Spaniens digitale Verwaltung im Chaos: Ausfälle und Normalisierung

Nutzerberichte belegen Systemausfälle bei DGT, Steuerbehörde und Post. Die Bürger haben die Störungen hingenommen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens digitale Verwaltung im Chaos: Ausfälle und Normalisierung
Das digitale Chaos des Staates: Wenn jede Behördengang zur Odyssee wird

Die spanische E-Government-Verwaltung häuft Fehler an, von der DGT (Dirección General de Tráfico) über die Agencia Tributaria bis hin zur Carpeta Ciudadana, der Seguridad Social oder Correos. Ein Rosenkranz aus Fehlern, ausgefallenen Websites und kollabierenden Systemen, den die Bürger inzwischen als Teil der Landschaft akzeptiert haben. Die Beschwerde ist nicht neu, aber das ständige Auftreten von Beispielen macht die Ausnahme zur Regel: Es wäre seltsam, wenn etwas funktionieren würde.

Die Liste der Fehler ist so lang, dass einem fast schwindelig wird. Die DGT scheitert bei Fahrzeugabfragen; die Carpeta Justicia blockiert den Zugriff auf Prozessviewer; die Carpeta Ciudadana lädt keine Daten und verbindet sich nicht mit anderen Behörden; das virtuelle Campus-Portal der Universidad Complutense zeigt veraltete Lehrpläne an; die Agencia Tributaria kann mobile Benachrichtigungen nicht korrekt herunterladen; das Terminsystem für den DNI verliert fünfzehn Minuten; die Seguridad Social bricht bei persönlichen oder telefonischen Terminanfragen zusammen. Und so weiter, Tag für Tag.

Correos, IBI und das Tüpfelchen der Fruta de Toledo

Die ursprüngliche Nachricht fügt zwei weitere Kapitel hinzu. Correos: Jedes Paket, das auf diesem Weg kommt, löst Nervosität aus. Die Tracking-Website findet den Code nicht, Pakete verschwinden tagelang oder der Zusteller kommt nur einmal statt zweimal. Die zweite Ausgabe erwähnt die Steuerzahlungswebsite der Fruta de Toledo: Um den IBI (Impuesto sobre Bienes Inmuebles) für eine Wohnung zu zahlen, funktioniert die Seite nicht, Lastschriften werden nicht geladen, Akten sind nicht einsehbar. Noch mehr administratives Chaos.

Die Diagnose: Beamte, Politik und öffentliche Unternehmen

In der tiefgehenden Analyse behaupten einige, dass alles, was der Staat tut, per Definition schlecht funktioniert. Die Renfe-Website ist berühmt dafür, ein Desaster zu sein, trotz Millioneninvestitionen. Es wird argumentiert, dass eine Organisation, die von Politikern geleitet und von öffentlichen Angestellten verwaltet wird, kaum gut funktionieren kann. Das Paradoxon: Zahlungen an die AEAT (Agencia Estatal de Administración Tributaria) haben immer funktioniert. Man sieht, was wirklich wichtig ist.

Ein anderer Ansatz weist auf die umgekehrte Beziehung zwischen Anzahl der Beamten und Dienstleistungsqualität hin. Je mehr, desto schlechter. Und wenn ein funktionierender Dienst beworben wird, beginnen die Probleme. Als Beispiel dienen die ITV (Inspección Técnica de Vehículos) in der Comunidad Valenciana.

INDRA, ewige Praktikanten und das Geschäft der Ausschreibungen

Der Finger zeigt auch auf die Unternehmen, die die Anwendungen entwickeln. INDRA taucht als wiederkehrender Name auf. Es wird ein Ökosystem von „ewigen“ Ingenieur-Praktikanten beschrieben, die, obwohl sie seit zwanzig Jahren dabei sind, weiterhin Junior-Gehälter beziehen. Wer bleibt, hat angeblich keine bessere Option. Seilschaftler wegen des halbstaatlichen Status. Diese Leute erstellen die staatlichen Anwendungen.

