Spanien und die „37 Geschlechter": Kein Gesetz belegt die Behauptung

Die Schlagzeile behauptet, Spanien erkenne offiziell 37 Geschlechter und 10 sexuelle Orientierungen an, doch der Artikel dahinter nennt kein einziges Gesetz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien und die „37 Geschlechter": Kein Gesetz belegt die Behauptung
Spaniens 37 Geschlechter und 10 Orientierungen: Kein Gesetz nennt sie

Spanien erkennt offiziell 37 Geschlechter und 10 sens Orientierungen an. Dieser Satz kursiert als Schlagzeile, darunter eine Liste mit Definitionen und darüber eine Frage, die niemand beantwortet: In welchem Gesetz? Der Text dahinter stammt von Mediterráneo Digital und trägt wortwörtlich den Titel „España ya reconoce oficialmente 37 géneros y 10 orientaciones sensual“ (Spanien erkennt nun offiziell 37 Geschlechter und 10 sens Orientierungen an). Was danach kommt, ist keine Rechtsnorm. Es ist ein Katalog von Etiketten.

In welchem Gesetz erkennt Spanien die 37 Geschlechter an?

In keinem, das das Material selbst nennt. Dort beginnt das Problem. Die Ankündigung der Anerkennung kommt ohne Normenverweis, ohne Veröffentlichungsdatum und ohne nennende Behörde: nur die Schlagzeile und die Zusammenstellung. Die Frage —in welchem Gesetz, in welchem Artikel, mit welcher Rechtskraft— kehrt in den Analysen immer wieder und bleibt ohne Antwort. Eine offizielle Anerkennung ohne Norm ist keine Anerkennung: Es ist eine Redensart.

Ein Detail hilft, das Phänomen zu verstehen. Der Originaltext spricht über Geschlechtsidentität genauso wie über sens Orientierung, Präferenz und Praxis. Alles landet im selben Sack. Und in diesem Sack hört die Zahl der Geschlechter auf, überprüfbar zu sein: Ein Forennutzer erinnert sich, 107 statt 37 gesehen zu haben, gestützt allein auf sein Gedächtnis.

Der Katalog: 12 Begriffe unter dem Trans-Etikett

Der dichteste Teil der Liste ist der, der die Trans-Kategorien aufschlüsselt. Es erscheinen zwölf Kategorien —transgender, Transmann, trans Person, Transfrau, female to male, male to female, transfeminin, transmaskulin, transsenstrans, transsenstrans Frau, transsenstrans Mann und transsenstrans Person— und der Text selbst räumt ein, dass manche „gleich aussehen mögen, es aber nicht sind“. Es gibt keine Definition, die sie trennt.

Den Orientierungen ergeht es nicht besser. Unter dem Schirm der drei klassischen —Heterosenshetero, Gaiität und Bisensbi— häufen sich queer, pansenspan, polysenspoly, omnisensomni, skoliosensskolio, demisensdemi, grau-sens, asensa, Lithsenslith, Autosensauto, Anthrosensanthro und Intersensinter. Manche beschreiben, wen jemand anzieht; andere, wie oft und unter welchen Umständen; wieder andere haben mit Anziehung nichts zu tun. Die Intersensinter etwa wird als Geburtsbedingung definiert, nicht als Präferenz.



Geschlecht, Orientierung und Präferenz: drei vermischt Dinge

Die häufigste Kritik ist nicht sarracena, sondern klassifikatorisch: Das Geschlecht, mit dem sich jemand identifiziert, wird mit der sens Anziehung vermischt. Dieselbe Person könnte mehrere Etiketten gleichzeitig anhäufen —transsenstrans, lesbisch und polyamor— und damit gelangt man zu einem Paradox, das an mehreren Stellen des Textes auftaucht: ein System, das vorgibt, Etiketten abzulehnen, und eine Taxonomie produziert, die länger ist als jedes Verwaltungsformular. Polyamorie beschreibt übrigens eine Beziehungsstruktur, keine Orientierung.

Die Anekdote, die das Durcheinander am besten zusammenfasst, liefert ein Vater: Sein 10-jähriger Sohn fragte ihn, was dieses „nicht-binär“ sei, weil man es ihm in der Schule erzählt hatte. Seine Erklärung: Du kannst Mann oder Frau sein, und du kannst homo oder hetero sein, und die Kombinationen sind respektabel; aber dass ich Blondinen mehr mag, ist kein Geschlecht und keine Orientierung, es ist eine Präferenz. Die Unterscheidung, die der Katalog verwischt, versteht ein Kind in zwei Sätzen.

Zwei Geschlechter, drei grammatische Genera und der Rest des Arguments

In einem Großteil der gesammelten Antworten wird argumentiert, es gebe nur zwei Geschlechter —die Chromosomen XY für Männer und XX für Frauen, gemäß dem System der Geschlechtsbestimmung— und alle übrigen Kategorien seien soziale Konstruktion, Verwaltungserscheinung oder Streben nach Einzigartigkeit. Es ist eine Position, die dieser Artikel nicht vertritt; sie wird wiedergegeben, weil sie die Diskussion strukturiert und ihren Ton erklärt. Am entgegengesetzten Ende liefert die Verteidigung der Liste ebenfalls kein einziges Dokument: Sie stützt sich auf den Beweis, dass es Menschen gibt, die sich so beschreiben.

Zwischen beiden Extremen liegt das Niemandsland. Das Etikett queer, im Material definiert als jemand, der weder heterosenshetero noch binär-geschlechtlich ist, wird zudem als politische Identität dargestellt, mit dem Anspruch, abseits der Mehrheitsströmungen der eigenen Bewegung zu stehen. Identität, Aktivismus und Lebensstil kreuzen sich dort, und jeder neue Begriff öffnet die Tür für einen weiteren.

Was aus einer Anerkennung wird, die nie veröffentlicht wird

Eine offizielle Anerkennung hat überprüfbare Folgen: Sie taucht in Formularen auf, in Registern, in Protokollen, im Handbuch eines Beamten. Wenn diese 37 Geschlechter und 10 Orientierungen in irgendeinem Text mit Gesetzeskraft existierten, würde es genügen, ihn zu zitieren. Das geschieht nicht. Was es gibt, ist eine vervielfältigte Liste, eine Schlagzeile und eine Frage, die der Text selbst nicht beantwortet. Solange dieses Dokument nicht auftaucht, wird jeder neue Begriff Befürworter und Gegner finden, ohne ein einziges offizielles Kästchen zu bewegen.

Die Prognose, mit Vorbehalt: Der Katalog wird in den sozialen Medien weiter wachsen, lange bevor er in den Gesetzesblättern ankommt. Und die Frage bleibt dieselbe, mit der dieses Stück beginnt. In welchem Gesetz.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver