Julio Iglesias: Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe

Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen erheben Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen Julio Iglesias. Der Fall, basierend auf nicht bewiesenen Aussagen, belebt die Debatte über Unschuldsvermutung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Julio Iglesias: Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe
Julio Iglesias: 350 Euro im Monat und ein Foto zur Auswahl der Hausangestellten

Der Fall beginnt dort, wo er endete: Zwei ehemalige dominikanische Mitarbeiterinnen beschreiben einen Auswahlprozess, bei dem der Sänger laut ihrer Aussage nicht den Lebenslauf prüfte. Er sah sich das Foto an. „Er schaute einfach nur ein Foto an und sagte: 'Die gefällt mir'“, berichtet eine der Klägerinnen in dem digitalen Medium, das die Anschuldigungen aufgreift. Das angebotene Gehalt für eine Villa in Punta Cana: 25.000 dominikanische Pesos, etwa 350 Euro pro Monat, mit Unterkunft im Haus und einer Altersgrenze von 25 bis 35 Jahren.

Die jungen Frauen fanden die Stellen über Anzeigen auf Instagram-Konten mit Namen wie 'trabajo RD' oder 'empleo RD'. Der Bericht, verbreitet von El Correo, hat eine Diskussion wieder entfacht, die in Spanien immer auf zwei Ebenen geführt wird: die der Fakten – die nicht bewiesen sind – und der Verdacht, dass der Skandal dient, um etwas anderes zu verdecken.

Was über den Fall bekannt ist und was nicht

Auf dem Tisch liegen Zeugenaussagen. Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen haben Anzeige wegen mutmaßlicher sens Übergriffe erstattet, und ihr Name wurde von Vaitiare Hirshon ergänzt, einer tahitianischen Schauspielerin und Model, die bereits in ihren Memoiren Episoden angeblicher Nötigung und Drogenkonsums schilderte. Hirshon, die erste Frau, die öffentlich Missbrauch anklagte, erklärte angesichts der neuen Vorwürfe: „Das ist nicht der Julio, den ich kennengelernt habe.“

Nichts davon ist eine Verurteilung. Nicht einmal eine bekannte formelle Anklage. Es ist das Material, mit dem eine öffentliche Diskussion arbeitet, die in Spanien oft eher in Kommentarspalten als vor Gericht entschieden wird. Und hier liegt das erste Problem: Die Unschuldsvermutung ist kein prozessuales Accessoire, sie ist die Regel. Wer beschuldigt, muss beweisen. Wer beschuldigt wird, muss nichts nachweisen.

Der Preis als Metapher: 350 Euro und eine Villa in Punta Cana

Ein Detail fungierte als Auslöser für fast alles Weitere: die Zahl. 350 Euro im Monat für eine Stelle als Hausangestellte in einer Luxusvilla. Für den dominikanischen Standard wurde die Debatte darüber, ob dies viel oder wenig sei, im Material selbst durch eine zirkulierende Behauptung gelöst: Er zahlte das Dreifache dessen, was in anderen Häusern der Gegend üblich war. Für den europäischen Standard klingt die Summe nach Armut.

Diese Differenz ermöglichte es, zwei gegensätzliche Narrative zu konstruieren. Eines besagt, der Sänger habe einen Low-Cost-Harem aufgebaut, wie es der Ton der Diskussion zusammenfasst, und dass die Geiz des Millionärs der eigentliche Skandal sei. Ein anderes Argument lautet, wenn das Gehalt auf dem lokalen Markt wettbewerbsfähig war, stützt sich die Beschuldigung auf etwas anderes: nicht den Preis, sondern die Zustimmung. Und die Zustimmung ist bei einem Vertrag mit Unterkunft im Haus und Auswahl nach Fotos genau das, was unklar bleibt.

Die Strategie der Nebelkerze

Ein relevanter Teil der Diskussion debattiert nicht die Fakten. Sie debattiert den Zeitplan. Die am häufigsten wiederholte These ist, dass der Fall in einer Phase der Schwäche der Regierung auftaucht und seine Funktion darin besteht, die Aufmerksamkeit von anderen Themen abzulenken. „Was für eine Nebelkerze“, fasst eine vielbeachtete Äußerung zusammen. Eine andere Variante deutet auf eine vermeintlich koordinierte Strategie hin: alte Fälle auszugraben, um aktuelle zu begraben.

Dies ist eine Hypothese, keine Tatsache. Man sollte sie als solche behandeln: ein Verdacht, der ohne Beweis wiederholt wird, genau wie die Anschuldigungen, die er bekämpfen soll. Interessant ist journalistisch, dass beide Seiten das gleiche Argument verwenden – „es gibt keine Beweise“ –, um gegensätzliche Positionen zu verteidigen.

Der doppelte Maßstab, den niemand versteckt

Der am häufigsten zitierte Kontrast ist der zu Rubiales. Ein nicht einvernehmlicher Kuss löste ein institutionelles Erdbeben aus. Hier, mit Vorwürfen sens Übergriffe und Personalauswahl nach physischen Kriterien, ist die öffentliche Reaktion deutlich lauwärmer. Manche führen dies auf das Alter des Beschuldigten zurück, andere auf seinen Status als nationale Ikone, und wieder andere darauf, dass der Fall außerhalb Spaniens stattfindet.

Der Vergleich hat eine offensichtliche Grenze: Einer der beiden Vorfälle ereignete sich live, vor Millionen Zuschauern, mit identifiziertem Opfer und Täter im Amt. Der andere hängt von Zeugenaussagen ab, die Jahre zurückliegen, in einem anderen Land stattfanden und ohne gerichtliche Klärung sind. Dennoch ist die Asymmetrie im Ausmaß der Empörung ein soziologisches Phänomen an sich.

Wer zahlt, wenn der Fall verstummt

Die Angelegenheit hat eine wirtschaftliche Komponente, die kaum jemand diskutiert: die fruta Kosten. Julio Iglesias ist eine Marke. Sein Katalog, seine Rechte, seine Tourneen und sein Vermögen hängen von einem Image ab, das über sechs Jahrzehnte aufgebaut wurde. Ein solcher Fall wird nicht vor Gericht gelöst; er wird auf dem Markt gelöst.

Und dann gibt es noch die andere Rechnung, die nicht bilanziert wird: die der Klägerinnen. Wenn der Fall eingestellt wird, bleiben sie markiert. Wenn er Erfolg hat, bleiben sie ebenso markiert. Dies ist die übliche Belastung solcher Verfahren und erklärt, warum viele Frauen keine Anzeige erstatten. Nicht aus Angst vor dem Täter, sondern aus Angst vor dem Prozess.

Wie lange braucht eine Gesellschaft, um zu entscheiden, ob eine Legende auch ein Beschuldigter sein kann? Es hängt davon ab, ob die Legende gut singt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (189 Antworten).

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