Spaniens Imperium vor Gericht: Mythos, Schwarze Legende und BIP
Ein Imperium, das laut einer im Diskurs kursierenden Berechnung unter Philipp II. mehr als 30 Millionen Quadratkilometer umfasste und heute in weiten Teilen der öffentlichen Meinung als Projekt der Rückständigkeit und Gewalt erinnert wird. Die Diskussion beginnt mit einer provokanten These: Dass die hispanischen Gebiete heute ärmer sind als die ehemaligen britischen Kolonien und dass es vielleicht besser gewesen wäre, die Halbinsel den Engländern zu überlassen. Von dort aus entwickelt sich der Austausch zu einem Schlagabtausch zwischen denen, die das imperiale Erbe als Motor der Zivilisation verteidigen, und denen, die es als Ballast sehen, der die Gegenwart erklärt.
Das Ausgangsargument: Honduras im Vergleich zu den USA
Die anfängliche Provokation ist einfach: Man vergleiche die ehemaligen spanischen Kolonien —Honduras, Guatemala, Ecuador— mit den Territorien des britischen Imperiums —USA, Kanada, Australien— und komme zu dem Schluss, dass der englische Einfluss prosperierendere Gesellschaften hervorgebracht habe. Der Text behauptet sogar, Indien wäre trotz seiner Armut jedem lateinamerikanischen Land vorzuziehen. Und schließt mit Gibraltar gegenüber La Línea als visuellem Beweis für den Kontrast.
Das Problem dieses Gedankenspiels, so die Entgegnungen, sei die Verwechslung von Ursache und Korrelation. Einige argumentieren, dass die Engländer den Osten der USA behielten, das für Siedlung und Entwicklung geeignetste Gebiet, während das spanische Amerika Geografien erbte, die durch Gebirgszüge und Dschungel fragmentiert waren. Andere fügen hinzu, dass das britische Imperium Vernichtung und Reservate praktizierte, nicht Integration, und dass sein Vermächtnis die Rassentrennung sei, nicht gemeinsamer Wohlstand.
Die Schwarze Legende und die Erzählung der Feinde
Ein Teil der Diskussion konzentriert sich auf die Konstruktion der Erzählung. Es wird vertreten, dass das Bild Spaniens als grausame und rückständige Macht keine neutrale Analyse sei, sondern eine von seinen historischen Rivalen —Niederländern und Engländern— geschmiedete Narrative, die in deren Schulen weiterhin gelehrt werde, während in Spanien ein historisches Amnesie-Phänomen herrsche. Das Konzept der Schwarzen Legende erscheint als Werkzeug zur Demontage dieser Version, allerdings mit der Warnung, nicht in die 'Rosa Legende' zu verfallen.
Demgegenüber kommt die härteste Kritik nicht von den Angelsachsen, sondern aus dem Inneren. Manche bezeichnen das Imperium als ein Projekt unter konfessionellem Kommando, belastet durch eine Struktur, die Spanien ausgeblutet und Kirche sowie ausländische Dynastien begünstigt habe. Der Vorwurf lautet, man habe die Chance verpasst, den Kontinent wirklich zu kolonisieren, und dass die Mestizaje (Vermischung), weit entfernt von einer Tugend, die Ursache des späteren Desasters war.
Mestizaje gegen Ausrottung: Die Daten, die den Rahmen ändern
Hier wird die Debatte interessanter. Eine Strömung verteidigt, dass das spanische Imperium die Mischung mit der indigenen Bevölkerung förderte, während das britische Ausschluss und Ausrottung wählte. Das Ergebnis, so sagen sie, sei, dass heute eine hispanoamerikanische Kulturgemeinschaft von Hunderten Millionen Menschen existiere, im Gegensatz zu Reservaten, in denen die Ureinwohner zurückgedrängt wurden.
Die gegenteilige Antwort lässt nicht auf sich warten: Diese Mestizaje war genau der Fehler, weil sie den Aufbau einer Siedlungskolonie nach angelsächsischem Vorbild verhinderte. Es ist dieselbe Diskussion, die jene gegenüberstellt, die in der Mischung einen zivilisatorischen Vorteil sehen, und jene, die sie als wirtschaftlichen Ballast betrachten. Es gibt keinen Konsens, und der Austausch spiegelt dies wider.
Kreuzende Daten: 30 Mio. km² und der spanische Dollar
Mitten im Streit tauchen konkrete Zahlen auf. Es wird behauptet, das spanische Imperium habe während der Iberischen Union mit Portugal unter Philipp II. mehr als 30 Millionen Quadratkilometer umfasst. Es wird daran erinnert, dass der US-Dollar seinen Namen vom spanischen hat und dass die hispanischen Gebiete, als sie Teil des Imperiums waren, die reichsten der Welt waren. Auch wird erwähnt, dass die Engländer sich Australien oder Kanada zusprachen, ohne sie vollständig erkundet oder dominiert zu haben.
Die vollständige Berechnung, mit Karten zum Vergleich der Ausdehnung, zeigt eine überraschende Differenz. Wer dies überprüfen möchte, findet reichlich Material.
Die Gegenwart: Warum Spanien nicht Norwegen ist
Der Faden bleibt nicht in der Vergangenheit. Die Diskussion lenkt auf die Gegenwart und die Innenpolitik. Einem Teil des politischen Spektrums wird vorgeworfen, die imperiale Vergangenheit als Alibi zu nutzen, um die Gegenwart anzugreifen, und es wird entgegnet, dass das Problem nicht das Imperium sei, sondern die Unfähigkeit, eine kohärente nationale Erzählung zu konstruieren. Die häufigste Schlussfolgerung lautet, dass Spanien unter einem historischen Minderwertigkeitskomplex leide, der es hindert, das eigene Tun und Sein zu würdigen.
Nützt der Blick zurück etwas? Für manche ist er der einzige Weg, zu verstehen, warum Hispanoamerika fragmentiert ist. Für andere ist er Zeitverschwendung, die von den echten Problemen ablenkt. Der Dissens bleibt offen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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