Correos häuft 600 Millionen Schulden und 400 Millionen Verluste an
Das größte öffentliche Unternehmen des Landes steht am Rande der Insolvenz. Sein Präsident, Pedro Saura, erklärte: „Die Situation bei Correos ist kritisch. Ich habe kein öffentliches Unternehmen mit diesen Zahlen gesehen.“ Dieses Zitat, das in den Medien aufgegriffen wurde, fasst eine Bilanz zusammen, die Bankverbindlichkeiten von über 600 Millionen Euro mit einer geschätzten Verlusthöhe von rund 400 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024 mischt. Und dies alles paradoxerweise mitten im Zeitalter des E-Commerce, wenn in Spanien mehr Pakete als je zuvor umgeschlagen werden.
Die Daten sind verwirrend, denn das Postgeschäft sollte eigentlich florieren. Jeder Online-Kauf erzeugt einen Versand. Jede öffentliche Verwaltung kommuniziert per Einschreiben mit dem Bürger. Dennoch verliert das Unternehmen, das diesen Fluss steuert, Geld in einem Tempo, das kein privates Unternehmen durchhalten würde. Die unvermeidliche Frage: Wie kam es dazu?
600 Millionen Schulden und 400 Millionen Verluste: Zahlen, die nicht aufgehen
Die offizielle Diagnose zeigt ein öffentliches Unternehmen mit einem lukrativen Vertrag mit Amazon, einem Zustellsystem für den Online-Handel, das fast 90 % des spanischen Marktes abdeckt, sowie Gebäuden und Büros, die seit Jahrzehnten amortisiert sind. Mit diesem Startpunkt ist die technische Insolvenz schwer zu erklären. Manche argumentieren, dass nicht das öffentliche Eigentum das Problem sei, sondern das Management: Wären die Aktionäre staatlich, würden die Führungskräfte aber nach Kriterien eines privaten Unternehmens handeln, gäbe es das Loch nicht.
Kritiker der offiziellen Darstellung gehen weiter und sehen das Quasi-Monopol als strukturelle Ursache. Ein privates Unternehmen, das jährlich 400 Millionen verliert, schließt. Ein öffentliches wird jahrzehntelang mit Steuergeldern am Leben erhalten, was einen perversen Anreiz schafft: Je schlechter es funktioniert, desto mehr Ressourcen fordert es. Remar, im Jargon des Forums, bedeutet, diese Rechnung zu bezahlen.
Warum macht Correos trotz des E-Commerce-Booms Verluste?
Weil Volumen nicht in Effizienz umgesetzt wird. Der universelle Postdienst verpflichtet dazu, Filialen und Zustellungen in Gebieten aufrechtzuerhalten, in denen kein privates Unternehmen operieren würde. Diese Strukturkosten sind tragbar, wenn sie auf das Wesentliche beschränkt bleiben: Ein ländlicher Postdienst, der sich auf unterversorgte Gebiete konzentriert, würde ein jährliches Defizit von zehn Millionen nicht überschreiten. Das Problem sind die Giganten, die im Quasi-Monopolstatus große Unternehmen spielen wollen und Löcher in Höhe von Hunderten Millionen verursachen.
Hinzu kommt der Wettbewerb. Seur, GLS, DHL und andere private Anbieter haben den Markt für Expresszustellung mit einem agileren Modell übernommen: Benachrichtigung per Telefon, falls man nicht da ist, Abgabe vor der Tür auf Wunsch, erweiterte Öffnungszeiten. Correos hingegen behält Praktiken bei, die Nutzer als starr empfinden: samstags vormittags geschlossene Filialen, reduzierte Sommerzeiten und ein Schalter, der zum einzigen Abholpunkt wird, wenn die Zustellung scheitert.
Das Beamtentums-Paradox: Einstellungstests, Personal und Produktivität
Ein Detail, das oft im Lärm untergeht: Bei Correos gibt es seit Jahrzehnten keine Beamten mehr. Das Personal ist tarifvertraglich angestellt, nicht beamtet, obwohl die kollektive Vorstellung das Unternehmen immer noch mit dem Beamtentum verbindet. Dies hindert jedoch nicht daran, dass Einstellungsprüfungen sehr gefragt sind, mit Tausenden von Bewerbern, die bereit sind, zu bestehen, um eine Stelle zu sichern. Das Paradox ist offensichtlich: Während das Unternehmen ausblutet, verkürzt sich die Schlange für den Einstieg nicht.
