Spanien widerstand Rom 200 Jahre, Gallien fiel in zehn

Spanien hielt Rom zwei Jahrhunderte stand, während Gallien in zehn Jahren fiel. Ein Faktencheck widerlegt den Mythos der ewigen Unterwerfung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien widerstand Rom 200 Jahre, Gallien fiel in zehn
Rom brauchte 200 Jahre für Hispania; Gallien fiel in zehn

Um Hispania zu bezwingen, benötigte Rom fast zwei Jahrhunderte, verlor mehrere Armeen und sah sich mit Widerstandsakten wie Numancia konfrontiert. Für Gallien genügte Julius Cäsar ein Jahrzehnt. Dieser Vergleich steht im Zentrum einer Debatte darüber, ob das spanische Volk stets leicht zu erobern war. Die historischen Daten stützen diese einfache These nicht: Die Eroberung war kein Spaziergang, und die Besatzung dauerte nicht so lange wie oft angenommen.

Der Ausgangspunkt war eindeutig: Das Land als schwächste bekannte Nation, unfähig, seine Grenzen zu verteidigen, unterworfen von Römern, Westgoten, Arabern und Franzosen. Die Antwort kam in Form einer Chronologie.

Wie lange brauchte Rom für die Eroberung Spaniens?

Die römische Eroberung der Halbinsel zog sich intermittierend über etwa 200 Jahre hin und umfasste bemerkenswerte Niederlagen der Legionen, die immer wieder Verstärkungen erforderten. Der Kontrast zu anderen Gebieten ist das Kernargument: Cäsar schloss Gallien in zehn Jahren ab, und Britannien wurde in ähnlicher Zeit überwunden. Auf der Iberischen Halbinsel hinterließ der Widerstand Episoden wie Numancia und die Figur des Viriathus, eine unverzichtbare Referenz bei der Diskussion über Rom in Hispania. Die Legionen fanden hier kein weiches Terrain vor, sondern einen langen und teuren Krieg.

Diskutiert wird nicht, ob Rom am Ende siegte – das tat es –, sondern zu welchem Preis und in welcher Zeitspanne. Der Unterschied von Jahrzehnten passt nicht zur Erzählung einer sofortigen Kapitulation. Derselbe Maßstab gilt auch für andere Völker: Die Römer beherrschten ebenfalls Britannien, ohne dass dies genutzt wird, um die Briten als unterwürfiges Volk zu definieren.

Westgoten und Mauren: Von 711 bis 1492 und ihre Nuancen

Ein weiterer Punkt der Debatte betrifft die Rolle der Westgoten. Sie wären nicht als fremde Eindringlinge gekommen, sondern als Teil der zerfallenden spätrömischen Armee gewesen, was den gesamten Kontext verändert. Bei den Mauren (muslimische Eroberer) ist die Chronologie eindeutig: Sie kamen 711, ihre Präsenz endete 1492. Der Zusatz besteht darin, dass sie nach der anfänglichen Besetzung kontinuierlich Boden verloren und die christlichen Enklaven im Norden nie vollständig unterwerfen konnten.

Die Interpretationen divergieren stark regarding die Rolle jeder Akteurs. Einige argumentieren, dass der Vormarsch im Norden und in den Pyrenäen gestoppt wurde und der Süden sich danach als getrenntes Territorium organisierte. Die Rechnung wird kompliziert – von 711 bis 1492 gibt es Raum für verschiedene Zählweisen – und genau hier wählen die Parteien aus, welche Jahrhunderte sie zählen.

Warum Bailén ein Wendepunkt war

Mit Napoleon wird die Erzählung konkreter. Die erste große Niederlage des Kaisers in Spanien fand bei Bailén statt, wobei betont wird, dass dort keine britischen Truppen involviert waren: Es war eine rein spanische Angelegenheit. Die französische Besatzung dauerte acht Jahre, eine Periode, in der laut den verglichenen Zahlen massive Zerstörung und eine Sterblichkeit von bis zu einer Million Menschen stattfanden.

Über die Rolle der Alliierten herrscht Uneinigkeit. Eine Seite erinnert daran, dass ohne den britischen Druck und vor allem den Russlandfeldzug die Franzosen nicht abgezogen wären; die andere Seite entgegnet, dass die spanische Guerilla der entscheidende Faktor war und der Kaiser selbst seinen Fehler eingestanden habe, auf die Halbinsel einzumarschieren. Manche weisen sogar darauf hin, dass Napoleon nur wenige Wochen in Spanien verbrachte und in dieser Zeit alles besiegte, was ihm entgegenkam, bis die einzige Option die Einschiffung war. Der Krieg war kein militärischer Spaziergang mehr, sondern eine permanente Blutung, die ständig Truppen an diese Front band.

Lepanto, Wien und der Stopp des osmanischen Vormarschs

Die Liste beschränkt sich nicht auf die Halbinsel. Es werden Episoden genannt, in denen die spanische Infanterie entscheidendes Gewicht hatte: Lepanto, die Verteidigung Maltas, die Entsetzung Wiens während der osmanischen Belagerung sowie Aktionen wie Castelnuovo oder das sogenannte Wunder von Empel. Die Grundthese lautet, dass der osmanische Vormarsch nach Mitteleuropa auf diese Truppenkontingente traf und dass die Karte ohne sie ganz anders ausgesehen hätte.

Und es gibt einen wiederkehrenden Gegenpunkt: Großbritannien wurde von Römern, Angeln, Sachsen, Dänen und Normannen erobert, ohne dass dies genutzt wird, um das Land als schwach zu definieren. Genau dieselbe Messlatte für alle Seiten anzulegen, ist das, was gefordert wird.

Was von jenem Spanien übrig blieb

Der letzte Aspekt ist identitär. Es wird vertreten, dass Spanien seit der römischen Epoche staatliche Kontinuität bewahrt hat und dass Kastilisch die zweitgrößte Muttersprache der Welt nach Sprecherzahl ist, direkt hinter Mandarin-Chinesisch. Dem gegenüber steht die unerschütterliche Gegenposition: Ein Land, das sich spät und schlecht erholt hat, von Verbündeten abhängig war und heute seine Verteidigung supranationalen Strukturen überlässt.

Jede Seite wählt ihre bevorzugten Daten aus. Die einen zählen Jahrhunderte, die anderen Niederlagen. Was die Chronologie allein zeigt, ist, dass keine der beiden Listen vollständig ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (175 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver