Spaniens Bar-España-Hoax vor Gericht nach 30 Jahren

Sechs Angeklagte stehen wegen der Verbreitung eines jahrzehntelangen falschen Missbrauchskomplexes im Bar España von Benicarló vor Gericht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Bar-España-Hoax vor Gericht nach 30 Jahren
Bar-España-Hoax landet fast 30 Jahre später vor Gericht

Fast drei Jahrzehnte Gerüchte, ungeprüfte Berichte und Verschwörungstheorien treffen am 16. Oktober bei der Strafkammer des Instanzgerichts Castellón ein. Sechs Personen sind beschuldigt, Verbrechen gegen die sarracena Integrität, Beleidigung und öffentliche Verleumdung begangen zu haben, indem sie seit mindestens 1998 behaupteten, dass im Bar España in Benicarló ein Pädophilie-Ring mit Politikern, Richtern, Unternehmern und Mitgliedern der Guardia Civil operiere. Der Herausgeber eines digitalen Mediums ist ebenfalls als zivilrechtlich Verantwortlicher angeklagt. Der Ring existierte nie. Das Gebäude der Bar steht jedoch noch immer im Baix Maestrat.

Was genau verhandelt wird und wer betroffen ist

Der Fall beginnt mit einer echten Anzeige: Ein Nachbar, Reinaldo Colás, behauptete, seine Töchter seien missbraucht worden. Diese Anschuldigung war falsch. Laut Anklage erweiterten Colás und ein weiterer Mann, Antonio Toscano, die Erzählung, um sie mit Machtfiguren zu verknüpfen. Der Kontext half dabei: Der Alcàsser-Fall hatte nur wenige Jahre zuvor die valencianische Gesellschaft nervös gemacht und das Gefühl erzeugt, jede Grausamkeit sei möglich.

Mehrere junge Menschen, die zunächst in Aufnahmen aussagten, missbraucht worden zu sein, widerriefen ihre Aussagen später und gaben zu, zum Lügen verleitet worden zu sein. Diese Wendung ist der Kern des Falls. Die mündliche Verhandlung dauert bis zum 26. Oktober über sechs Sitzungen an. Als Geschädigte treten Zeugen auf: der ehemalige Präsident der Generalitat Francisco Camps und der ehemalige Präsident der Provinzverwaltung Castellón Carlos Fabra, beide PP; die ehemalige Vizepräsidentin Mònica Oltra (Compromís) und die ehemalige Ministerin Gabriela Bravo (PSPV-PSOE).

Warum ein Neunziger-Hoax 30 Jahre hielt

Bevor es den Begriff Viralität gab, verbreitete sich die Geschichte wie ein Lauffeuer. Erst durch Mundpropaganda in Bars, Polizeistationen und Redaktionen. Dann im Internet, wo die Erzählung zu etwas Größerem mutierte: einem angeblichen Netzwerk aus aktiven Richtern, Geschäftsleuten, Beamten und Guardia-Civil-Mitgliedern. Die Verbreitung stützte sich nicht auf Beweise, sondern auf Wiederholung. Und Wiederholung wird in Zeiten sozialer Unruhen für viele zur Wahrheit.

Einige argumentieren, die Sache sei vorschnell abgeschlossen worden und die wahren Schuldigen des ursprünglichen Rings hätten nie gezahlt. Andere betonen, dass hier gerade der Schaden verhandelt werde, der durch unbewiesene Beschuldigungen namentlich genannter Personen entstanden sei, darunter Amtsträger und Richter. Laut Berichten glaubt die Staatsanwaltschaft dem Bedauern der Angeklagten nicht vollständig; diese beantragten die Verjährung und beriefen sich auf ihren Widerruf.

Namen im Gerichtssaal

Die Zeugenliste spiegelt das politische Spektrum Valencia der letzten Jahrzehnte wider. Camps, Fabra, Oltra und Bravo erscheinen als Opfer der Verleumdungen. Es ist ungewöhnlich, Figuren aus entgegengesetzten Lagern im selben Saal vereint zu sehen, alle aus demselben Grund: grundlos Ziel einer Geschichte geworden zu sein, die jahrelang in Foren, Pamphleten und digitalen Medien kursierte.

Der Prozess dreht sich nicht um Pädophilie. Er dreht sich darum, ob die Verbreiter dieser Geschichten dafür haften müssen. Die Paradoxie ist unbequem: Die angeblichen Täter des ursprünglichen Rings wurden laut dieser Darstellung nie verurteilt; jene, die ihn anzeigten, sitzen nun vor Gericht. Diese Asymmetrie schürt das Unbehagen der Öffentlichkeit, die darin eine verdrehte Gerechtigkeit sieht.

Der Hoax lebt im Internet weiter

Auch wenn der Prozess Verantwortlichkeiten klärt, verschwindet die Bar-España-Erzählung nicht. Sie zirkuliert weiterhin in Videos, YouTube-Kanälen und Accounts, die Numerologie, Symbolik und Verschwörungstheorien mischen. Der Rechtsfall kann einen Teil abschließen, aber nicht die Diskussion. Jedes Mal, wenn jemand gefundene Knochen oder angebliche Listen von Beteiligten erwähnt, gewinnt der Hoax neue Luft.

Der Prozess findet in der Ciutat de la Justícia in Castelló statt. Sechs Sitzungen vom 16. bis 26. Oktober. Sechs Angeklagte. Fast dreißig Jahre Gerüchte. Und eine Frage, die über dem Saal schwebt: Kann eine Lüge, die drei Jahrzehnte lang wiederholt wurde, einfach als Lüge behandelt werden?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (58 Antworten).

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