Spaniens Gebrauchtmarkt: Preise nahe am Neuwert

Gebrauchte PS4-Konsolen kosten in Spanien oft 350 Euro, während der Wiederverkauf in Deutschland und Großbritannien besser funktioniert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Gebrauchtmarkt: Preise nahe am Neuwert
Eine gebrauchte PS4 kostet 350 Euro und niemand schämt sich

Eine gebrauchte Konsole mit zwei Controllern und ein paar Spielen geht nicht unter 350 Euro weg. Das ist der Preis, den der Verkäufer aufruft, nicht das, was der Käufer zahlt, denn für dieselben 350 Euro bekommt man im Laden eine neue. Die Diskrepanz – Neupreis für ein gebrauchtes Gerät zu verlangen – wiederholt sich bei jeder Suche nach einem gebrauchten Artikel und hängt nicht vom Produkt ab: Es ist egal, ob es eine Grafikkarte, ein Sofa oder ein Auto ist. Der spanische Gebrauchtmarkt hat aufgehört, ein Eldorado für Schnäppchen zu sein, und ist zu einem Kampf um Stolz geworden.

Warum wird auf dem spanischen Gebrauchtmarkt fast zum Neupreis verkauft?

Die Diagnose stimmt in verschiedenen Aspekten überein. Es gibt Verkäufer, die teuer eingekauft haben und nicht bereit sind, den Preis zu senken, und andere, die das Produkt bereits genossen haben, aber trotzdem ihre Kosten zurückholen wollen. Der Satz „Ich verkaufe es zum gleichen Preis, den ich bezahlt habe“ erscheint ohne Ironie in den Anzeigen, als würde die Zeit nichts entwertet haben. Das Bild wird durch den Klassiker „neu, in Originalverpackung, nur zum Testen benutzt“ zu einem Preis über dem Online-Shop ergänzt.

In diesem Bereich häufen sich absurde Fälle. Ein Ledersofa, das neu im Sale für 600 Euro verkauft wurde, erscheint gebraucht für 500 Euro; der Besitzer eines anderen Sofas, das er für 175 Euro anbot, lehnte es ab, auf 150 Euro zu gehen, und es steht immer noch zum Verkauf. Ein 2.000-W-Benzingenerator wird gebraucht zwischen 250 und 350 Euro angeboten, obwohl er im Laden 400 Euro kostet, und beim Ausverkauf sah man einen 2.800-W-Generator für 195 Euro. GTX 650-Karten, die neu 120 Euro kosteten, werden auf dem Gebrauchtmarkt für 70 bis 90 Euro gehandelt.

Das „Weil ich es wert bin“-Denken und die 50%-Regel

Auf der anderen Seite gibt es eine Schwelle, die viele Käufer ohne Verhandlung anwenden: nie mehr als 50 % des Neupreises zahlen, selbst wenn der Artikel makellos ist. Bei Elektronik sinkt die Grenze auf 30 oder 35 %, und das Argument ist einfach: Kaufen ohne Garantie ist ein Risiko, das der Käufer eingeht, daher muss der Rabatt dies ausgleichen. Wer nicht von seinen Zahlen weicht, behält das Produkt wochenlang zu Hause.

Feilschen wird hingegen als Respektlosigkeit empfunden. Die Hälfte des verlangten Preises anzubieten, kann zu Schweigen, Frechheit oder Vorwürfen führen. Und umgekehrt: Manche behaupten, dass wenn etwas schnell verkauft wird, der Preis unter dem Marktwert lag und der Verkäufer Geld verloren hat. Das ist tatsächlich der reale Richter: Was sich gut verkauft, fliegt vom Markt; was ewig inseriert bleibt, war überbewertet.

Was passiert in Deutschland, Großbritannien oder den USA mit Gebrauchtwaren?

