Montero nennt Freispruch von Alves eine Schande
Die erste Vizepräsidentin der spanischen Regierung und Finanzministerin, María Jesús Montero, bezeichnete den Freispruch des ehemaligen Fußballprofis Dani Alves als „Schande“. Sie vertrat die Ansicht, dass „das Zeugnis junger, mutiger Frauen, die sich entscheiden, Mächtige anzuzeigen“, Vorrang vor der Unschuldsvermutung habe. Diese Äußerung tätigte sie auf dem Provinzparteitag der PSOE in Jaén, nachdem der Oberste Gerichtshof Kataloniens (TSJC) die vierjährige Haftstrafe einstimmig aufgehoben hatte. Die Berufungskammer befand, dass die Schilderung der Klägerin nicht „glaubwürdig“ sei und „Lücken, Ungenauigkeiten, Widersprüche und Inkonsistenzen“ aufweise.
Das Urteil wurde von drei Richterinnen und einem Richter unterzeichnet. Dieses Detail, das bei anderen Fällen nur eine Fußnote wäre, wurde zum Kern der Kontroverse: Die Kritik der Regierung richtet sich nicht gegen ein beliebiges Gericht, sondern an eine überwiegend weiblich besetzte Kammer, die einen Prominenten freigesprochen hat. Damit wandelte sich die Angelegenheit von einem juristischen Fall zu einem politischen Machtkampf darüber, wer das Gesetz auslegt.
Was genau sagte Montero und was wird ihr vorgeworfen?
Die Vizepräsidentin fügte hinzu, dass „das Zeugnis eines Opfers immer noch infrage gestellt wird“, und zeigte ihre Solidarität mit der Klägerin: „Sie ist nicht allein, wir stehen hier an Ihrer Seite.“ Kalt gelesen ist dies eine Erklärung der Unterstützung für eine Person, die Anzeige erstattet. Juristisch interpretiert ist es jedoch die These, dass eine Aussage allein für eine Verurteilung ausreicht. Der Unterschied zwischen diesen beiden Lesarten ist buchstäblich der Rechtsstaat.
Verbände von Richtern und Staatsanwälten reagierten geschlossen. Ihr Argument, wie es von nationalen Medien aufgegriffen wurde, lautet, dass „es wesentlich ist, dass öffentliche Vertreter die Arbeit der Richter respektieren“ und dass Urteile „nach einer umfassenden Analyse der vorgelegten Beweise und gemäß der geltenden Gesetzgebung gefällt werden“. Es geht nicht um Sensibilität, sondern um Gewaltenteilung.
Die PSOE versuchte, den Ton zu dämpfen. Parteiquellen schrieben Monteros Worte der „Ohnmacht“ angesichts des Urteils zu und räumten ein, dass man es beim nächsten Mal „besser erklären könnte“. Übersetzt heißt das: Man nimmt die Aussagen nicht zurück, erkennt aber den entstandenen Wirbel an. Ohnmacht ist ein seltsames Wort, um jemanden zu beschreiben, der das Finanzministerium kontrolliert.
Warum ist der Fall Alves zu einem politischen Machtkampf geworden?
Der TSJC hob die Verurteilung auf und ließ den Brasilianer frei, nachdem dieser mehrere Monate in Untersuchungshaft wegen des Vorwurfs der sens Nötigung im Club Sutton in Barcelona im Jahr 2022 verbracht hatte. Die Kammer sprach ihn nicht aufgrund eines technischen Formalfehlers frei: Sie prüfte die Aussage inhaltlich und befand sie für unzureichend. Dies ist der Punkt, der unbequem ist, da er die Erzählung widerlegt, der Freispruch beruhe auf reinem Legalismus.
In der härtesten circulating Analyse ist die Offensive gegen die Richter kein Zufall. Es wird behauptet, die Regierung greife die Justiz an, weil sie einer der wenigen Gegenkräfte sei, die ihr Widerstand leisten, und dass deren Diskreditierung Teil einer breiteren Strategie sei. Dies ist eine Hypothese, keine bewiesene Tatsache, aber sie erklärt, warum ein Fall sens Gewalt plötzlich in Begriffen der institutionellen Architektur diskutiert wird.
Die andere Strömung, die die Vizepräsidentin verteidigt, geht von einer anderen Prämisse aus: Dass Anzeigen von Frauen gegen mächtige Männer selten vor Gericht kommen und dass richterliche Skepsis wie eine zweite Bestrafung wirkt. Das ist eine legitime Debatte. Das Problem liegt darin, wo sie geführt wird: auf einer Parteiveranstaltung, nicht an einer juristischen Fakultät.
Der Präzedenzfall, den niemand nennen will
Der Vergleich, der im Raum steht, ist das sogenannte „Nur Ja ist Ja“-Gesetz, dessen Anwendung zu Entlassungen aus dem Gefängnis und Strafmilderungen führte, die die Regierung später korrigieren musste. Dieser Episode lehrte etwas Unbequemes: Gesetzgebung basierend auf Slogans hat messbare Konsequenzen in konkreten Urteilen. Nun lautet der Slogan, dass das Wort der Frau Vorrang hat. Die offensichtliche Frage ist, was passiert, wenn dieses Wort für ein Gericht nicht ausreicht.
Ein Szenario wird in den ätzendsten Analysen mit Galgenhumor thematisiert: Wenn das Kriterium ist, dass eine Anzeige einer Verurteilung gleichkommt, müsste jede Anzeige gegen einen Amtsträger ausreichen. Niemand treibt das Argument bis zum Ende, denn es zerstört sich selbst. Aber es dient dazu, die Tragweite der gemachten Aussagen zu messen.
Es bleibt der Oberste Gerichtshof. Wenn er den Freispruch bestätigt, muss die Exekutive entscheiden, ob sie am Rahmen festhält, dass die Justiz patriarchalisch sei, wenn das Urteil von drei Frauen unterzeichnet wird. Wenn er es aufhebt, war die Kritik an den Richtern nicht nur unnötig, sondern auch verfrüht. In beiden Fällen wird die Unschuldsvermutung dort bleiben, wo sie hingehört: in der Verfassung, nicht auf einer Parteiveranstaltung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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