Der Vergabeprozess hilft ebenfalls nicht: Websites werden von Anbietern erstellt, die bieten, und der Billigste gewinnt immer. Beamte müssen nichts über Frameworks, Sicherheit oder Wartbarkeit wissen, und die Angebotsanforderungen sind ein Desaster. Wenn Angebote eingehen, wird dem billigsten zugeschlagen, mit absurden Kosten pro Personentag.

Die Theorie des Programmierers: Veraltete Systeme und fliehende Senioren

Ein Programmierer erklärt es ohne Umschweife: Eine Staatswebsite mit Dutzenden Integrationen in veraltete SOAP-Dienste und Geschäftslogiken, die niemand versteht, baut kein Dreizehnjähriger in achtundvierzig Stunden. Auch die Praktikanten der Beratungsfirmen, die die Aufträge gewinnen, coden es nicht richtig. Die Realität ist, dass Senior-Entwickler, die gut programmieren, nicht einmal betrunken für öffentliche Verwaltungen arbeiten würden, weil es sich um veraltete Systeme handelt, die persönlich nichts bringen und zudem schlecht bezahlt werden. Das macht man in der Junior-Phase und haut ab, sobald man kann.

Das Muster: Inkasso ja, Service nein

Die wiederkehrende Schlussfolgerung lautet, dass die Systeme zum Inkasso perfekt funktionieren. Benachrichtigungen schlagen fehl, Websites fallen aus, aber Pfändungen kommen pünktlich. Es wird kritisiert, dass Konten bis auf null gepfändet werden, sogar die letzten fünfzig Euro einer Siebzigjährigen, oder Renten von Senioren auf zwanzig oder dreißig Euro gekürzt werden, wenn sie den SMI (Salario Mínimo Interprofesional) überschreiten. Das sind Lumpen, heißt es sogar. Die Verwaltung findet dich, wann sie will, aber du findest sie nicht.

Carpeta Ciudadana: Sie wissen alles über dich, aber du kannst nichts tun

Die Carpeta Ciudadana verdient ein eigenes Kapitel. Darin sieht man alles: Wohnungen, Autos, Gehälter, Leistungen, medizinische Berichte, Vorstrafen, akademische Abschlüsse, Arbeitslosenanmeldungen. Die Verwaltung weiß sogar, welche Schuhe du trägst. Aber wenn du etwas brauchst, ist es nicht da. Das Design der Websites wird als archaisch, sehr schlecht, unintuitiv, kompliziert und sogar böswillig gestaltet beschrieben, damit man nicht findet, was man sucht, und die Herren Beamten nicht belästigt.

Die Erfahrung mit Correos und dem verschwundenen IBI

Ein konkreter Fall: Eine Reklamation bei Correos, weil Briefe Monate brauchten, zugestellt wurden, wann es ihnen passte, und im Sommer keine Zustellung stattfand. Die Antwort Wochen später: „Vielen Dank für Ihre Hinweise, sie helfen uns, den Dienst zu verbessern.“ Alles bleibt genau gleich. Ein anderer Fall: Ein verschwundener IBI. Immer domiciled und nirgends in Benachrichtigungen oder auf der Website sichtbar. Ob sie mir wohl das Haus weggenommen haben?

Die Grundsatzdebatte: Öffentlich oder privat?

Die Diskussion driftet in Richtung der Rolle des Staates. Einige behaupten, es sollte nichts Nicht-Essentielles öffentlich sein, außer Verteidigung und Justiz. Man fordert die Abschaffung öffentlicher Dienste und dass Beamte das erhaltene Geld mit Zinsen zurückzahlen. Dem gegenüber steht die Feststellung, dass in der allgemeinen Staatsverwaltung bereits Automatisierungen für repetitive Prozesse existieren und dass die IT-Kräfte nicht lange bestehen und jahrelang Stellen unbesetzt blieben. Nun möchte man die Entwicklung über die SGAD (Secretaría General de Administración Digital) zentralisieren und standardisieren.

Die Frage bleibt im Raum: Wenn der Staat ein Unternehmen wäre, wie lange würde es dauern, bis er bankrottgeht?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (180 Antworten).

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