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Spaniens Lohnabzug: IRPF, Sozialversicherung und Mehrwertsteuer
Bei 60.000 € Brutto fallen 19 % Einkommensteuer, 8 % Arbeitnehmeranteil und 23 % Arbeitgeberanteil an – zusammen 50 % vor der Mehrwertsteuer.
Escolar bestreitet, dass die Einkommensteuer die Hälfte des Gehalts frisst
Ignacio Escolar tweetete mit dem Link zu einem Artikel unter der Überschrift: „Warum es falsch ist, dass Ihnen die Hälfte Ihres Gehalts bei der Steuererklärung abgezogen wird: So funktioniert der IRPF“, begleitet von einer interaktiven Erklärung zur Steuer. Als Erläuterung des Mechanismus ist der Beitrag korrekt: Die spanische Einkommensteuer (IRPF) nimmt den meisten Arbeitnehmern nicht die Hälfte des Nettolohns weg. Als Beschreibung dessen, was ein Angestellter im Laufe eines Jahres insgesamt zahlt, war die Reaktion fast einstimmig anders gelagert: Und wo bleibt der Rest?
Wie viel IRPF zahlen 80 % der Steuerpflichtigen?
Der Ausgangspunkt, den kaum jemand anzweifelt, ist, dass der Spitzensteuersatz von rund 50 % nur sehr wenige betrifft. Etwa 80 % der Steuerpflichtigen liegen beim IRPF nahe bei 20 %, und mehrere Millionen zahlen dank Freibeträgen und Abzügen gar nichts. Isoliert betrachtet verschwindet also nicht die Hälfte des Gehalts.
Der Knackpunkt ist jedoch, dass der IRPF nicht die einzige Stufe auf dem Weg des Geldes zwischen den Arbeitskosten für das Unternehmen und dem Nettoeinkommen auf dem Konto darstellt. Betrachtet man diesen gesamten Weg, kippt die Diskussion.
Die Summe, die die Rechnung sprengt: IRPF plus Sozialversicherungsbeiträge
Eine typische Berechnung geht von 60.000 Euro brutto aus: 19 % IRPF, 8 % Sozialversicherung zulasten des Arbeitnehmers und 23 % Beiträge, die das Unternehmen zahlt. Zusammen sind wir bereits bei der Hälfte, bevor auch nur ein Euro ausgegeben wurde. Und wenn das Geld ausgegeben wird, fließt es erneut in die Kasse: 21 % allgemeine Mehrwertsteuer (IVA), Sondersteuern auf Kraftstoffe, Grundsteuer (IBI), Müllgebühren, Kanalgebühren und die Stromrechnung mit ihren Zuschlägen.
Für höhere Einkommen steigt der Anteil nicht so stark wie die allgemeine Empörung vermuten lässt. Bei einem Gehalt von 120.000 Euro liegen die Kosten für den Arbeitgeber bei etwa 135.000 Euro, während das Netto des Arbeitnehmers bei rund 75.000 Euro liegt. Das bedeutet, dass etwa 40 % auf dem Weg verloren gehen. Die vollständige Aufschlüsselung ergibt eine Spanne, die stark davon abhängt, wo man die Grenze zieht – Brutto- oder verfügbares Einkommen, mit oder ohne Ausgaben – und die man prüfen sollte, bevor man pauschale Schlagzeilen akzeptiert.
Gehört Spanien zu den Ländern mit der höchsten Steuerlast?
Hier wird die Analyse schwierig. Wer behauptet, die vergleichende Steuerlast gehöre zu den höchsten weltweit, muss Werte aller Länder nach derselben Methodik vorlegen, denn der Vergleich eines spanischen Gehalts mit einer generischen Infografis beweist nichts. Diese Übung hat bisher gefehlt.
Was sich wiederholt, ist eine überprüfbare Tatsache: Spanien hat 15 Jahre lang keine Inflationsanpassung (Deflactación) der Einkommensteuer vorgenommen. Bei steigender Inflation bedeutet das Einfrieren der Steuerstufen eine schleichende Erhöhung Jahr für Jahr. Es geht daher nicht nur darum, wie viel gezahlt wird, sondern wie viel mehr unbemerkt gezahlt wurde, ohne dass ein Satz geändert wurde.
Wohin fließt das Geld: Renten und umstrittene Posten
Niemand leugnet, dass das Geld ausgegeben wird. Strittig ist wofür. Genannt werden 28 Millionen Euro für einen Fernsehvertrag, Korruption, Schulden und Renten, die laut diesem Argument die Kosten der Beitragszahler nicht mehr decken. Dagegen verteidigt man das System damit, dass Sozialversicherungsbeiträge keine individuelle Versicherung, sondern eine Steuer sind: Sie finanzieren auch Mindestrenten und Ergänzungen, von denen auch profitieren, die nie genug eingezahlt haben.
Darin liegt einer der Schlüssel zum Dissens. Versteht man den Beitrag als Versicherung, wirkt alles, was nicht proportional zurückfließt, wie Plünderung. Versteht man ihn als Steuer, hört die Verteilung auf, skandalös zu sein, und wird zur Fiskalpolitik. Beide Lesarten koexistieren und erklären, warum zwei Personen mit demselben Gehalt sich nicht einigen können.
Wer twittert das und warum ist das relevant?
Ein Großteil der Ablehnung richtet sich nicht gegen den Mechanismus des IRPF, sondern gegen den Absender. Escolars Unabhängigkeit wird wegen seiner Rolle in einem Medium infrage gestellt, und es wird suggeriert, der angebliche Krieg zwischen Medien unterschiedlicher Ausrichtung sei eine Inszenierung mit gemeinsamen Interessen. Dies sind Anschuldigungen ohne Beweise im hitzigen Diskurs – und ohne jegliche Verifizierung –, aber sie wirken: Sobald die Debatte personalisiert wird, verlieren die interaktive Grafik und die Steuerstufen ihre Bedeutung.
Dies ist das Muster bei fast allen heutigen Debatten über Steuern. Die Daten mögen gut konstruiert sein, doch die Antwort bleibt oft Misstrauen gegenüber dem Unterzeichner.
Das Thema steht genau dort, wo es stand: Niemand hat einen internationalen Vergleich der Steuerlast mit einheitlicher Methodik vorgelegt, und ohne diesen bleibt die Aussage „Spanien nimmt am meisten“ eine Intuition mit viel Unterstützung, aber ohne Tabelle. Unterdessen erlaubt die Berechnung des gesamten Lohnwegs – von den Arbeitskosten bis zum Taschengeld – verschiedene Ergebnisse, je nachdem, was man zählt. Und genau dort kommt die Diskussion ins Stocken.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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