Spanien und die Wissenschaft: Die Rückständigkeits-Erzählung, die nicht aufgeht
Die Schule von Salamanca formulierte die Quantitätstheorie des Geldes zwölf Jahre vor dem Franzosen Jean Bodin. Der gregorianische Kalender wurde, so die Behauptung in der Diskussion, mit Messungen erstellt, die in Salamanca durchgeführt wurden. Und doch hat die Frage, die diese Diskussion eröffnet — warum Spanien scheinbar weniger zum Wissen beiträgt als Franzosen, Deutsche oder Engländer — noch immer Substanz. Die hier vertretene Antwort: Das Problem ist nicht die Fähigkeit, es ist das 19. Jahrhundert.
Ausgangspunkt ist eine Intuition, die viele teilen: Auf jeden spanischen Beitrag zur Physik oder Chemie kommen zwanzig von irgendeinem europäischen Nachbarn mit ähnlicher Bevölkerungszahl. Die einfache Diagnose verweist auf den Nationalcharakter oder gleich auf die Rasse. Die hier vorgeschlagene Diagnose verweist auf die politische Ökonomie der Forschung.
Die Universität Salamanca und die Quantitätstheorie des Geldes
Bevor Adam Smith 1776 Der Wohlstand der Nationen veröffentlichte, hatten eine Handvoll Salamancaner Mönche und Professoren bereits vieles von dem erklärt, was wir heute Ökonomie nennen. 1556 vertrat Martín de Azpilcueta die Auffassung, dass Geld dort weniger wert ist, wo es im Überfluss vorhanden ist, und dass das amerikanische Silber die Preise in Sevilla in die Höhe trieb. Im selben Jahr argumentierte Diego de Covarrubias, dass der Wert der Dinge nicht von ihrer Natur abhängt. Es sind Grundlagenbeiträge, an die sich in Spanien fast niemand erinnert.
Der gregorianische Kalender wurde, wie in der Diskussion angemerkt, mit Messungen erstellt, die an der Universität Salamanca durchgeführt wurden. Das internationale metrische System wurde zwischen Frankreich und Spanien entwickelt. Die erste Maschine, die schwerer als Luft war und ohne Gleiten fliegen konnte, wurde in Coruña del Conde entworfen und geflogen. Und der Tornaviaje, die Rückroute Manila–Acapulco, die zwei Kontinente über den Pazifik ohne GPS oder Satelliten verband, erforderte Mathematik, Astronomie und Physik auf höchstem Niveau.
Das Problem ist nicht die graue Substanz, sondern die Kasse, so die These im Thread. Ein Forscher, der an der spanischen Universität verhungert, entdeckt nichts. Nobelpreise, Fields-Medaillen oder Turing Awards kommen zustande, wenn es dauerhafte Finanzierung gibt, um Jahre lang an einem einzigen Problem zu forschen. Und die gibt es heute in den USA, in Zürich, in Oxford oder in China.
Das 19. Jahrhundert: Die napoleonische Invasion und die Plünderung des wissenschaftlichen Gefüges
Hier liegt der Kern, wie mehrere Teilnehmer finden. Das spanische 19. Jahrhundert ist eine Katastrophe, die früher beginnt: Trafalgar, die französische Invasion, die britische „Hilfe", die zur Beute wurde, die Zerstörung des entstehenden industriellen Gefüges, die Unabhängigkeitsbewegungen in Amerika, die Hunderttausend Söhne des Heiligen Ludwig, drei Karlistenkriege und der Verlust der Reste des Imperiums. Im 20. Jahrhundert dann zwei weitere Regime und noch ein Bürgerkrieg.
Die Bourbonen hatten die Volksbildung ein Jahrhundert zuvor demontiert, so ein Teilnehmer. In Südamerika wurden die Jesuiten vertrieben, die als Lehrer wirkten. Das Ergebnis: ein Land, das mit niedrigen Alphabetisierungsraten und einem verkümmerten Hochschulsystem ins 20. Jahrhundert geht. Die historischen Lesekultur-Indizes erklären einen Großteil der späteren Lücke, so diese Position.
Manche halten dafür, dass die internationale Isolation und das Veto gegen die spanische Wissenschaft den Rest erledigten. Dokumentationen über Olivenöl, die Dutzende Länder nennen und den weltgrößten Produzenten auslassen. Fundstätten der Gattung Homo in Europa ohne Erwähnung von Atapuerca. Die Klage hat teilweise Berechtigung, aber sie erklärt nicht, warum Newton nicht in Salamanca, sondern in Cambridge entstand.
Isaac Peral, das U-Boot und der institutionelle Boykott
Der Fall Isaac Peral ist das am häufigsten genannte Beispiel. Ein Umfeld, das Ideen feindlich gesinnt ist, braucht keine explizite Zensur: Es genügt, Innovatoren nicht zu finanzieren, nicht anzuerkennen und nicht zu schützen. Die erste Flugmaschine von Coruña del Conde hätte es, wäre sie von einem Angloamerikaner signiert worden, auf Filme und Serien gebracht. Hier ist sie eine Fußnote.
Die Starrheit des Bildungssystems ist ein weiterer Baustein, so das Argument. Ein Unterricht, der auf dem Aufsagen der westgotischen Könige statt auf kritischer Textanalyse, Hypothesenprüfung und Experimentieren basiert, produziert genau das, was er produziert. Kirchliche Schulen sind nicht der einzige Faktor, aber sie wiegen.
Wie viele Universitäten gab es im Spanien des 19. Jahrhunderts?
Die Zahl, die genannt wird: Im 19. Jahrhundert hatte England zehn Universitäten; Spanien, mit weniger Bevölkerung, mehr als doppelt so viele. Santiago, Oviedo, Valladolid, Salamanca, Saragossa, Barcelona, Valencia, Madrid, Granada und Sevilla, um einige zu nennen. Die Anzahl war nicht das Problem, so diese Deutung. Das Problem war das Geld, das in sie floss, und die Freiheit, mit der geforscht wurde.
Die Industrielle Revolution wurde zudem überwiegend von Handwerkern ohne Ausbildung vorangetrieben. Steve Jobs und Bill Gates haben keinen Universitätsabschluss. Das zerstört die einfache Gleichung zwischen Titeln und Beiträgen zum Wissen, so die These. Was sie nicht zerstört, ist der Zusammenhang zwischen dauerhaften F&E-Investitionen und wissenschaftlicher Spitzenforschung.
Die Gegenwart: Cirac, das CERN und der Braindrain
Spanien beginnt aufzuholen, so die Behauptung. Ignacio Cirac, eine weltweite Referenz in der Quanteninformatik, arbeitet in Deutschland. Mehrere spanische Gruppen tragen zum CERN bei. Die junge Wissenschaftlerin aus León, Marta Shahbazi, die bei dem Zugunglück in Urda ums Leben kam, war ein Beispiel für jene Generation, die im Ausland forscht. Das Talent existiert; die Bedingungen nicht immer.
Die Frage bleibt offen: Wie viel der Rückständigkeit ist Erbe des 19. Jahrhunderts, und wie viel ist eine Anreizstruktur, die die Festanstellung immer noch höher belohnt als die Entdeckung? Mit diesen Voraussetzungen fällt die Antwort für niemanden bequem aus.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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