Spaniens Frauen gewinnen Autonomie, doch Einsamkeit und Scheidungen steigen

In Spanien stiegen Vergewaltigungen 2023 um 14 % und sexuell übertragbare Infektionen bei Frauen um 156 %, was die Debatte über die Folgen linker Politik schürt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Frauen gewinnen Autonomie, doch Einsamkeit und Scheidungen steigen
Mehr Autonomie für Spaniens Frauen, mehr unerwünschte Einsamkeit und Scheidungen

Geht es Frauen schlechter als vor vier Jahrzehnten? Das Material, das diese Diskussion nährt, zweifelt keine Sekunde daran. Es zählt 98.316 Abtreibungen im Jahr 2022 auf, einen Anstieg von 156 % bei sens übertragbaren Infektionen bei Frauen laut dem Instituto de Salud Carlos III, einen Anstieg der Vergewaltigungen um 14 % im Jahr 2023 sowie eine Zunahme nicht einvernehmlicher Scheidungen. Auf dieser Liste fußt die politische Schlussfolgerung: Die Linke habe sich die Sache der Frauen angeeignet und sie dabei schlechter gestellt.

Dieselben Zahlen erlauben die gegenteilige Lesart. In vier Jahrzehnten hat die Frau vom Wenig-Entscheider zum Viel-Entscheider gewechselt, und dieser Wandel hat messbare Kosten in Trennungen, Pillen und schlaflosen Nächten. Der Streit dreht sich nicht um Statistiken. Er dreht sich darum, wer sie unterzeichnet.

Was sagen Scheidungen, Abtreibungen und die Einnahme von Anxiolytika aus?

Die zitierten Aufzeichnungen zeichnen ein Bild eines Landes, in dem eheliche Trennungen weiter zunehmen, wobei nicht einvernehmliche Scheidungen laut Daten der Justiz steigen. Das Gesundheitssystem stellt derweil ein anhaltendes Wachstum von STIs bei Frauen fest: Das Instituto de Salud Carlos III spricht von einem Anstieg von 156 %, während das Observatorio Bloom den Sprung auf über 1.073 % zwischen 2012 und 2019 beziffert. Addiert man das Konsummuster von Anxiolytika, bei denen Frauen Hauptnutzerinnen sind, ergibt sich das Kartenbild einer vermeintlichen Katastrophe.

Keiner dieser Indikatoren beweist allein eine politische Ursache. Manche erklären den Anstieg der STIs durch die Lockerung beim Kondomgebrauch und das Sinken des Risikobewusstseins. Scheidungen begleiten die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen. Angstzustände werden überall stärker medikalisiert. Sie als einzige Diagnose zu lesen, ist, wo die Voreingenommenheit auftaucht, und auch dort beginnt die Erzählung.

Warum ist die Rede von mehr Einsamkeit und mehr sens Gewalt?

Eine von drei jungen Frauen leidet unter unerwünschter Einsamkeit, so die Studie SoledadEs. Auf diesem Datum baut sich das am häufigsten wiederholte Argument auf: die Paradoxie einer hypervernetzten und zugleich einsamen Generation. Parallel wird der Anstieg der Vergewaltigungen zitiert und behauptet, dass institutioneller Schutz mit einer Verhärtung der Kriminalität einhergegangen sei.

Hier liegt die argumentative Falle. Ein Anstieg angezeigter Übergriffe kann mehr Anzeigen und mehr Bewusstsein widerspiegeln, nicht mehr Übergriffe. Ein Anstieg der Trennungen kann mehr Freiheit bedeuten, eine unerträgliche Ehe zu verlassen. Das Material fügt sogar die Migrationsvariable zur Sensual hinzu, eine Verbindung, die ohne Kontext hergestellt wird und den Übergang von der Phrasenschlacht zur Soziologie nicht besteht. Eine Schlagzeile ist kein System.

Das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt im Zentrum der Kritik

Die politische Vorwurf hat Name und Datum: das umfassende Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt, seit 1998 vorbereitet und seit 2004 in Kraft. Es wird behauptet, die Norm habe eine einzige Erzählung abgeschirmt und wer abweicht, werde gebrandmarkt. Unter diesem Ärger schwelt eine legitime Frage nach der Vormundschaft des Staates: Wenn die Frau als stark und emanzipiert gilt, warum braucht sie dann ein eigenes rechtliches Statut?

Daraus ergeben sich zwei Strömungen. Eine verteidigt, dass echte Gleichheit kommen wird, wenn Quoten fallen und institutioneller Schutz aufhört, den Mann durch die Verwaltung zu ersetzen. Die andere kontert, dass diese Maßnahmen materielle Ungleichheiten ausgleichen, die sich nicht selbst korrigieren. Entgegengesetzte Diagnosen über dieselben Fakten, und keine Eile nachzugeben.

Vom Arbeitsmarkt zum Alltag: die wiederkehrende Klage

Eine weitere Ader ist rein testimonial. Beschrieben wird ein Auswahlverfahren für einen Supermarkt, bei dem fast alle Kandidatinnen Frauen waren, und Bergläufe, bei denen nur mittelalte, alleinige Frauen auftauchen. Das sind Anekdoten, keine Belege, aber sie funktionieren als Thermometer eines diffusen Unbehagens: das Gefühl, dass sich die Regeln abrupt geändert haben und niemand gewarnt hat.

Es lohnt sich, das Datum vom Ärger zu trennen. Dass ein konkreter Prozess von weiblichen Kandidatinnen dominiert wird, beweist keine Umkehrdiskriminierung; es zeigt, dass ganze Sektoren, von der Gastronomie bis zum Handel, sich feminisiert haben. Das Unbehagen ist echt, auch wenn die Diagnose faul ist.

Der demografische Faktor: weniger Kinder und mehr Jahre in Einsamkeit

Das Bild vervollständigt sich durch den Rückgang der Geburtenraten und einen Arbeitsmarkt, der totale Verfügbarkeit belohnt. Manche lesen darin eine Verurteilung: Die Frau, die auf ihre Karriere gesetzt hat, entdeckt mit vierzig, dass die biologische Uhr nicht verhandelt und der ideale Partner nicht erscheint. Die Rechnung ist diskutierbar, aber das demografische Datum ist hartnäckig.

Die Gegenlesung ist ebenso einfach. Dieselben Frauen haben heute eigenes Einkommen und die Möglichkeit, von niemandem abhängig zu sein, um zu essen. Das Versagen zu nennen, erfordert viel statistische Fantasie, egal wie sehr die Erzählung jedes Mal, wenn eine Umfrage veröffentlicht wird, das Gegenteil beharrt.

Mit diesem Material sollte die Prognose abgeschlossen sein. Sie scheint es nur oberflächlich: Die Diskussion sucht nicht, die Frau zu verstehen, sondern die Schuld zu verteilen. Und diese landet, kurioserweise, immer am selben Ort.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (124 Antworten).

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