Spaniens Kohlestromproduktion bricht um 65,9 % ein

In Spanien sank der Kohleanteil am Strommix 2019 auf 4,3 %, während Gaskraftwerke ihren Output um 93,9 % steigerten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kohle sinkt auf 4,3 % des Mix und schließt die Hälfte der Kapazitäten

Am 14. Dezember 2019 produzierte kein einziges Kohlekraftwerk in mainland Spain (dem spanischen Festland) auch nur ein Megawatt. Auch am 21., 22., 24. und 25. war dies nicht der Fall. Es gab keinen Blackout oder Notfall: Die Anlagen wurden einfach nicht benötigt. Sieben Monate zuvor, im Mai, hatte Kohle noch 2,3 % der Stromerzeugung auf dem Festland ausgemacht. Der Einbruch war bereits im Gange.

Das Jahr endete mit 12.725,7 GWh an Kohlestrom im nationalen Gesamtmaßstab, was einem Rückgang von 65,9 % gegenüber 2018 entspricht, sowie 10.714,2 GWh auf dem Festland, ein Minus von 69,3 %. Der Abfall verlief nicht gleichmäßig: Zwischen Januar und Februar lag das Minus bei 18,2 %, während es von März bis Dezember auf 81 % ansprang. 2017 machte Kohle noch 17,4 % des Mix aus; 2018 waren es 14,5 %; 2019 nur noch 4,3 %. Drei Jahre für den Verlust von drei Vierteln des Marktanteils.

Wer füllte die Lücke, die die Kohle hinterließ?

Der große Gewinner waren gasbefeuerte Kombikraftwerke (Ciclo Combinado): 51.185,8 GWh im Jahr 2019, eine Steigerung um 93,9 %. Der Haken daran ist, dass sie nur mit 23,8 % ihrer theoretischen Maximalkapazität liefen, verglichen mit 12,7 % im Jahr 2018. Sie gewannen den Markt, ohne das gesamte Portfolio hochfahren zu müssen. Windkraft erzeugte 52.841,2 GWh (+7,9 %) und stellte 21,4 % des Festland-Mix; Kernenergie trug 22,6 % bei; Wasserkraft fiel um 27,8 %. Photovoltaik kam auf 8.808,9 GWh (+19,4 %), was 3,6 % des Gesamtvolumens entsprach. Wenig, aber wachsend.

Warum verlor Kohle ihre Wettbewerbsfähigkeit?

Weil selbst unter Ausklammerung der CO2-Emissionspreise Gas günstiger war als Kohle. Im Juni 2019 notierte russisches Erdgas bei 3,59 US-Dollar pro MMBtu, was 12,24 US-Dollar pro MWh entspricht; australische Kohle lag bei 72,49 US-Dollar pro Tonne, also 9,34 US-Dollar pro MWh. Auf dem Papier gewinnt Kohle. Der entscheidende Punkt liegt jedoch im Wirkungsgrad: Spanische Gaskraftwerke arbeiten bei etwa 47,5 %, Kohlekraftwerke nur bei rund 34 %. Mit diesen Zahlen hat Gas einen Vorteil, bevor man die Kosten für Emissionen überhaupt berücksichtigt.

Die Abschaltung am 30. Juni 2020 und der Corona-Schock

Die erste Jahreshälfte 2020 endete damit, dass etwa die Hälfte des spanischen Kohle-Kraftwerksparks stillgelegt wurde. Vorläufige Halbjahresdaten: 3.103 GWh, ein Minus von 59,3 %. Januar fiel um 71,7 %, Februar um 63,4 %, März um 42,2 %, April um 57,6 %, Mai um 28,6 % und Juni – geschätzt – um 7,9 %. Das Kombikraftwerk, sein großer Konkurrent, ging ebenfalls um 26,2 % zurück, belastet durch die Gesundheitskrise und die Konkurrenz der Erneuerbaren. Kohle war nicht mehr der Feind, den man besiegen musste; sie ging von selbst aus.

Die zukünftige Rechnung: Algerisches Gas und Systemsicherheit

Hier beginnt die Uneinigkeit. Ein Teil der Analyse betont, dass billiges Gas nicht ewig verfügbar sein wird und Spanien seine eigene Produktion verloren hat, wodurch es abhängiger von Algerien ist als je zuvor. Eine andere Strömung argumentiert das Gegenteil: Gas bestimmt immer weniger Stunden lang den Preis, und sein Gewicht im Stromsystem nimmt ab. Eine dritte Gruppe erinnert daran, dass erneuerbare Energien installierte Backup-Kapazitäten benötigen, sei es auch nur für eine Minute Nacht oder Windstille. Die Schließung der thermischen Kraftwerke löst diese Debatte nicht; sie verschiebt sie nur.

Der Balearen-Fall, der die Erzählung bricht

Auf den Balearen wurde 2019 jeden Tag Kohle verbrannt, wobei 2.011,4 GWh erzeugt wurden, ein Minus von 16 %. Am 31. Dezember um 22:10 Uhr stoppte das Kraftwerk Es Murterar: Die Einschränkung auf 1.500 Betriebsstunden pro Jahr trat in Kraft, und nur zwei Blöcke dürfen laufen. Man erwartet, dass es im Sommer mit dem Tourismus wieder anläuft.

Am 10. Juni erzeugte die Kohle auf dem Festland lediglich 300 MW. An manchen Tagen produziert sie gar nichts. Die einzige berechtigte Frage ist, ob dies Spanien zu einem saubereren Land macht oder zu einem Land, das sein Gas bei anderen kauft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (166 Antworten).

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