Santiago: 475 € im Monat für eine Wohnung mit Ratten, Termiten und Feuchtigkeit
Eine Wohnung in Santiago de Compostela mit Termiten, Feuchtigkeit und Ratten ist zum Symbol für etwas geworden, das über die bloße Nachlässigkeit eines Vermieters hinausgeht. Sie wird für etwa 475 € im Monat vermietet, und die Mieter, Studenten, mussten bei Einzug feststellen, dass die Warnung des Eigentümers – „sie ist optisch nicht auf ihrem besten Stand, aber ihr werdet keine Probleme beim Wohnen haben“ – ein massives Euphemismus war. „Wenn man mit der Hand an die Wand geht, bleibt sie klatschnass“, beschreibt einer von ihnen. In der Wohnung gibt es keine Zentralheizung, nur Heizstrahler.
Die Anekdote, die in Universitätsnetzwerken viral ging, ist längst kein bloßer Vorfall mehr. Es wird nicht darüber diskutiert, ob diese spezifische Wohnung unbewohnbar ist, sondern wie viele vergleichbare Objekte den Mietmarkt in einer Universitätsstadt stützen, ohne dass jemand einschreitet. Und im Hintergrund steht die spaltende Frage: Ist das Gier, ist das Mangel, oder ist das das Ergebnis, wenn der Staat die Ästhetik reguliert, aber die Bewohnbarkeit dereguliert?
In welchem Zustand ist die Wohnung in Santiago?
Der Bericht der Mieter ist detailliert und wenig ermutigend. Wände, die die Hand befeuchten, rissige Fenster, durch die die Kälte dringt, das Fehlen einer festen Heizung und ein altes Gebäude, in dem Termiten, Feuchtigkeit und Ratten zusammenleben. Ein Student erinnert sich, dass ihm in früheren Semestern ein Zimmer mit nur drei Wänden angeboten wurde: die vierte war ein Vorhang, was die Vermieterin jedoch leugnete. Ein anderer berichtet von rissigen Fenstern und Kälte in der Wohnung.
Der Betroffene selbst nimmt die Sache mit einem Satz, der schmerzhafter ist als jede Anzeige: „Man weiß, dass es bei 200 € möglich ist, dass die Wohnung etwas Feuchtigkeit hat, aber das sollte nicht der Normalzustand sein.“ Resignation ist die Norm. Und ein Detail, das die Viralität erklärt: In den studentischen Fachschaftsgruppen heißt es, die Situation werde als Spiegel des Alltags gefeiert, nicht als Ausnahme.
Wie viel zahlt man wirklich für diese Wohnung?
Hier muss man genau hinsehen, denn die Schlagzeile zerbricht bei genauerer Rechnung. Die deklarierte Miete liegt bei etwa 475 € monatlich, was bei drei Mietern etwa 158 € pro Kopf entspricht; inklusive Nebenkosten liegt der Betrag, den die Betroffenen angeben, bei fast 200 € pro Person. Das heißt, der Eigentümer verdient keine reinen 600 €: Die Nebenkosten werden vom Vermieter nicht separat berechnet, obwohl der Mieter sie mit derselben Überweisung bezahlt.
Diese Nuance ist wichtig, weil sie zwei Narrative gleichzeitig entlarvt. Es ist weder ein klassischer Immobilien-Scam noch ein freier Marktpreis im strengen Sinne. Es ist ein baufälliges Loch zum Preis eines baufälligen Lochs in einer Stadt, in der die Alternative schlimmer ist. Und wenn ein schlechtes Produkt sich verkauft, verschwindet der Anreiz, es zu verbessern.
Das Argument des Vermieters: Renovierung lohnt sich nicht
Die am häufigsten gehörte Verteidigung des Eigentümers ist nicht, dass die Wohnung in gutem Zustand sei, sondern dass eine Reparatur unmöglich sei, ohne bankrott zu gehen. Das Gebäude ist jahrhundertealt, aus Stein und Holz, und die Denkmalschutzvorschriften (normativa patrimonial) verpflichten zu einer Rekonstruktion mit traditionellen Materialien: Holzbalken, Ziegeldächer, ein Restaurierungsprojekt nach dem Stil vor einem Jahrhundert. Ein Budget, das man selbst in Jahrzehnten nicht wieder einspielen würde bei einer Miete von 475 €.
