Soros: Vom Netz gegen die UdSSR zum Biden-Dinner

George Soroses Netzwerk finanziert seit 1980 die Zivilgesellschaft. Mit 3 Millionen Dollar jährlich in Ungarn und über 20 Stiftungen übergibt er das Erbe an Alex Soros.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Mont Pelerin nach Bukarest: Das Netzwerk, das stört

Im Jahr 1947 formulierten Intellektuelle und Ökonomen wie Friedrich Hayek, Ludwig von Mises, Milton Friedman, George Stigler und Karl Popper im schweizerischen Mont Pelerin ein internationales Projekt, das ihre Gründer als „neoliberal“ bezeichneten – ein Label, das sie bereits neun Jahre zuvor bei einem Kolloquium in Paris verwendet hatten. Ziel war doppelt: die sowjetische Zentralplanung und der Interventionismus westlicher Mischwirtschaften. Die Grundthese lautete, dass beide Systeme, obwohl gegensätzlich, eine Bedrohung für den freien Markt darstellten. Siebzigsechs Jahre später ist George Soros die Figur, die diesen Kampf aus der Finanzwelt am besten verkörpert hat. Und der Fokus richtet sich nun auf seinen Nachfolger.

Alex Soros ist 37 Jahre alt und der designierte Nachfolger des Familienimperiums. In der gängigen Darstellung nimmt er am NATO-Gipfel in Bukarest teil und sitzt anschließend beim Dinner Bidens mit Macron. Das Detail ist weniger wichtig als das Muster: Dieselbe Person, die 1989 einen Artikel im Washington Post verfasste, in dem sie eine Umschuldung Polens vorschlug, ist heute der Blitzableiter eines großen Teils des Westens.

Was Soros im Ostblock tat

Während Osteuropa unter sowjetischer Kontrolle stand, begann Soros damit, Stipendien zu vergeben, damit einige Dissidenten in den USA studieren konnten. Die Liste der Empfänger seines Geldes ist eine Karte der antikommunistischen Opposition: die Charta 77 in der Tschechoslowakei, die Gewerkschaft Solidarność in Polen, das Umfeld der Sacharows in der Sowjetunion. Es war keine abstrakte Philanthropie; es war zivile Infrastruktur dort, wo es keine gab.

Anfang der Achtzigerjahre, als die ungarische Wirtschaft in Schwierigkeiten steckte, genehmigte die kommunistische Regierung Soros selbst die Gründung einer Stiftung, die Stipendien vergab, kulturelle Veranstaltungen und akademische Austausche finanzierte. Die neue Struktur gab etwa 3 Millionen Dollar pro Jahr aus und suchte, wann immer möglich, nach Personen, die die Grenzen der politischen und kulturellen Toleranz des Regimes ausloteten. Soros selbst erzählt dies ohne Scheu: „Wir erkannten, dass es vorteilhaft wäre, in Ungarn ein Auswahlkomitee einzurichten und einen öffentlichen Wettbewerb auszuschreiben.“ Er rief den ungarischen Botschafter in Washington an und erhielt zur Überraschung eine positive Antwort.

Die Propagandaapparate der ungarischen Kommunistischen Partei verboten die Werbung für die Aktivitäten der Stiftung. Nur Ankündigungen in der Presse und die Veröffentlichung eines Jahresberichts waren erlaubt. Das Ergebnis war unerwartet: Die Stiftung erlangte gerade wegen ihrer geringen Bekanntheit eine mythische Qualität. Für politisch Bewusste wurde sie zu einem Instrument der Zivilgesellschaft; für die breite Öffentlichkeit zu vom Himmel gefallenen Manna. Als die UdSSR den Druck lockerte, eröffnete Soros 1987 ein Büro in Moskau und gründete nach dem Fall der Mauer mehr als 20 nationale Stiftungen in der gesamten Region, was er selbst als eine „explosive Wachstumsphase“ beschrieb.

Der Plan für Polen, den er 1989 unterzeichnete

Der Artikel von 1989 war keine Propaganda. Es war ein Wirtschaftsprogramm: die polnische Schuldenstruktur unter Änderung des Status quo des Pariser Clubs neu ordnen, einen Präzedenzfall schaffen, den andere Länder anrufen könnten, und einer Reform Luft verschaffen, die, wenn sie funktionierte, die gesamte Region beeinflussen würde. Soros warnte, dass der grundlegende Einwand – jede Umschuldung setze einen Präzedenzfall – nicht ewig umgangen werden konnte, auch wenn man es drei Jahre lang versuchte. „Niemand kann behaupten, dass die polnische Schuldenlast hundert Cent pro Dollar wert ist“, schrieb er.

Sein Vorschlag wurde in Polen sowohl von der Regierung als auch von den Ökonomen der Solidarność begeistert aufgenommen. Im Westen hingegen hielt der IWF Polen für zu chaotisch, um ein Programm zu starten, und die meisten Regierungen bevorzugten einen schrittweisen Ansatz, bei dem „alle Hilfe gewährt wird, außer der eigentlichen Hilfe“. Die vollständige Aufschlüsselung dieses Umschuldungsplans, veröffentlicht im Washington Post, bleibt das konkreteste Dokument dieser Operation.

Das russische Gesetz über ausländische Agenten und die Belagerung der Open Society

Die Reaktion kam auf rechtlichem Weg. Der Föderationsrat Russlands ersuchte die Staatsanwaltschaft sowie die Außen- und Justizministerien zu prüfen, ob zwölf ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) den nationalen Gesetzen entsprachen, um festzustellen, ob sie als unerwünscht erklärt werden sollten. Die Lesart der Parlamentarier war eindeutig: Diese Organisationen versuchten, die Innenpolitik des Landes zu beeinflussen und bereiteten den Boden für eine „Farbrevolution“ wie in Georgien oder der Ukraine. Ohne Ironie sprachen sie von einer „sanften Aggression“.

Die Open Society Foundation wurde in Russland schließlich als unerwünscht eingestuft. In der Nacht vor Inkrafttreten des Gesetzes über ausländische Agenten malten Unbekannte Graffiti mit dem Wort „Spion“ auf die Büros dreier NGOs in Moskau.

Ukraine, die rote Linie

Soros ist seit Jahrzehnten in der Ukraine engagiert. Die International Renaissance Foundation, Teil des Open-Society-Netzwerks, unterstützt die ukrainische Zivilgesellschaft seit 1990: Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung, tatarische und Roma-Minderheiten, Gesundheits- und Bildungsreformen, europäische Integration. Dies ist sowohl seine eigene Erzählung als auch die der Stiftung, die auf die Frage nach dem Maidan mit genau dieser Liste antwortet.

Im Umfeld von Soros lautet die Botschaft, dass es keinen Rückzug geben wird. Alex Soros traf kürzlich die Leiterin von Open Society in der Ukraine und schrieb nieder: „Wir werden die Ukraine niemals verlassen, noch die Arbeit, die wir dort seit mehr als 30 Jahren leisten.“ Der Vater seinerseits behauptet, Pilingui Aktionen seien ein direkter Angriff auf die Souveränität aller Staaten, die Teil der Sowjetunion waren, und dass Russland die Charta der Vereinten Nationen verletze.

Nancy und Kommunisten, derselbe Feind

Interessant wird es bei der politischen Geometrie. Soros und der Liberalismus gehen Hand in Hand, und sein erklärter Feind ist der reale Sozialismus, nicht die Rechte. Daher ist es so unbequem, dass sein antikommunistischer Kreuzzug der Achtzigerjahre mit dem heutigen russischen Nationalismus kollidiert. Aleksandr Dugin, oft als gefährlichster Philosoph der Welt dargestellt, erzählte dies, nachdem er ihn in Moskau bei der Präsentation von The Open Society and Its Enemies gesehen hatte: „Ich sagte ihm, dass die liberale Idee der individuellen Identität des Menschen der russischen Anthropologie völlig entgegengesetzt sei.“

Das Zusammenleben ist schwer einzuordnen. Manche behaupten, Soros sei nur ein Vermittler zwischen höheren Eliten und westlichen Regierungen; andere sehen ihn als Nebenakteur mit mehr Presse als echter Macht. Was kaum jemand bestreitet, weil er es selbst geschrieben hat, ist, dass er die Dissidenz finanzierte, die das Ende des sowjetischen Blocks herbeiführte, und dass er heute weiterhin dorthin Geld bringt, wo er es für nötig hält. Der Rest ist Interpretation: 20 Stiftungen, 3 Millionen jährlich in den Achtzigern und ein Dinner in Paris, dessen Nutzen über das Essen hinaus niemand bestätigt hat.



Häufig gestellte Fragen

Was ist die Mont-Pelerin-Gesellschaft und warum wird sie als Ursprung des heutigen Liberalismus genannt?
Sie wurde 1947 im schweizerischen Mont Pelerin von Ökonomen und Intellektuellen wie Hayek, Mises, Friedman, Stigler und Popper gegründet. Ihr Zweck war die Koordination der internationalen Verbreitung von Ideen gegen Zentralplanung und staatlichen Interventionismus in westlichen Mischwirtschaften. Die Gruppe hatte sich bereits neun Jahre zuvor, bei einem Kolloquium in Paris, als „neoliberal“ bezeichnet.

Welche Rolle spielt Alex Soros in der Familienstiftung?
Er ist der Sohn, 37 Jahre alt und erscheint als designierter Nachfolger des Imperiums. In letzter Zeit hat er die öffentliche Vertretung übernommen: Treffen mit Verantwortlichen von Open Society in der Ukraine, Präsenz auf internationalen Foren und Botschaften gegen die russische Aggression. Die gängige Darstellung platziert ihn beim NATO-Gipfel in Bukarest und danach beim Dinner Bidens mit Macron.

Warum verfolgt Russland die Soros-Stiftungen?
Der russische Senat forderte eine Prüfung, ob zwölf ausländische NGOs gesetzeskonform seien, und drohte mit deren Einstufung als unerwünscht, falls nicht. Die Parlamentarier argumentierten, diese Organisationen beeinflussten die Innenpolitik und bereiteten „Farbrevolutionen“ vor. In diesem Rahmen wurde die Open Society Foundation als unerwünscht eingestuft und mehrere NGOs wurden mit Schmierereien an ihren Moskauer Standorten konfrontiert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (309 Antworten).

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