Spaniens Mietdecreto stößt an Artikel 349 des Código Civil

Die Mietpreisbremse per Dekret kollidiert mit Artikel 349 des Código Civil, der eine vorherige Entschädigung verlangt. Der Machtkampf um die Wohnungsmieten in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Mietdecreto stößt an Artikel 349 des Código Civil
Irene Montero und das Mietdekreto: die Mauer des Artikel 349

Für alle, die mit Immobilien Geschäfte machen, ist die unbequeme Frage nicht, wie man die Mieten senkt, sondern warum manche Grundstücke seit zehn Jahren ohne ein einziges Verkaufsschild brachliegen. Die Antwort derer, die diese Vermögenswerte täglich verwalten: Boden zurückzuhalten gehört zum Geschäft. Genau dort beginnt der Machtkampf, der die politische Debatte der letzten Tage beherrscht: Kann ein Dekret die Immobilienpreise drücken, oder zerschellt es am Gesetz?

Wer Boden zurückhält und warum

Auf die Diagnose, dass eine Begrenzung der Mieterträge das Kapital in Industrie oder Technologie umlenken würde, kontert die Immobilienbranche: Wenn es keine Spekulation gibt, warum werden dann Grundstücke und Objekte zurückgehalten, um sie später tröpfchenweise auf den Markt zu werfen? Die Antwort der anderen Seite bleibt dieselbe: Die Preise bestimmen Angebot und Nachfrage, und erstickt ist ausgerechnet das Angebot – durch Fonds, die nicht bauen, und Eigentümer, die abwarten.

Manche fügen über den demografischen Weg einen dritten Faktor hinzu und machen die gestiegene Nachfrage nach Wohnraum als Hauptursache für die Verteuerung aus. Die in diesem Zusammenhang genannte Zahl – Millionen zusätzlicher Einwohner in kurzer Zeit – wird ohne Quellenangabe als Parole in die Debatte geworfen, nicht als Berechnung.

Artikel 349: Enteignen ist nicht dasselbe wie betreten und besetzen

Das technische Hindernis hat eine Nummer. Artikel 349 des Código Civil (des spanischen Zivilgesetzbuchs) legt fest, dass niemand seines Eigentums beraubt werden kann außer durch zuständige Behörden, aus gerechtfertigtem öffentlichen Interesse und gegen vorherige Entschädigung. Übersetzt: Ein Wohngebäude zu enteignen, um die Mieten zu drücken, ist nicht so einfach wie hereinkommen und besetzen. Es erfordert zu zahlen und höchstwahrscheinlich einen langen und teuren Gerichtsprozess, den der Enteignete gewinnen kann.

Spekulative Käufe zu verbieten oder Geierfonds zu enteignen stößt auf mehr Sympathie als die reine Preisobergrenze, geben selbst die härtesten Kritiker der Vorzeigemaßnahme zu. Das Problem: Niemand legt das Wie auf den Tisch.

Venezuela und das Gespenst des festgelegten Preises

Der Präzedenzfall, der jedes Mal auftaucht, wenn von gesetzlich festgelegten Preisen die Rede ist, ist Venezuela mit seiner Mietregulierung. Die Warnung folgt einer einfachen Logik: Wenn das Ergebnis dort so war, wie es war, sollte die Wiederholung der Rezeptur hier kein anderes liefern. Die Erwiderung: Das Land ist seit vier Jahren nicht mehr an der Zentralregierung beteiligt, und Wohnungsbau und Städteplanung liegen in der Kompetenz der Autonomen Gemeinschaften und Gemeinden, nicht der Madrider Regierung.

Während die einen darüber streiten, ob die Obergrenze funktioniert, blicken die anderen auf den Finanzkalender. BBVA muss noch seine zweite Dividende des Jahres ankündigen, nachdem das erste Halbjahr – so die Beobachter des Werts – bereits alles übertroffen hat, was 2023 verdient wurde. Eine Erinnerung daran, wo das wahre Geld liegt: nicht in der Miete einer Wohnung, sondern in der Bilanz einer Bank.


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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (60 Antworten).

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