Der Kontrast im Ausland ist das am häufigsten genannte Argument. In Deutschland funktionieren Flohmärkte für gebrauchte Fahrräder mitten auf der Straße, wo Privatpersonen in guter Atmosphäre kaufen und verkaufen, sowie spezialisierte Wiederverkaufsläden für Audioanlagen. In Großbritannien nehmen Fahrzeug-Flohmärkte Hektar ein – bei jedem Wetter – und lokale Car Boot Sales sind zum Wochenendprogramm geworden. In Frankreich sieht es ähnlich aus mit gebrauchten Schallplatten und Büchern.

Jenseits des Atlantiks geht das Beispiel weiter: Ein sieben Jahre alter Audi A8 wurde für 10.000 Dollar gesehen. Die daraus gezogene These ist unbequem: Je besser der Gebrauchtmarkt funktioniert, desto entwickelter ist die Wirtschaft. In einem Auktionssystem bestimmt der Markt den Preis und niemand diskutiert; hier bestimmt der Stolz jedes Inserenten den Preis. Eine weitere Schlussfolgerung in funktionierenden Märkten lautet: Dort kauft man Gebrauchtes ohne Drama, hier wird es zum Kräftemessen.

Autos: Wo Gebraucht so viel kostet wie Neu

Das Automobil konzentriert die extremste Version dieses Phänomens. Autos, die zehn bis zwanzig Jahre alt sind, werden über ihrem ursprünglichen Kaufpreis inseriert, verteidigt mit Sätzen wie „läuft wie geschmiert“ oder „ich verbrenne es lieber, als es billiger zu verkaufen“. Die Rechnung eines Käufers, der 1.600.000 Pesetas zahlte, das Auto zwölf Jahre behielt und für 200.000 verkaufte, ergibt Kosten von etwa 700 Euro pro Jahr ohne große Reparaturen: Eine Zahl, die nur entsteht, wenn man kauft und bis zum Ende behält.

Ein zusätzliches Problem sind versteckte Mängel. Ein zwei Jahre altes Firmenauto mit 30.000 Kilometern, als makellos inseriert, zeigte nach einer viereinhalbstündigen Fahrt ein gebrochenes Kennzeichen und fleckige Polsterung. Die wiederholte Antwort besteht darin, das Fahrzeug in der ersten Woche in der Werkstatt prüfen zu lassen, einschließlich Kompressionsmessung, und es nur zurückzugeben, wenn der Betrug offensichtlich ist. Zur Filterung der Preise wird eine Formel angewendet – Verkehrswert plus ein variabler Prozentsatz von bis zu 20 % je nach Zustand und Kilometerstand –, obwohl das Finden eines vernünftigen Angebots Monate erfordert, nicht Tage.

Schnell und günstig verkaufen: Die andere Seite des Marktes

Nicht alles ist Widerstand gegen Anpassungen. Manche setzen einen realistischen Preis und verkaufen den Artikel am selben Tag. Ein fast neues Telefon mit Garantie ging für 150 Euro in vier Stunden weg; ein neuer Tisch, der 100 Euro kostet, wurde für 25 Euro in zwei Tagen verkauft; ein anderer, bewertet mit 450 Euro, schloss bei 200 Euro nach einem Angebot innerhalb einer halben Stunde. Die Taktik ist immer dieselbe: Von Anfang an niedrig bleiben und sich nicht im Chat verheddern.

Die Sarracena, die erfahrene Käufer und Verkäufer teilen, ist einfach: Ein Artikel ist so viel wert, wie jemand anderes bereit ist zu zahlen, nicht das, was man erinnert, ausgegeben zu haben. Der Feilscher mit Opfergesicht und der Verkäufer, der am Kassenbon festhält, sind zwei Seiten desselben Missverständnisses.

Und die Frage bleibt offen. Wenn Gebrauchtes in Spanien fast so viel kostet wie Neues, warum gibt es dann weiterhin einen Markt? Die am häufigsten genannte Entschuldigung – Geld machen durch den Verkauf dessen, was man schon genossen hat – erklärt nicht, warum die Anzeige aktiv bleibt. Sie beschreibt es nur.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (114 Antworten).

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