Reziprok-Funktion im spanischen Forum nach geteilter Abstimmung entfernt
Kann ein öffentliches Forum entscheiden, wer liest, was andere schreiben? Das neueste Software-Update deaktivierte die Tabs für ignorierte Benutzer und damit die sogenannte Reziprok-Funktion: Bis dahin bedeutete das Blockieren von jemandem, dass man dessen Beiträge nicht sah und ihn gleichzeitig daran hinderte, Threads zu betreten, die man selbst eröffnet hatte. Die Maßnahme hielt nur so lange, bis die Umfrage eine Spaltung zeigte: 25 Stimmen für den Erhalt, 29 dagegen, 5 gleichgültig und 1 unklar, bei insgesamt 60 Teilnehmern. Calopez aktivierte die Tabs danach wieder, aber der Vorfall legte eine unbequeme Frage offen: In einem Raum, der als öffentlicher Platz gedacht ist, wer hat das Recht, den Stecker zu ziehen und jemanden aus der Debatte auszuschließen?
Das erste Opfer war der Themenstarter (TS) selbst. Mit aktiver Reziprok-Funktion konnte man, wenn der Autor des Themas einen auf die schwarze Liste gesetzt hatte, nicht einmal die erste Nachricht des Threads lesen, den er eröffnete. Man erfuhr von der Diskussion durch Zitate Dritter, wie bei einer Unterhaltung hinter einer Wand. Die spätere Korrektur machte die Anfangsnachrichten derjenigen sichtbar, die einen ignorieren, aber nicht den Rest ihrer Beiträge: Man sieht weiterhin nur die Hälfte des Austauschs.
Was ist die Reziprok-Funktion und warum wurde sie deaktiviert
Die ursprüngliche Ignorier-Funktion war defensiv: sich loswerden, wer einen nervt. Die Reziprok-Funktion fügte eine Machtschicht hinzu: Ich sehe dich nicht und du siehst mich auch nicht. Auf dem Papier Symmetrie. In der Praxis konnte jeder, der einen Thread eröffnete, jeden darin ausschließen, ohne dass der Ausgeschlossene antworten konnte. Darin lag die Falle: Das Ignorieren hörte auf, ein persönlicher Filter zu sein, und wurde zu einem privaten Moderationswerkzeug, ausgeübt von jedem, der Lust hatte, den Knopf zu drücken.
Manche behaupten, das Ignorieren sei in jeglicher Form die einzige echte Verteidigung gegen fehlende Moderation. Die genannten Zahlen sind keine Anekdoten: Es gibt Listen mit 60, 39 und 11 blockierten Benutzern, und nicht alle folgen derselben Logik. Ein Fall behauptet, Dutzende Personen wegen spezifischer Meinungsverschiedenheiten zu einem Gesundheitsthema zu ignorieren; ein anderer gibt elf zu und sagt, er könnte fast alle problemlos entsperren. Die Zahl sagt weniger über den Ignorierenden aus als über das Ökosystem, das ihn dazu treibt.
Die zwei Spanien der Block-Taste
Das Argument für die vollständige Abschaffung des Ignorierens beruht auf einer einfachen Idee: Was man in einem öffentlichen Raum schreibt, ist öffentlich, und man hat kein Recht zu entscheiden, wer es liest. Wer eine Echokammer will, soll einen Blog starten. Wer den Reibungswiderstand nicht erträgt, sollte sich gegenüber Trollen härten. Der zirkulierende Vergleich ist, eine Rede mitten auf einem Platz zu halten und zu erwarten, dass nur die es hören, die einem sympathisch sind.
Dagegen spricht eine andere Evidenz: Ohne effektive Moderation ist das Ignorieren die einzige Firewall. Beleidigungen werden toleriert wie Haustiere, und wer seine Texte ernst nimmt, muss nicht leiden, weil ein Fremder es tut. Die Linie zwischen Durchhalten und Schutz der eigenen Vernunft ist dünn, und jeder zieht sie dort, wo er kann. Wer kacken will, geht zu Twitter, fasst eine der schärfsten Haltungen zusammen.
Das Grundproblem ist nicht das Ignorieren, sondern das Fehlen von Moderationskriterien. Es wurden Grenzen überschritten, die kein persönlicher Filter repariert: schwere Anschuldigungen, Erfindungen über das Privatleben anderer, anhaltendes Mobbing. Dort nützt das Ignorieren nichts, denn der Schaden ist bereits angerichtet, bevor man den Knopf drücken kann.
Nachrichtenlöschung und das Kleingedruckte
Eine weitere Front eröffnete sich bezüglich der Eigentumsrechte am Inhalt. Wenn jemand die Löschung seines Kontos beantragt, was passiert dann mit seinen Beiträgen? Die übliche Praxis vieler Foren ist es, die Nachrichten zu behalten und nur den Benutzer zu sperren, gestützt auf Nutzungsbedingungen, die selten gelesen werden. Die Datenschutzverordnung sagt etwas anderes: Wenn der Autor die Löschung verlangt, ist der Administrator verpflichtet, dies zu tun. Und wenn er beim Verlassen seine Nachrichten löscht, impliziert das, dass sie weg sollen.
Dieses Detail hat Konsequenzen: Beim Löschen der Nachrichten von Abgehenden verschwinden auch die Antworten Dritter in diesen Threads. Die Spur löst sich auf. Jemand, der ein langes Argument aufgebaut hat, sieht seinen Beitrag verschwinden, weil der Themenstarter beschlossen hat zu gehen. Es gibt keine saubere Lösung, nur verschiedene Wege, den Schaden zu verteilen.
Die Frage, die unbeantwortet bleibt
Lohnt es sich, über eine Regeländerung zu diskutieren, die ohne Vorwarnung rückgängig gemacht werden kann? Misstrauen gegenüber dem Urteil des Betreibers durchzieht einen Großteil der Konversation. An einem Tag wird es aktiviert, am anderen deaktiviert, und Betroffene erfahren es durch die Tatsachen. Die Umfrage diente zur Stimmungserfassung, nicht zur Entscheidung.
Mit der entfernten Reziprok-Funktion und wieder aktivierten Tabs ist das aktuelle Gleichgewicht das übliche: Jeder filtert, was er will, aber niemand kann verhindern, dass er gelesen wird. Es ist eine unvollkommene Regelung, wie fast alles in einem Raum ohne Schiedsrichter. So wird es bleiben, bis zum nächsten Update.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (129 Antworten).