Die logische Alternative – Abriss und Bau moderner Wohnungen – kollidiert mit dem städtebaulichen Schutz der Zone nahe dem Verkehrsknotenpunkt. Daraus ergibt sich das am häufigsten genannte Argument: Wenn der Boden nicht verdichtet werden kann und die Altstadt nicht angefasst werden darf, friert das Angebot ein und der alte Bestand wird so vermietet, wie er ist. Die Schlussfolgerung, die einige ziehen, ist unbequem: Das Problem ist nicht der Vermieter, sondern der Rahmen, der Renovierung in den Ruin und Abriss in ein Verbrechen verwandelt.
Wer ist schuld: der Eigentümer, der Mieter oder die Vorschrift?
Auch Vorwürfe gegen die Mieter werden laut erhoben: Wenn niemand unterschreiben würde, müsste der Vermieter renovieren oder verkaufen. Es ist das Argument der Verantwortung derer, die akzeptieren. Die Gegenseite entgegnet, dass wer kein Geld hat, sich den Luxus, eine Unterkunft abzulehnen, nicht leisten kann, und dass in Santiago der studentische Mietmarkt von Ferienwohnungen übernommen wurde, die die Einheimischen aus dem Markt drängen.
In der Mitte bleibt der administrative Weg: Wenn eine Wohnung die Bedingungen der Bewohnbarkeit nicht erfüllt, sollte die Stadtverwaltung ihre Vermietung nicht zulassen. Es wird angemerkt, dass sie wahrscheinlich alle Papiere in Ordnung hat, weil niemand etwas kontrolliert. Und eine Warnung, die man im Hinterkopf behalten sollte: Es gibt Leute, die daran erinnern, dass jede Wohnung Mindeststandards erfüllen muss und dass Vermieter, die das Gesetz umgehen, später weinen, wenn die Mieter es auch tun.
Der Kontext, den niemand bestreitet: Preise und Vergleiche
Der internationale Vergleich dient der Einordnung, nicht dem Trost. Wer in Nordeuropa gemietet hat, beschreibt ein anderes Gleichgewicht: Der Mieter zahlt einen angemessenen Preis, pflegt das Haus und der Vermieter erhält die Immobilie. In Spanien hingegen, so heißt es, gibt es eine Fülle von Spekulanten, die das, was sie anhäufen, nicht erhalten. In Südamerika, berichten sie, warnt der Vermieter, dass die Wohnung „etwas angeschlagen“ ist, und senkt den Preis; hier wird eine schlechte Wohnung mit Preisaufschlag angeboten.
Es gibt auch ein historisches Gedächtnis der studentischen Miete: 1983 kostete ein viertes Stockwerk ohne Aufzug in der Diagonal von Barcelona, über einer Meeresfrüchte-Restaurant, mit Fischgeruch und defekten Leitungen, 12.000 Pesetas im Monat unter vier Personen, etwa 3.000 pro Kopf. 2012 zahlte man für eine feuchte Dachkammer in Santiago 110 €. Die Serie lädt nicht zum Optimismus ein.
Was man tun kann und was getan wird
Die Lösungsansätze prallen hart aufeinander. Die einen fordern staatliches Eingreifen, Grenzen für Hochdruckgebiete (zonas tensionadas) und effektive Kontrollen der Bewohnbarkeit. Andere antworten, dass ein Eingreifen in den Markt das Angebot nur verringert und das Ergebnis mehr baufällige Wohnungen sind, nicht weniger. Und ein dritter Weg, der für alle am unbequemsten ist: Die Lösung liegt nicht darin, den Preis einer schlechten Wohnung zu regulieren, sondern den Bau von guten Wohnungen zu ermöglichen.
In der Zwischenzeit bleibt die Wohnung vermietet. Die Studenten studieren weiter. Und die Frage, die über diesem Fall schwebt, ist nicht, wie viel es kostet, ein jahrhundertealtes Gebäude zu renovieren, sondern wie viele jahrhundertealte Gebäude wie dieses den Mietmarkt in weiten Teilen Spaniens am Laufen halten, ohne dass eine einzige Behörde jemals an die Tür geklopft hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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