Der goldene Luchs: 12.000 Münzen, 10 % Aufschlag und die offene Frage, ob er an Wert gewinnt
Ist es sinnvoll, 1.760 Euro für eine Goldmünze im Unzenformat mit einem Nennwert von nur 1,50 Euro zu zahlen? Diese Frage stellte sich ein Anleger, als er die Diskussion über die erste in Spanien geprägte Bullion-Münze eröffnete – den Luchs, im englischsprachigen Markt als spanish doubloon Lynx bekannt. Die ursprüngliche Kaufthese stützte sich auf rund ein Dutzend Argumente: Das Gold macht etwa 90 % des Preises aus, das Design zeigt die Säulen des Herakles (Columnario), die den US-Dollar inspirierten, es trägt kein Königsporträt, die Prägung ist Proof Reverse und die Auflage auf 12.000 Stück begrenzt.
Der Einstiegspreis in Spanien lag bei etwa 1.760 Euro, mit einem Aufschlag von rund 10 % auf den Metallwert, vertrieben wurde die Münze über Degussa, Lamas Bolaño, Julián Llorente, Edifil und das Ladengeschäft der FNMT. In den USA vertrieb sie Kagins. Die These des Käufers war einfach: Selbst wenn das Design nicht gefiel, war der Goldwert als Boden abgesichert, und der Aufschlag war für eine Proof-Reverse-Münze niedrig.
Der Nennwert von 1,50 Euro, den niemand verteidigt
Am meisten kritisiert wurde nicht der Preis oder das Design, sondern der Nennwert. Eine Goldunze mit einem Wert von 1,50 Euro stieß auf fast einstimmige Ablehnung. „Die 1,50 Euro sind das einzige nennenswerte Alleinstellungsmerkmal – niemand bei gesundem Verstand würde diesen Nennwert festlegen, das ist peinlich“, hielt eine der schärfsten Stimmen der Debatte fest. Die Kritik war nicht ästhetischer Natur: Sie betraf den Eindruck der Seriosität der Ausgabe.
Die Verteidigung von der Käuferseite lautete, dass der Nennwert bei einer Bullion-Münze nur der offiziellen Legitimierung dient und dass andere internationale Stücke, etwa die silberne Philharmoniker, ebenfalls 1,50 Euro tragen. Das Argument überzeugte die Kritiker nicht, die in diesem Detail ein Zeichen von Improvisation beim Design der ersten spanischen Bullion-Münze sahen.
Der Luchs als Motiv: Designtreffer oder Fehlgriff?
Auch das zentrale Motiv spaltete die Meinungen. Während die einen argumentierten, der Luchs sei ein Tier, das allen gefällt, und der Stich der FNMT der beste sei, der je auf einer Luchs-Münze gelungen sei – verglichen wurde mit Ausgaben aus Portugal, Kanada, Russland, Belarus, der Ukraine, Liberia und den Cookinseln –, fanden andere, man habe die Gelegenheit versäumt, einen Stier oder das spanische Wappen abzubilden. „Das Columnario und der König sind ein Treffer, der Luchs und der Wert nicht – als erste Bullion-Münze hätten sie einen Stier draufmachen können, aber das wäre natürlich politisch nicht korrekt gewesen“, fasste ein Teilnehmer zusammen.
Das Columnario war jedoch das Element mit dem größten Konsens. Seine Verbindung zur Geschichte des US-Dollars galt als designerischer Erfolg und als gewichtiges Argument für den internationalen Markt.
Die Preisentwicklung: von 1.760 auf 1.920 Euro
Die Preisentwicklung war der Faktor, der schließlich einige Meinungen kippte. Lag der Einstiegspreis in Spanien noch bei rund 1.760 Euro, erreichte die Münze bei Degussa mit der Zeit 1.920 Euro. Beim US-Distributor Kagins wurde sie für 4.190 Dollar verkauft, gegenüber 3.300 Dollar zum Start. Der Vergleich mit dem Goldpreis dämpfte jedoch die Euphorie: Die Wertsteigerung der Münze fiel im selben Zeitraum geringer aus als die des Metalls.
Der Ausverkauf bei Degussa und Lamas Bolaño wurde als Zeichen einer guten Aufnahme gedeutet. Die Auflage von 12.000 Stück, klein nach Bullion-Maßstäben, war schnell verkauft. Die FNMT kündigte eine zweite Ausgabe für das Folgejahr an, womit dieses erste Stück den Auftakt einer jährlichen Serie bildete.
Die Aufschlagsdebatte und der Vergleich mit anderen Bullion-Münzen
Der Vergleich mit anderen Anlagemünzen war ständiges Thema. Der Aufschlag von 10 % auf den Goldwert galt für eine Proof Reverse als niedrig, aber hoch im Vergleich zu einem Krugerrand oder einer normal geprägten Philharmoniker. „Das sind nur 40/50 Euro mehr als bei einer anderen anonymen Münze (Känguru, Malle etc.)“, merkte ein Teilnehmer an, während ein anderer meinte: „Wenn sie mehr als winzige Auflagen verkaufen wollen, können sie als zweitklassige Prägestätte diesen Aufschlag nicht verlangen.“
Auch der Vertrieb weckte Misstrauen. Die wiederholte Erwähnung von Degussa im Eingangspost wurde von manchen als Hinweis auf einen Interessenkonflikt gewertet. „Einen Thread zu eröffnen, um die Leute zum Kauf einer Münze zu überreden und dabei ständig Degussa zu erwähnen, sagt nicht viel über dich als objektiven Forenuser aus“, hieß es. Die Antwort war, dass alle verfügbaren Händler genannt worden seien und andere Händler die Münze nicht verkauften.
Die Frage des internationalen Käufers
Das Argument, die Münze könnte in Lateinamerika und auf englischsprachigen Märkten Nachfrage finden, stieß auf Skepsis. „Es gibt eine Milliarde Anlage- und Sammlermünzen, diese hat für jemanden aus den USA nichts Besonderes“, hielt eine kritische Stimme fest. Die Verteidigung: Es gebe bereits englischsprachige Nachrichten, YouTube-Videos und Erwähnungen in britischen Bullion-Foren, was auf ein beginnendes Interesse hindeute.
Die Zeit hat eine teilweise Antwort geliefert. Die Münze hat an Wert gewonnen, aber weniger als Gold. Wer gekauft hatte wegen des abgesicherten Metallwerts und eines numismatischen Aufschlags, sah den ersten Teil erfüllt; der zweite steht noch aus.
Am Ende ist der goldene Luchs eine Münze mit einem Design, das die Meinungen spaltet, einem Nennwert, der peinlich berührt, und einem Aufschlag, der je nach Vergleichspunkt zwischen angemessen und überzogen liegt. Was niemand bestreitet: Das Gold ist immer noch da, unter dem Luchs, und wartet auf seinen Moment.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).