Spaniens Akademiker: Die neue Unterschicht ohne Mittelstand

In Spanien bilden Hochschulabsolventen die neue untere Klasse. Immobilienblase und Massenuniversität führen zu niedrigen Löhnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Akademiker ohne Zukunft: So entsteht die Klasse der Universitäts-Arbeiter

Die Mittelschicht ist tot, und ihre ersten Totengräber sind die Hochschulabsolventen. Diese These wird in unkonventionellen wirtschaftlichen Analysen hart formuliert: Die Kombination aus Hypothek und perversos Gehältern hat eine neue soziale Schicht geschaffen – den akademischen Arbeiter. Dies ist kein Symptom, sondern die Struktur.

Das Ende der Mittelschicht durch Wohnraum

Die Immobilienblase trieb nicht nur die Preise hoch; sie definierte die Klassenzugehörigkeit neu. Ein Kreditnehmer gehört laut Analysten nicht zur Mittelschicht, sondern ist ein Schuldner, der für die Bank arbeitet. Und die Akademiker mit ihren Abschlüssen sind nun die billigste und am besten ausgebildete Arbeitskraft auf dem Markt. Während die Elterngeneration – zwischen 45 und 65 Jahre alt, ohne Studium, mit 4.000 Euro Einkommen und wenigen Stunden Arbeit – an einem geerbten Status festhält, schuften 30-jährige Ingenieure für knapp über 1.000 Euro. Das Paradoxon ist perfekt: Mehr Qualifikation, weniger Kaufkraft.

Massenuniversitäten als Fabriken für billige Arbeitskräfte

Die Diagnose wiederholt sich: Die Universität ist zu einer «Melkkuh» geworden, die unkontrolliert Titel verleiht. Studiengänge wie Philologie oder Rechtswissenschaften sind gesättigt, während Ingenieurwissenschaften leerlaufen, weil es sich «nicht lohnt». Aber selbst Ingenieure, die Arbeit finden – ein Bruttogehalt von 24.000 Euro jährlich gilt als «angemessen» – stoßen auf eine Realität: Spanische Unternehmen fragen keine Hochqualifizierten nach. Ein MIT-Ingenieur cum laude ist dort genauso nützlich wie ein Oracle-Kurs: wenig. «In Spanien passiert nichts dergleichen», klagt eine Analyse, die unter Enttäuschten kursiert.

Das System belohnt akademische Schludrigkeit

Anekdoten häufen sich. Professoren, deren Skripte auf Ausschnitten aus El País basieren, «María-Fächer» wie Tischtennis, die als Credits anerkannt werden, Lehrpläne, die anderen Studiengängen nachgeahmt sind, und ein «Trichter», der Studenten zurückhält, um Zweitgebühren zu kassieren. «Null Probleme beim Einstieg, alle beim Abschluss.» Das Universitätssystem fungiert fernab eines sozialen Aufstiegshebers eher als Einkommensfilter. Und wer herauskommt, tut dies mit einem Titel, den der Markt wie ein nasses Papier behandelt.

Wohin führt das?

Die damals angekündigte Krise – der Text entstand vor dem Crash von 2008 – hat sich mehr als erfüllt. Die Blase platzte, die Löhne erholten sich nicht, und die Prekarität festigte sich. Doch die offizielle Erzählung gibt weiterhin jungen Menschen die Schuld, sich nicht genug anzustrengen. Wer die Daten analysiert, weiß, dass das Problem nicht im Angebot liegt, sondern in der Nachfrage. Solange die spanische Wirtschaft billige Arbeitskräfte braucht, um Hypotheken zu bedienen, werden akademische Titel weiter im Wert fallen. Und die neue soziale Klasse, die der Akademiker-Arbeiter, wird nur noch wachsen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (232 Antworten).

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