Spaniens Enkelgesetz und die Wählerlisten: Der Streit, der 2027 prägt

Das spanische Enkelgesetz und die massenhafte Verleihung der Staatsbürgerschaft lösen eine Debatte über die Wählerlisten und die Briefwahl im Hinblick auf die Wahlen 2027 aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Enkelgesetz: Die Wählerliste, die 2027 entscheiden könnte

Der Streit um das spanische Enkelgesetz ist längst nicht mehr eine Frage der historischen Erinnerung, sondern ein Kampf um die Wählerlisten. In den letzten Monaten haben Medien wie ABC, El Mundo, El Español und Okdiario Berichte veröffentlicht, die die massenhafte Verleihung der Staatsbürgerschaft an Nachkommen von Spaniern mit einem möglichen wahltaktischen Interesse der PSOE (spanische Sozialisten) in Verbindung bringen. Die Opposition ist jedoch über Einsprüche und öffentliche Anschuldigungen nicht hinausgekommen. Die PP (konservative Volkspartei) scheut sich, Wahlbetrug bei der Auslandswahl anzuzeigen, um das Wahlsystem nicht in Zweifel zu ziehen, während Vox Verfassungsbeschwerde eingelegt hat. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Straflosigkeit, das die These nährt, Sánchez habe einen Plan für 2027.

Der Ursprung: Ein Gesetz von 2022, das niemand anfocht

Das Enkelgesetz setzt die achte Zusatzbestimmung des Gesetzes 20/2022 über das Demokratische Gedächtnis um. Unter der Koalitionsregierung verabschiedet, erweitert das Gesetz das Recht auf Staatsbürgerschaft auf Nachkommen von Exilierten. So weit die offizielle Erzählung. Die Kritik beginnt, wenn man feststellt, dass diese massenhafte Verleihung von Pässen in Stimmen umgemünzt werden kann. Nach den Zahlen der genannten Medien hat sich die Passvergabe in acht Jahren vervierfacht (Faktor 4,5), und allein auf Kuba sollen 385.000 Menschen wahlberechtigt sein. Die pessimistischste Schätzung geht von drei Millionen neuen Wählern aus.

Das Argument der Befürworter des Gesetzes lautet, dass das Recht auf Staatsbürgerschaft nicht mit dem Wahlrecht verbunden ist. Josep Borrell, ehemaliger EU-Außenbeauftragter, brachte es auf den Punkt: «Wahlrecht und Staatsbürgerschaft gehören nicht zusammen». Doch die Realität ist, dass das Gesetz den neuen Staatsbürgern das Wählen ermöglicht, und genau dort entsteht der Konflikt.

Die Opposition, die nicht opponiert

Die PP befindet sich in einer unangenehmen Lage. Einerseits prangert sie möglichen Betrug an, andererseits fürchtet sie, das Wahlsystem in Zweifel zu ziehen. Wie Vozpópuli berichtete, scheuen die Konservativen davor zurück, Wahlbetrug bei der Auslandswahl anzuzeigen, um das Ansehen der Institutionen nicht zu beschädigen. Diese Vorsicht hat ihren Preis: das Gefühl, dass der Prozess nicht aufzuhalten ist. Vox hat den juristischen Weg gewählt, mit einer Verfassungsbeschwerde, die nach Ansicht der Kritiker kaum Erfolgschancen hat, weil das Gericht von Conde-Pumpido geleitet wird, dem eine regierungsfreundliche Linie nachgesagt wird.

Unterdessen hat sich die PSOE für die Aufnahme der Nachkommen von Exilierten in die Wählerlisten ausgesprochen. In einem kürzlichen Tweet erklärte die Partei: «Wir können nicht zulassen, dass die Nachkommen derer, die gehen mussten, ihrer Rechte beraubt werden. Die Justiz muss ihre Aufnahme in die Wählerlisten vor 2027 garantieren». Der Satz ist nicht harmlos: Er verlagert den Kampf auf die juristische und wahltaktische Ebene.

Die Briefwahl und die Beweiskette

Der schwächste Punkt des gesamten Verfahrens ist die Briefwahl in Ländern wie Kuba. Das kubanische Postwesen steht unter der Kontrolle des Regimes, und die Stimmen der auf der Insel lebenden «Spanier» gehen durch die Hände von Beamten, die weniger als 15 Dollar im Monat verdienen. Die Beweiskette ist höchst fragwürdig. Kritiker argumentieren, dass dies das eigentliche Schlupfloch ist, durch das Betrug möglich wird. Die PP wiederum spricht lieber nicht darüber.

Die Gewissheit, dass es einen Plan gibt

Im politischen Klima hat sich die Vorstellung festgesetzt, dass Sánchez keine Wahlen ausschreiben wird, bevor die Wählerlisten gesichert sind. Der Satz, der diese These zusammenfasst, lautet: «Die Gewissheit, dass Sánchez die Wahlen 2027 stehlen wird, ist bereits in allen nicht-sanchistischen Medien». Es ist keine bewiesene Behauptung, wohl aber eine weitverbreitete Wahrnehmung. Die Rechnung ist einfach: Wächst die Wählerliste mit geneigten Wählern, rückt der Sieg näher. Und wird zusätzlich die Briefwahl kontrolliert, ist das Ergebnis garantiert.

Die Opposition beschränkt sich vorerst auf Anschuldigungen und Warten. Vox' Verfassungsbeschwerde und die Anzeigen bei der Junta Electoral Central (zentrale Wahlkommission) sind Schritte, aber nicht ausreichend. Die Frage, die in der Luft liegt, lautet: Was wird die PP tun, wenn die Wählerliste endgültig aufgebläht ist? Wird sie sich mit Klagen begnügen oder Widerstand leisten? Zum Zeitpunkt dieser Debatte steht die Antwort noch nicht fest.



Das Enkelgesetz ist nicht mehr Thema der Erinnerung, sondern zum wahltaktischen Instrument geworden. Die Daten liegen auf dem Tisch. Die Opposition auch. Doch das Gefühl, der Prozess sei unaufhaltsam, wächst. Ohne Reaktion könnte 2027 das Jahr werden, in dem aus Gewissheit Realität wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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