Spaniens Januar-Loch: Firmenpleiten steigen deutlich

In Spanien stieg die Zahl der Firmenschließungen 2022 um 21,5 %. Während Restaurants voll sind, bricht der große Konsum ein.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Januar-Loch: Firmenpleiten steigen deutlich
Spaniens Januar-Loch: Firmenpleiten steigen deutlich

Ein Indikator, der nicht täuscht und kaum beachtet wird, ist die Auflösung von Unternehmen. Im Jahr 2022 wurden 68.413 Löschungen registriert, was einem Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, während die Schließungen um 21,5 % explodierten. Der Handel (12.481) und das Baugewerbe (9.570) führten diese Abwärtsspirale an. Gleichzeitig sind die Restaurants am Wochenende überfüllt. Beides ist wahr. Und genau hier beginnt das Problem.

Die Wahrnehmung, dass die Wirtschaft stabil bleibt, basiert auf alltäglichen Szenen: Warteschlangen vor Bars, volle Terrassen, Supermärkte mit langen Kassenzeilen. Aber dieses Thermometer trügt. Wie eine Branchenanalyse erinnert, waren auch 2010 und 2011 mitten in der Krise die Restaurants voll. Der Grund ist strukturell, so ein Teilnehmer der Debatte: In Spanien gibt es 10 Millionen Rentner und 4 Millionen Beamte, deren Kaufkraft vom Konjunkturzyklus kaum berührt wird. Diese Gruppe, ergänzt durch Kapitalanleger und Arbeitnehmer mit festen Gehältern, füllt die Terrassen unabhängig von der Lage. Ein Bier kostet zwei Euro.

Kleinkonsum hält sich; Großkonsum bricht ein

Der lokale Konsum widersteht, weil er als Letztes eingeschränkt wird. Was einbricht, ist alles andere. Die Neuzulassungen von Fahrzeugen und die Wohnungsverkäufe befinden sich seit Monaten im freien Fall, und einige Sektoren spüren dies bereits, bevor es in den Statistiken auftaucht. Der Landtourismus ist das häufigste Beispiel: An den Feiertagen im November und Dezember 2022 gab es nicht nur keine Buchungen, sondern nicht einmal Anfragen, während dieselben Feiertage 2021 ausgebucht waren. Hotels lebten 2022 von einer Post-Pandemie-Erholung mit stark gestiegenen Preisen. Dieser Treibstoff geht aus.

Manche argumentieren, dass die während der Pandemie angesparten Ersparnisse den Konsum weiterhin stützen. Dies ist ein plausibles Argument, hat aber ein Verfallsdatum. Das andere Ende der Waage bilden Betriebe, die Kosten nicht weitergeben können: Wenn sie Preise erhöhen, verlieren sie Kunden; wenn nicht, schmilzt ihre Marge. Viele warten ab, bis die Konkurrenz handelt, bevor sie die Speisekarte ändern. Wenn alle gleichzeitig erhöhen, kürzen Kunden Menge oder Frequenz. Dann verlieren alle. Der Fiskus hingegen verliert nicht: Die Mehrwertsteuer-Einnahmen steigen, weil die Preise gestiegen sind, nicht weil mehr verkauft wird.

Die Gesellschaft der zwei Geschwindigkeiten

Das entstehende Muster ist das einer gespaltenen Wirtschaft. Auf der einen Seite stehen jene mit indexierten Einkommen oder Vermögen, die leben können, als gäbe es keine Inflation. Auf der anderen Seite steht eine stille Mehrheit, die sich den Wochenendausflug nicht mehr leisten kann und nun erst die Karte prüft, bevor sie bestellt. Diese Mehrheit ist in den aggregierten Konsumdaten unsichtbar, da ihre Einschnitte sich auf tausend kleine Posten verteilen, die keine Schlagzeilen machen. Der Durchschnittsverdiener mit Hypothek hat keine 300 Euro frei für Bier. Wer zur Miete wohnt, auch nicht.

Der Sektor für Renovierungen und Möbel hingegen boomt: Aufträge für Monate im Voraus und Fachkräftemangel. Dies ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Wer Liquidität hat, investiert in Immobilien und Hausbau, nicht in Launen. Das Geld ist nicht verschwunden. Es hat sich konzentriert.

Was die Daten zu Pleiten und Insolvenzen sagen

Der Handelssektor verzeichnete 2022 1.460 Insolvenzverfahren, fast 34 % mehr als im Vorjahr. Das Baugewerbe meldete rund 1.000 Insolvenzen, ein Anstieg von knapp 20 %. Das verarbeitende Gewerbe bearbeitete 788 Verfahren, 27 % mehr. Dies sind Zahlen für Unternehmenszerstörung, nicht für eine sanfte Abkühlung. Und die Verschlechterung der Handelsbilanz erhöht den Druck auf das makroökonomische Bild.

Zinserhöhungen wirken verzögert. Sie zerstören den Immobilienmarkt nicht im selben Monat, in dem die EZB handelt, sondern mit einer Verzögerung von etwa anderthalb Jahren. Das bedeutet, dass der Schlag, der jetzt langsam spürbar wird, Entscheidungen entspricht, die viel früher getroffen wurden. Und die in den nächsten Monaten getroffenen Entscheidungen haben noch keine Wirkung gezeigt. Mit einem Wahljahr vor der Tür ist die Versuchung hoch, zu injizieren und zu verschleiern. Was danach kommt, sagen die Pessimisten, wird hart.

Der Preis des Einkaufskorbs: Schmerzhafte Daten

Die Preisanstiege bei Lebensmitteln über 24 Monate hinweg liefern schwer verdauliche Zahlen: Olivenöl +71,3 %, Zucker +50 %, Mehl +44,4 %, Vollmilch +44,3 %, Eier +37,9 %. Diese Prozentsätze fressen jede Lohnsteigerung auf. Sie erklären auch, warum der Konsum schrumpft, obwohl die Terrassen voll bleiben: Gespart wird beim Wocheneinkauf, nicht beim Sonntagsbier.

Die Frage ist nicht, ob die Wirtschaft abkühlt. Die Frage ist, wie lange es dauert, bis dies auf der Straße spürbar wird. Bei diesen Differenzen zwischen Preisen und Einkommen sollte der Rückgang längst offensichtlich sein. Und dennoch gibt es Betriebe, die nicht stillstehen. Wie lange kann diese Dissoziation andauern?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (194 Antworten).

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