Spanien-Stromausfall: Photovoltaik-Abschaltungen bei Negativpreisen

Am 28. April fielen in Spanien Rekord-Negativpreise an, während laut UNEF PV-Anlagen vor dem Blackout abgeschaltet wurden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien-Stromausfall: Photovoltaik-Abschaltungen bei Negativpreisen
Stromausfall in Spanien: Abgeschaltete Solaranlagen und historische Negativpreise

Am 28. April um 12:30 Uhr lag die Iberische Halbinsel im Dunkeln. Zur gleichen Zeit verzeichnete der Großhandelsmarkt historische Negativpreise: -1,9 €/MWh, mit acht aufeinanderfolgenden Stunden zwischen null und negativ. In der Diskussion kursiert die These, dass diese Koinzidenz kein Zufall sei. Laut UNEF wurden Photovoltaikanlagen vor dem Ausfall vom Netz getrennt, wobei der Verband betont, dies sei keine freiwillige Entscheidung gewesen.

Die zentrale Frage lautet: Wer gab den Befehl und warum? Im Gegensatz zu anderen Märkten können sich Solarparks in Spanien nicht eigenständig abschalten, wenn die Preise fallen. Die OMIE-Auktion findet am Vortag statt: Bietet ein Erzeuger einen negativen Preis an und wird das Gebot angenommen, ist er durch Red Eléctrica festgelegt. Einmal geplant, darf er laut den im Thread diskutierten Normen weder ins Netz einspeisen noch es verlassen, ohne Genehmigung des Systembetreibers. Das ist die Regel. Eine andere Sache ist, was tatsächlich geschah.

Warum gibt es Negativpreise im Pool?

Der Mechanismus wirkt kontraintuitiv. Bei einem Überangebot erneuerbarer Energien und niedriger Nachfrage zahlen Erzeuger dafür, Strom einzuspeisen. Dies ist kein Altruismus: Das Abschalten einer Solaranlage verursacht technische und vertragliche Kosten, die die Strafen für die Produktion zu negativen Preisen übersteigen können. Im Jahr 2024 wurden laut OMIE 547 Stunden bei null Euro und 247 Stunden im negativen Bereich registriert. Am 28. April wurde diese Anomalie zum Rekord: acht aufeinanderfolgende Stunden mit Null- oder Negativpreisen, ein nie dagewesenes Phänomen.

Die kursierende These besagt, dass eine Automatisierung Parks abschaltete, als sie Preise unterhalb eines Schwellenwerts erkannte. Die von den Teilnehmern konsultierte KI bestätigt, dass es in den Niederlanden Systeme zur Fernabschaltung bei Negativpreisen gibt und einige Betreiber in Spanien dies erwägen. Das Problem liegt laut Kritikern nicht darin, dass solche Systeme existieren, sondern wie sie ausgeführt werden. Eine gestaffelte Abschaltung ist handhabbar. Eine massive, simultane Abschaltung nicht.

Das Präzedenzfall von 2009: Nachts produzieren, um Prämien zu kassieren

Es wäre nicht das erste Mal, dass schlecht konzipierte Anreize absurdes Verhalten auslösen. 2009 und 2010 erzeugten einige thermische Anlagen nachts Strom – wenn keine Sonne scheint –, um die Einspeisevergütung zu erhalten. Es war kein Betrug, sondern das System ermöglichte es. Geschätzt wurden 6.000 MWh nächtlicher Strom erzeugt und etwa 300.000 € eingenommen. Das Design des Marktes ist wichtiger als die Technologie.

Der Unterschied liegt heute im Maßstab. Photovoltaik ist von einer Randerscheinung zum Grundpfeiler des Systems geworden. Wenn sie mehr als 60 % des Mixes ausmacht, betritt das Netz laut Debatte Neuland. Manche behaupten, die Instabilität sei bereits Wochen zuvor anhand von Spannungsschwankungen in den Diagrammen erkennbar gewesen. Andere weisen auf die Interkonnektion mit Frankreich hin, deren Nutzungsänderung als Ursache untersucht wird. Eine dritte Strömung zeigt direkt auf den Systembetreiber: Wenn Red Eléctrica entscheidet, wer ins Netz geht und wer raus muss, liegt die letzte Verantwortung bei ihm.

Wer entscheidet über die Abschaltung einer PV-Anlage?

Red Eléctrica. Dies ist die Antwort, die im Thread verteidigt wird. Der Systembetreiber ist der einzige, der eine Abschaltung genehmigen kann, sobald die Produktion geplant ist. Erzeuger können bei OMIE negative Preise anbieten, aber sich am nächsten Tag nicht einseitig zurückziehen. Tun sie es doch, haften sie für die verursachten Ungleichgewichte. Die Aufsicht obliegt dem Cecre, dem Kontrollzentrum von Red Eléctrica.

In der Diskussion wird jedoch darauf hingewiesen, dass ungeplante Abschaltungen existieren und nicht immer sichtbare Konsequenzen haben. Es sind keine Bußgelder wegen nicht genehmigter Abschaltungen bekannt. Diese regulatorische Lücke nährt alle Theorien. Wenn ein Betreiber eine Störung vortäuschen kann, um zu vermeiden, für die Einspeisung zu zahlen, ist der perverse Anreiz geschaffen. Und wenn viele dies gleichzeitig tun, bricht das System zusammen.

Die offizielle Version und ihre Widersprüche

Die Regierung und Red Eléctrica bestreiten, dass Photovoltaikanlagen freiwillig abgeschaltet wurden. Der Verband UNEF spricht von einer erzwungenen, nicht freiwilligen Trennung. Die Nuance ist wichtig: Etwas anderes ist es, wenn ein Betreiber beschließt abzuschalten, und etwas anderes, wenn das System ihn abschaltet. Aber die Frage bleibt unbeantwortet: Welcher Mechanismus, automatisch oder manuell, führte dazu, dass eine massive Menge an Solarstrom genau in dem Moment vom Netz verschwand, als die Preise den Tiefpunkt erreichten?

Die europäische Untersuchung läuft weiter. Entso-E, der Verband der europäischen Netzbetreiber, analysiert die Nutzungsänderung der Interkonnektion mit Frankreich als eine der Ursachen. Die spanische Elektrizitätsbranche hat ein Treffen mit dem Energiekommissar beantragt, um sich über die mangelnde Unabhängigkeit der Analyse zu beschweren. Unterdessen wird die unangenehmste Erklärung – dass der Markt so kaputt war, dass er sich selbst abschaltete – nicht ausgeschlossen.



Ein Fakt verwirrt: Der Ausfall dauerte Stunden, aber die Negativpreise waren seit dem Vortag geplant. Jeder mit Zugang zu OMIE konnte es kommen sehen. Wenn das System es nicht bewältigen konnte, war das Problem nicht die Überraschung. Es war die Planung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (192 Antworten).

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