Über die Produktivität kursieren schwer zu verifizierende Anekdoten. Ein ehemaliger Mitarbeiter ging um acht Uhr raus und kam um elf zurück, mit geteilten Diensten und freien Nachmittagen, und ging mit einer Rente von über 2.000 Euro in den Ruhestand. Die offizielle Berechnung der Versorgungsempfänger stuft einen gewöhnlichen Briefträger in Kategorie C2 ein, mit einer deutlich niedrigeren Rente. Die Kluft zwischen der Erzählung und der tatsächlichen Lohnabrechnung schürt die Kontroverse.
UGT und CC.OO. fordern Sozialdialog ohne Personalabbau
Die großen Gewerkschaften begrüßten Sauras Absicht, die vorherige Phase zu überwinden und den Sozialdialog wiederherzustellen, warnten jedoch davor, dass die Transformation des Unternehmens nicht durch abrupte Personalanpassungen erfolgen dürfe. Die Position der Gewerkschaften kollidiert mit der Dringlichkeit der Zahlen: Wenn das Unternehmen jährlich 400 Millionen verliert, muss jemand entscheiden, was gekürzt und was beibehalten wird.
Der mittlere Weg, den einige vorschlagen, besteht darin, den wesentlichen öffentlichen Dienst vom wettbewerbsintensiven Geschäft zu trennen. Ein minimales Netz für ländliche Gebiete mit tragbarem Defizit beibehalten und den Rest gleichberechtigt mit den Privaten konkurrieren lassen. Klingt vernünftig. Klingt auch nach etwas, dessen Verhandlung Jahre dauern würde, und Gläubiger haben selten diese Geduld.
Verkauf von Correos an Amazon: Die Idee, die als Provokation kursiert
Unter den Vorschlägen in der öffentlichen Diskussion befindet sich einer, der an Absurdität grenzt: Correos an Amazon verkaufen, damit dieses den Postdienst übernimmt, im Austausch gegen die Nutzung der Unternehmensressourcen für seine Logistik. Der Zweifel, der die Idee begleitet, ist, ob Amazon eine Gebühr an den Staat zahlen müsste oder ob umgekehrt der Staat Amazon dafür bezahlen würde, den Dienst zu übernehmen. Die Formulierung, halb scherzhaft gemeint, offenbart den Kern des Problems: Niemand weiß mehr, ob Correos ein Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit ist.
In der Zwischenzeit verkauft das Unternehmen weiterhin Produkte, die nichts mit Post zu tun haben. In einigen Filialen wurden Parfüms, Kugelschreiber, Süßigkeiten und Lernspielzeug mit perfekt ausgerichteten Etiketten gesichtet. Die Anekdote, von mehreren Kunden wiederholt, fasst die Entwicklung zusammen: Ein Postunternehmen, das versucht, ein Geschenkladen zu sein, um die Bilanz zu glätten.
Unsichere Zukunft des universellen Postdienstes in 2025
Die Unsicherheit konzentriert sich auf das kommende Jahr. Der rechtliche Rahmen des universellen Postdienstes, festgelegt in Artikel 22 des Postgesetzes, definiert die Bedingungen für den vom Staat benannten Betreiber. Wenn diese Exklusivität überprüft oder gebrochen wird, ändert sich das gesamte Spielfeld. Einige erwarten regulatorisches Chaos in 2025; andere glauben, dass sich nichts bewegen wird, weil niemand die politischen Kosten tragen will, einen jahrhundertealten Dienst zu zerlegen.
Das Ende dieser Geschichte ist noch nicht geschrieben. Correos hat 600 Millionen Schulden, 400 Millionen erwartete Verluste, einen Vertrag mit Amazon, ein Personal, das keine Beamten sind, auch wenn es so wirkt, und ein Filialnetz, das zum einzigen Kontaktort des Staates mit vielen Bürgern geworden ist. Mit diesen Zutaten ist jede Vorhersage riskant. Die einzige Sicherheit ist, dass jemand die Rechnung zahlen wird. Die Frage ist, ob es der Steuerzahler, der Nutzer oder beide sein werden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).