Spanien verhaftet prorussischen Blogger in Tarragona

Die Policía Nacional hat den Blogger Anatoli Sharí in Tarragona festgenommen. Die Ukraine wirft ihm Landesverrat vor.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien verhaftet prorussischen Blogger in Tarragona

Die Policía Nacional (Nationale Polizei) hat in Tarragona Anatoli Sharí festgenommen, einen YouTuber und Blogger ukrainischer Herkunft, der seit 2019 in Spanien lebte. Die Verhaftung erfolgte aufgrund einer von den ukrainischen Behörden erhobenen Anklage wegen Verrats. Sie werfen ihm vor, Desinformation im Sinne Russlands zu verbreiten. Von elDiario.es zitierte Polizeiquellen berichten, dass er dem Richter vorgeführt wird. Der Fall hat die Debatte über die Grenzen der Meinungsfreiheit und die justizielle Zusammenarbeit mit einem kriegsführenden Land außerhalb der EU neu entfacht.

Was ihm vorgeworfen wird und warum die Festnahme in Spanien erfolgt

Laut der ukrainischen Anklage soll Sharí illegale Aktivitäten zum Nachteil der nationalen Sicherheit der Ukraine im Informationsbereich durchgeführt haben. Die Ermittlungen gehen davon aus, dass er Desinformation im Dienste Russlands verbreitet. Die Festnahme in Tarragona ist Teil der internationalen Rechtshilfe, obwohl das Ausmaß des Haftbefehls oder ein formelles Auslieferungsersuchen nicht näher spezifiziert wurden.

Die Verhaftung löste eine Welle von Reaktionen aus. Einige Analysen sehen darin eine ideologische Verfolgung und bezeichnen den Blogger als politischen Gegner der Regierung von Wolodymyr Selenskyj. Andere erinnern daran, dass die Ukraine sich im Krieg befindet und ihre Gesetzgebung den Tatbestand des Verrats weit fasst. Der Knackpunkt liegt darin, ob Spanien als Vollstrecker einer ausländischen Justiz agieren sollte, die keine vergleichbaren Garantien wie die europäischen bietet.

Der Präzedenzfall, den niemand wiederholen will: Puigdemont und die gescheiterte Auslieferung

Der Vergleich mit dem Fall Carles Puigdemont wurde häufig gezogen. Es wird argumentiert, dass Belgien und Deutschland seine Auslieferung ablehnten, weil die Straftatbestände nicht vollständig in ihre Strafgesetzbücher passten. Dem wird entgegengehalten, dass Spanien nun einen Blogger aufgrund eines Verratsvorwurfs aus einem kriegsführenden Land festnimmt. Diese Asymmetrie offenbart laut dieser Lesart einen doppelten Standard.

Dies ist nicht der einzige Kontrast, der zur Sprache kam. Auch wurde daran erinnert, dass Spanien Auslieferungen bei schweren Straftaten abgelehnt hat und dass Personen mit laufenden Verfahren im Ausland leben, ohne ausgeliefert zu werden. Die aufkommende Frage lautet, warum dieser Fall mit einer Dringlichkeit bearbeitet wird, die bei anderen Fällen nicht angewandt wird.

Was das ukrainische Gesetz über Verrat in Kriegszeiten besagt

Das ukrainische Recht bestraft Verrat unter erschwerten Bedingungen durch den Kriegszustand. Die Anklage stützt sich auf die Verbreitung von Botschaften, die nach Ansicht der Ermittler die nationale Sicherheit gefährden. Es wurde nicht spezifiziert, ob es eine Vorverurteilung gibt oder ob die Strafe lebenslange Haft umfassen könnte. Die spanische Regierung hat nicht klargestellt, ob sie die Auslieferung genehmigen wird und unter welchen Bedingungen.

Die juristische Debatte wird dadurch erschwert, dass die Ukraine kein Mitglied der Europäischen Union ist und der Europäische Haftbefehl nicht anwendbar ist. Jede Übergabe würde einem bilateralen Vertrag und dem Grundsatz der beidseitigen Strafbarkeit unterliegen. Die Verteidigung von Sharí könnte politische Motive geltend machen, was zu einem langen Verfahren führen würde.

Meinungsfreiheit als selektives Argument

Eine Mehrheit der Analysen vertritt die Ansicht, dass die Festnahme ein weiterer Schritt zur Einschränkung grundlegender Rechte ist. Lockdowns, Impfpflicht und die Zensur von Medien wie RT werden zitiert, um eine autoritäre Entwicklung zu zeichnen. Die Ironie besteht darin, dass viele, die jetzt die Meinungsfreiheit beschwören, diese weniger enthusiastisch verteidigten, wenn andere betroffen waren.

Der Fall diente auch dazu, daran zu erinnern, dass die Meinungsfreiheit in keinem Rechtsstaat absolut ist. Der Unterschied liegt darin, wer die Grenzen definiert. Wenn die Grenzen von einem kriegsführenden Land gesetzt werden, schrumpft der Spielraum fast bis zur Unbedeutendheit.



Mit diesen Voraussetzungen wird der Fall Sharí zu einem Test für die spanische Justiz. Der Ball liegt beim Richter. Und währenddessen erklärt die offizielle Darstellung weiterhin nicht, warum einige Straftaten mit Dringlichkeit verfolgt werden und andere in der Schublade vergammeln.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (170 Antworten).

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