Spaniens Lebensmittelpreise explodieren: 50 Euro sind das neue 20er-Budget

Nutzer eines spanischen Forums berichten, dass Einkaufszettel über 40 Euro kosten und Olivenöl bei 10 Euro pro Liter liegt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Lebensmittelpreise explodieren: 50 Euro sind das neue 20er-Budget
Spaniens Lebensmittelpreise explodieren: 50 Euro sind das neue 20er-Budget

Ein 50-Euro-Schein ist zum Kleingeld verkommen. Die anfängliche Beschwerde ist konkret: Mit 100 Euro kauft man kaum noch nährstoffreiche Lebensmittel, und wer mit diesem Betrag im Supermarkt einkaufen geht, kommt nach Hause mit einer Tüte, die den Kühlschrank nicht füllt. Eine kursierende Berechnung ist niederschmetternd: Eine Liste von sechs Grundnahrungsmitteln – Tomaten, Salat, Gurken, Zwiebeln, Thunfisch, natives Olivenöl extra, ein halbes Kilo Hähnchen und Äpfel – überschreitet 40 Euro, ohne exotische Zutaten. Das Olivenöl für 10 Euro pro Liter schlägt den Vogel raus.

Das ist kein isolierter Eindruck. Mehrere Beiträge stimmen in demselben Gefühl überein: 50 Euro sind das neue 20er-Budget. „Ich merke es enorm beim 50-Euro-Schein... verdammt, sie fliegen davon“, fasst ein Teilnehmer zusammen. Ein anderer fügt hinzu, dass er vor wenigen Jahren noch mit vollen Taschen den Supermarkt verlassen habe, aber jetzt sei diese Menge „kaum noch spürbar“.

Olivenöl als Gradmesser der Warenkörbe

Natives Olivenöl extra zu 10 Euro pro Liter taucht auf fast allen Listen als das Produkt auf, das jedes Budget sprengt. Die aufgezeigte Paradoxie besteht darin, dass Spanien der weltweit größte Produzent von Olivenöl ist, lokale Verbraucher jedoch Preise zahlen, die in anderen europäischen Ländern als Premium gelten. „Fast alles richtig reife Olivenöl sollte nach Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die USA, Kanada und China gehen. Wir müssen Mist essen“, behauptet eine Nachricht.

Der Vergleich mit Italien ist wiederkehrend. Wer kürzlich gereist ist, versichert, dort Qualitätskäse für 6 Euro pro Kilo, Milch, die nicht „wässrig“ ist, und „grünes und frisches“ Olivenöl für weniger als hierzulande zu finden. „In Spanien wird man ein bisschen abgezockt“, fasst jemand zusammen, der in einem Schweizer Lidl für 60 Euro wöchentlich einkauft.

Was kostet es wirklich, den Kühlschrank für eine Woche zu füllen?

Die diskutierten Zahlen zeichnen je nach Einkaufsstrategie ein breites Spektrum. Ein Teilnehmer behauptet, 60 Euro deckten seinen gesamten Wocheneinkauf in der Schweiz, während ein anderer beteuert, dass man in Spanien mit 50 Euro kaum vier Tage Menüs inklusive Vorspeise, Hauptspeise, Dessert, Getränk und Kaffee bekommt. Der Unterschied liegt nicht nur im Preis, sondern in der wahrgenommenen Qualität: Mehrere Beiträge bestehen darauf, dass spanische Supermarktprodukte im Vergleich zu Exportware minderwertig seien.

Die aufgeteilte Liste – Salat 4 Euro, Gurken 3, Zwiebeln 3, Thunfisch 3, Äpfel 3 – summiert allein bei Gemüse und Basics über 25 Euro. Kommen ein halbes Kilo Hähnchen für 10 Euro und ein Liter Öl für 10 Euro hinzu, schießt der Gesamtstand über 45 Euro. Und das ohne Brot, Eier, Milch oder Waschmittel. Die vollständige Einzelabrechnung führt zu einer unbequemen Schlussfolgerung: Der Grundwarenkorb ist zum Luxusprodukt geworden.

Die Theorie des „Lonchafinismo“ und Resteküche

Angesichts dieser gemeinsamen Diagnose teilen sich die Überlebensrezepte. Eine Strömung plädiert für die Rückkehr zur traditionellen Küche: Schmorgerichte mit Rippen, Potajes (herzhafte Gemüse- und Hülsenfruchteintöpfe), Hülsenfrüchte und Gemüse, die mehrere Tage halten und billiger sind als Fertiggerichte. „Lernt endlich mal von euren Eltern und Großeltern, das ist auch gesünder“, fasst eine Nachricht zusammen. Andere entgegnen, dass dies leicht gesagt sei, wenn man für viele koche, nicht für eine Person.

Die andere Strömung setzt auf Zwangssparen: Bier reduzieren, Eigenmarken kaufen, Angebote nutzen und auf Gönnungen verzichten. „Für Laster bleibt nichts mehr übrig“, urteilt jemand, der seine Alkoholausgaben gekürzt hat. Die Debatte artet in Vorwürfe darüber aus, wer besser einkauft, mit Anfragen nach Kassenzetteln, die niemand zeigt. Die Diskussion erhitzt sich und verliert den Fokus: Von Inflation geht es zur Olivenölqualität, dann zu Konsumgewohnheiten und schließlich zu Beleidigungen.

Politischer Hintergrund: Inflation, Sozialismus und fliegende Scheine

Die Konversation driftet schnell in die Politik. Mehrere Nachrichten verknüpfen den Kaufkraftverlust direkt mit der Regierung und wiederholen die Idee, dass Spanien „ein Plündervorgang“ sei und die Inflation Folge sozialistischer Politiken. „Fortschrittlichkeit ist nicht gleichbedeutend mit Fortschritt. Vielmehr verhält sich ein Pogre zum Fortschritt wie ein Taschendieb zur Brieftasche“, fasst eine der am höchsten bewerteten Nachrichten zusammen.

Eine andere Strömung relativiert, dass Inflation auch ohne Sozialismus existieren kann, räumt aber ein, dass er „meistens hilft“. Der implizite Konsens ist, dass die Kaufkraft sich beschleunigt verschlechtert hat und 100 Euro nicht mehr die Maßeinheit sind, die sie einmal waren. Die Diskussion darüber, ob Spanien auf eine Hyperinflation oder eine persistente Inflation zusteuert, bleibt offen.



Wie stark muss der Grundwarenkorb noch steigen, bevor wir aufhören, über Preise zu reden, und anfangen, über etwas anderes zu sprechen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver