Sibila Freijo verteidigt die Anziehung reifer Frauen zu jungen Männern
Die aus La Coruña stammende Schriftstellerin Sibila Freijo (1972) ist sich sicher: „Frauen mit Verstand stehen auf junge Männer, wir sind nicht blind.“ Dies sagte sie in einem Interview anlässlich der zweiten Auflage ihres Buches Ponme otro vino que aún te veo adefesio (Espasa), einem Essay über die Liebe, der biografische Chronik und Humor mischt. Und sie tat dies genau in dem Moment, als die Beziehung zwischen Aitana Sánchez-Gijón und Maxi Iglesias die Schlagzeilen beherrschte. Freijo sieht darin keine Nachricht: Es ärgert sie, dass die Schauspielerin als „Boss“ bezeichnet wird, weil sie sich einen „jungen Kerl angelacht“ hat. „Ich glaube, er hat das bessere Geschäft gemacht“, urteilt sie.
Das in La Voz veröffentlichte Interview von Javier Becerra enthält Aussagen, die für hitzige Diskussionen gesorgt haben: von der Behauptung, Alkohol sei das „Gleitmittel der Verführung“, bis hin zur Aussage, sens Exklusivität über zwanzig Jahre hinweg sei „fast wie ein Glaube an Gott“. Freijo plädiert für Mut („Im Zweifel immer Ja“), gesteht ihren Besuch in einem Swingerclub und vertritt die Ansicht, Treue sei ein antiquierter Begriff. Das Material hat eine Debatte ausgelöst, in der Biologie, Ökonomie des Verlangens und feindselige Meinungen aufeinandertreffen.
Was Freijo genau über Alter und Attraktivität sagt
Der Kern der Kontroverse liegt in einem Satz: „Mir gefällt eher das Fleisch nah am Knochen, das Flaumige und solche Dinge, nicht die hängenden Bäuche.“ Freijo spricht nicht von festen Beziehungen, sondern von Lust und Affären. Tatsächlich verteidigt sie im selben Interview offene Beziehungen und erzählt von ihrer Erfahrung in einem Swingerclub, den sie „wie eine Farce“ beschreibt, damit der Leser „als Letztes“ erregt wird.
Ihre These zum Alter lautet: „Man hat das Alter der Person, mit der man schläft.“ Mit einem jungen Mann, so sagt sie, gewinne man „die verlorene Jugend, den Enthusiasmus“ zurück; mit einem Älteren wolle man „manchmal sterben“. Sie fügt eine Nuance hinzu: Sie rät Frauen davon ab, sich Männern gegenüber als Feministinnen zu outen, weil „das sie abschreckt“. Obwohl sie später eingesteht, dass sie selbst „einen feministischen Typen“ attraktiv findet, der nach einer Besprechung heimgeht, um sein Kind zu betreuen, oder Elternzeit nimmt.
Die Debatte: Wer zahlt und wer profitiert?
In der Diskussion setzt sich eine ökonomistische Lesart durch. Manche vertreten die Ansicht, dass Attraktivität je nach Lebensphase unterschiedliche Preise hat: Das weibliche „Prime“-Alter liege zwischen 18 und 30 Jahren, während der gepflegte reife Mann „Männlichkeit, Erfahrung und finanzielle Stabilität“ ansammelt. Die Schlussfolgerung dieser Strömung ist, dass Fälle von reifen Frauen mit jüngeren Männern auf eine „Blase“ des einfachen Zugangs zurückzuführen seien, nicht auf eine strukturelle Veränderung des affektiven Marktes.
Das häufigste Gegenargument besagt, dass Geld und Ruhm die Gleichung umkehren. Aitana Sánchez-Gijón wäre keine Ausnahme, die die Regel bestätigt, sondern der Beweis dafür, dass Attraktivität mit anderen Währungen gekauft wird: Medienpräsenz, Kontakte, Dach über dem Kopf und Geschenke. Manche vergleichen diese Bindungen mit den Zwanzigjährigen-Freundinnen von Magnaten, andere entgegnen, dass der Vergleich unfair sei, da diese Frauen keinen alten Mann aus Neigung, sondern aus Interesse wählen.
Menopause als Argument und Scham als Bremse
Die härteste Seite der Debatte greift die biologische Machbarkeit an. Manche behaupten, dass Frauen ab einem bestimmten Alter aufhören zu lubrizieren, das Verlangen verlieren und nicht gegen eine Zwanzigjährige konkurrieren können. Diese Linie hält fest, dass kein junger Mann eine ernsthafte Beziehung mit einer älteren Frau eingeht und dass die Beziehung nur im Privaten besteht, weil es „peinlich“ ist, mit ihr spazieren zu gehen. Demgegenüber erinnern andere daran, dass veröffentlichte Bilder retuschiert sind und der Spiegel ohne Make-up ein anderes Bild zeigt.
Die am häufigsten zitierte Antwort kehrt die Scham um: Wenn ein junger Schauspieler, der Zugang zu Models hat, eine ältere Frau wählt, liegt das Verdienst bei ihr und die Blamage bei ihm. Eine andere Strömung weist auf die Asymmetrie des Urteils hin: Sagt ein Mann, was er mag, wird er „als alles Mögliche“ gebrandmarkt; sagt eine Frau es, wird es als Empowerment gefeiert. Das Wort „Schuppen“, das Freijo verwendet, um diesen doppelten Standard zu beschreiben, taucht mehrfach im Austausch auf.
Der Feminismus, der Angst macht, und die Treue, die verfällt
Freijo widmet ein Kapitel den „dekonstruierten“ Männern und ein weiteres der Untreue. Ihre These: Soziale Netzwerke verbergen „mehr mentale Last“ als eine folgenlose Begegnung, und sens Exklusivität über zwei Jahrzehnte hinweg sei ein fast religiöser Glaube. „Warum beginnen wir nicht, Treue anders zu verstehen?“, fragt sie. Der Vorschlag offener Paare erscheint im Buch als Option, nicht als Verpflichtung.
In der Debatte wird dieser Teil skeptisch betrachtet. Es wird argumentiert, dass Befürworter der Offenheit dies oft aus einer Position der Stärke tun und dass die „Blase der guten Figur“ – ein Ausdruck, der mit Hintergedanken verwendet wird – nicht hält, wenn das Alter voranschreitet. Andere verteidigen, dass Monogamie keine göttliche Auferlegung, sondern ein überprüfbarer Vertrag sei, und dass die Kritik an Freijo ein Problem des männlichen Selbstwertgefühls verstecke.
Wie es mit dem Buch und der Debatte weitergeht
Der Essay befindet sich bereits in der zweiten Auflage, und die Autorin definiert ihn als „Anti-Selbsthilfe“: Wenn er aufhört, frech zu sein, verberge er echte Reflexionen. Der Lärm, den das Interview verursacht hat, dürfte wahrscheinlich die Verkäufe ankurbeln, denn Sensationslust verkauft sich besser als Prosa. Die Diskussion über Alter, Verlangen und den Preis der Gesellschaft wird offen bleiben, solange der affektive Markt mit unterschiedlichen Regeln für Männer und Frauen funktioniert. Und Freijo wird mit ihren 54 Jahren weiterhin sagen, was sie denkt. Bei Bedarf mit zwei Gläsern Wein im Bauch.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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