Spaniens LKW-Fahrer: 1.800 netto und zwei geparkte Trucks

Ramón Fariña, Inhaber von Frutas Moncho in Spanien, zahlt 1.800 Euro netto, hat aber zwei LKWs stillgelegt. Die vollständige Fahrerlaubnis kostet rund 4.500 Euro.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

1.800 Euro netto und zwei geparkte LKWs: Der Transportsektor kommt nicht in Gang

Ramón Fariña hat sieben LKWs im Einsatz und zwei stehen still. Es mangelt nicht an Ladung, sondern an Personal. Der Eigentümer von Frutas Moncho, einem Unternehmen aus Pontevedra (Spanien), das Obst zwischen Madrid, den Häfen von Vigo und Marín sowie den Geschäften in Galicien verteilt, berichtete am 16. Oktober 2021 in La Voz de Galicia: „Fahrer sind nicht zu finden, ich habe zwei LKWs geparkt“. Er bietet monatlich etwa 1.800 Euro netto plus Spesen, während er selbst weiterhin hinter dem Steuer sitzt. Die Schlagzeile klingt wie eine klassische Arbeitgeberklage. Die interessante Frage ist jedoch die andere: Warum steigt niemand auf einen LKW?

Warum fehlen LKW-Fahrer trotz vorhandener Arbeit

Fariña selbst nennt zwei Gründe. Die Qualifikation zum Führen eines schweren Fahrzeugs ist sehr teuer, und anschließend verlangen Unternehmen Erfahrung, die niemand vorweisen kann. „Es kostet dich enorm viel, ein Fahrzeug einer Person ohne Erfahrung anzuvertrauen, weil es dir große Angst macht“, gibt er zu, wenn es darum geht, einen Neuling mit einem LKW loszuschicken. Zwischen diesen beiden Hürden bleibt der Bewerber stecken: Er zahlt, besteht die Prüfung und findet trotzdem keinen Einstieg.

Der dritte Faktor ist die Arbeitszeit. Der Unternehmer beziffert das Maximum auf 45 Stunden Lenkzeit pro fünf Tage und erkennt den Verzicht an: Manche Wochenenden werden fernab der Heimat verbracht, und während der Pandemie fuhren LKW-Fahrer oft, ohne dass ein Restaurant geöffnet war.

Hinzu kommt die Belastung, die Insider beschreiben: Wartezeiten, Be- und Entladungen, die sich über die Woche ziehen, unbezahlter Papierkram und die nächtliche Bewachung des Fahrzeugs auf Raststätten. Ein schweres Fahrzeug wird nicht nur gefahren, es wird bewohnt.

Was kostet die LKW-Fahrerlaubnis und der CAP

Die komplette Qualifizierung, wenn alles beim ersten Versuch bestanden wird, liegt bei über viertausend Euro. Die Aufschlüsselung, die unter Profis kursiert:

  • Führerschein Klasse B: 1.000 Euro
  • Führerschein Klasse C (LKW): 1.500 Euro
  • Führerschein Klasse C+E (mit Anhänger): 1.000 Euro
  • CAP (Certificado de Aptitud Profesional / Berufsbefähigungszeugnis): 1.000 Euro

Gesamt: etwa 4.500 Euro, bevor auch nur ein Euro damit verdient wurde. Und die Ausbildung endet dort nicht: Nach derselben Berechnung erfordert das Zertifikat später Fortbildungsstunden. Die genaue Rechnung, inklusive Verlängerungen und Kursen, zeigt, dass die Einstiegshürde noch höher ist, als der Bericht nahelegt.

Wie viel verdient man wirklich als LKW-Fahrer?

1.800 Euro netto klingen angemessen, bis man sie in Kontext setzt. Manche schätzen, dass dieser Betrag in Madrid oder Barcelona etwa 2.700 Euro entspricht, wo Dreizimmerwohnungen in galicischen Städten für 500 Euro zu haben sind. Andere entgegnen, dass das Problem nicht das Nettoeinkommen sei, sondern die Kleingedrucktes: Dass ein großer Teil dieser 1.800 Euro Abschnitte umfasst, die nicht sozialversicherungspflichtig sind, dass die reale Arbeitswoche eher 60 als 45 Stunden beträgt und dass Parkgebühren oder Duschen oft vom eigenen Geldbeutel bezahlt werden müssen.

Der Vergleich, der jede Diskussion entfacht, ist der mit der Bahn: Ein Lokführer, so heißt es, verdient rund 3.300 Euro bei deutlich kürzerer Arbeitszeit. Die Daten sind umstritten – man muss Jahre als Anwärter und Assistent durchlaufen –, aber sie messen das Problem gut: Bei gleicher Verantwortung für Leben und Ladung verliert die Straße immer den Vergleich.

Marokko bildet 35.000 Fahrer aus und der Mangel ist global

Der Markt wartet nicht. Laut veröffentlichten Informationen bereiten sich etwa 35.000 marokkanische Fahrer darauf vor, Stellen als LKW- und Reisebusfahrer zu besetzen, unterstützt durch öffentliche Fördergelder von 3.000 Euro pro Bewerber. Währenddessen hört das Problem auf, lokal zu sein: Im Oktober 2021, als die Häfen an der US-Westküste verstopft waren, wurde der Versorgungsmangel bereits als grenzüberschreitendes Phänomen beschrieben.

Das Dilemma lässt zwei Lesarten zu, und keine ist bequem. Wenn Angebot und Nachfrage der einzige Kompass sind und niemand 1.800 Euro akzeptiert, ist die Lösung entweder, das Angebot zu erhöhen, oder die LKWs stehen zu lassen. Eine andere Strömung argumentiert, dass die Wurzel strukturell ist – extrem teure Ausbildung, harte Bedingungen, unmögliche Einstiegserfahrung – und dass der Sektor seit Jahren Löcher mit ausländischen Arbeitern stopft, während Einheimische das Steuer verlassen. Eine dritte, unangenehmere Sichtweise führt das Problem darauf zurück, dass Arbeiten im Vergleich zu anderen Alternativen sich nicht mehr lohnt.

Aus Sicht des Berufsstandes wird geantwortet, dass die Diagnose nach Ausrede klingt und die Lösung darin besteht, Führerscheine zu finanzieren, auszubilden und zu akzeptieren, dass es Positionen gibt, die der Markt allein nicht korrigiert.

Wie stark muss dieses Gehalt steigen, oder wie viele Barrieren müssen fallen, damit jemand wieder auf einen LKW steigt, der immer noch geparkt steht?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (345 Antworten).

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