz nicht vom Kampf spricht, sondern von «persönlichen Dienstleistungen». Die lange Antwort ist, dass niemand weiß, was das in der Praxis bedeutet. Manche behaupten, Mobilisierten würde eine Schaufel gegeben, kein Gewehr. Andere glauben, die Sache gehe weiter, und dass die mangelnde militärische Erfahrung der Bevölkerung gerade das Unmachbare einer Rekrutenfront begründe.
Das am häufigsten angeführte Argument ist, dass es ein großer Unterschied sei, ob man sich melden muss oder ob man zum Schießen gezwungen wird. Gehorsam hat Grenzen, und die Grenze ist das Gewissen. Das zumindest in der Theorie. In der Praxis ist die Militärgeschichte voller Menschen, die am Ende taten, was sie nicht wollten. Und die schwebende Frage bleibt, ob jemand bereit ist, ins Gefängnis zu gehen, weil er sich weigert.
Ein Detail, das zusätzliche Beunruhigung hervorruft: Das Gesetz unterscheidet nicht nach Alter, Geschlecht oder Status. Jede volljährige Person. Das schließt Graumänner und solche ein, die nie eine Waffe in der Hand hatten. Die Frage, ob man mit fünfzig oder sechzig Jahren noch mobilisiert werden kann, bleibt unbeantwortet.
Entschädigung: Rechtliches Versprechen und zweifelhafte Realität
Hier setzt der Skeptizismus ein. Das Gesetz sagt eines, die Erfahrung ein anderes. Die Betroffenen der Geschäftsschließungen während der Pandemie oder jene, die ihr Haus auf La Palma verloren haben, warten immer noch auf Entschädigungen, die ihnen auf dem Papier zustanden. Die Frage, die im Raum steht, ist, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, die versprochene Entschädigung tatsächlich zu erhalten. Eins zu einer Million, oder weniger.
Die optimistischste Berechnung nimmt an, dass der Staat sich daran hält. Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass es kein Geld, keinen Willen und keinen Mechanismus gibt. Zwischen beiden Extremen neigt die Mehrheit dem zweiten zu. Das Misstrauen ist nicht unbegründet: Es stammt aus Jahren gebrochener Versprechen.
Wie die Nachricht aufgenommen wird
Die Positionen teilen sich in drei Lager. Eine erste Gruppe sieht im Gesetz ein Instrument der politischen Kontrolle, aktivierbar je nach Wahlkalender. Ein zweites Block betrachtet die Mobilisierung in einem Kriegsszenario als unvermeidbar und hält es für wichtig, die Bedingungen auszuhandeln. Ein drittes kündigt direkt zivilen Ungehorsam an: Sie können mich holen, aber rechnen Sie nicht mit mir.
Das Misstrauen gegenüber den Institutionen ist der gemeinsame Nenner. Es geht nicht nur darum, dass die Versprechen der Entschädigung nicht geglaubt werden; es geht darum, dass denen, die regieren, die Legitimität abgesprochen wird, ein solches Opfer zu fordern. Die Frage, die alles überschattet, ist wofür und für wen. Und die Antwort, die viele zwischen den Zeilen geben, ist, dass sie keinen Finger rühren werden für ein System, das sie als korrupt betrachten.
Ein historisches Detail, das jemand ausgräbt: 1989 wurde ein Buch mit dem Titel Escapar de la mili (Dem Wehrdienst entkommen) veröffentlicht, das alle legalen Mittel aufzeigte, um den damaligen Pflichtwehrdienst zu vermeiden. Sein Autor kam mit einer Fußverletzung davon. Heute gibt es keine Wehrpflicht mehr, aber die Frage ist, ob man ähnliche Ausreden suchen muss.
Mit diesen Zutaten wird das Gesetz verabschiedet werden oder nicht, je nachdem, welches politische Risiko die Initiatoren einzugehen bereit sind. Die vernünftigste Vorhersage ist, dass der Text mit Nuancen genehmigt wird, dass die Entschädigung vage bleibt und dass niemand wirklich wissen wird, was passiert, bis eine echte Krise eintritt. Dann wird es zu spät sein, um zu fragen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (250 Antworten).