Der Traum vom Phalanster: Gemeinschaft und Selbstversorgung
Wie viele Fremde bräuchte man, um die Stadt zu verlassen, Kartoffeln anzubauen und von einem Gutshof im leeren Spanien aus online Geld zu verdienen? Das Projekt wurde 2011 unter einem Namen des 19. Jahrhunderts gestartet — Phalanster, die ideale Gemeinschaft, die der französische Sozialist Charles Fourier theorisierte — und mit sechs Beteiligungsmodellen, von Vollzeitaufenthalt bis hin zu Mäzenatentum. Das Ziel war unmissverständlich formuliert: Menschen entwickeln, nicht brave Arbeiter. Dreizehn Jahre später hat das Vorhaben immer noch keinen Starttermin.
Der Plan sah eine autarke Versorgung mit Nahrungsmitteln und Energie vor, eine interdisziplinäre Ausbildung zwischen Agronomen, Ingenieuren und Informatikern, die Nutzung digitaler Einkünfte sowie rotierende Acht-Stunden-Schichten, aufgeteilt auf Gemüsegarten, Viehzucht, Wartung und eigene Websites. Die zugrunde liegende Logik war einfach: In einem Land voller Vetternwirtschaft ist es besser, Kartoffeln anbauen, ein bisschen Deutsch und Russisch sprechen und eine Website erstellen zu können, als sich auf einen fremden Gehaltszettel zu verlassen.
Was kostet ein Phalanster: Von 4.600 € bis zu hunderten Hektaren
Die im Konzept genannten Zahlen sind atemberaubend. Ein Fertighausmodell BECONOR 500x570 mit zwei Schlafzimmern wird auf 4.600 Euro geschätzt, und der Nutzer, der dies erwähnt, weist darauf hin, dass beim Kauf von fünf Einheiten Verhandlungsspielraum besteht. Für diejenigen, die etwas Solideres bevorzugen, wird ein städtisches Herrenhaus mit 1.700 Quadratmetern aus Backstein, sechzig Jahre alt, 80 Kilometer von Madrid entfernt, angeboten, mit fließendem Wasser, zwei Brunnen, einphasigem und dreiphasigem Strom, Internet, einem Weinkeller mit 60 Hektolitern, Stallungen, einem Schafstall und einer Geflügelzuchtanlage. Gegenüber befindet sich laut Eigentümer ein städtisches Grundstück von 5.000 Quadratmetern für den Bau einer Rentnergenossenschaft. Ein anderer Beitrag erwähnt ein 3.000-Quadratmeter-Grundstück in Galizien.
Der landwirtschaftliche Teil hat seine eigene Kalkulation. Ein Nutzer, dessen Eltern Landwirte waren, stellt fest, dass zur Ernährung und Bewegung von hundert Menschen ein Anwesen von 200 bis 300 Hektar mit Getreide und Sonnenblumen erforderlich wäre, wobei pflanzliches Öl bei Umgebungstemperaturen über 10 Grad in älteren Dieselmotoren zu 100 % verwendet werden kann. Der technische Rahmen erfordert angemessene Niederschläge — etwa 700 Liter pro Quadratmeter pro Jahr — und das Fehlen von starkem Frost. Eine andere Schätzung im Thread senkt die Zahl erheblich: 25 oder 30 Hektar für hundert Menschen, denn hundert gleichzeitig losgeschickte Stadtmenschen seien, so dieser Nutzer, ein ganzes Dorf.
Eine Henne per Webcam adoptieren und digitale Geschäfte
Das wirtschaftliche Fundament der Idee war das Internet. Unter den vorgeschlagenen Ideen befinden sich Goldfarmen in Online-Videospielen, die von Südostasien aus betrieben werden, um virtuelle Währungen an europäische und US-amerikanische Spieler zu verkaufen, sowie eine vollständig vernetzte Farm, auf der jede Henne oder jeder Kaninchen ihre eigene Webcam hätte: Jeder Bürger der Welt könnte ein Tier adoptieren und es rund um die Uhr verfolgen, mit Paketen, die Orangenbäume, Zitronenbäume und Gemüsegärten für Touristen kombinieren, die ihren Urlaub in Spanien verbringen. Online-Poker hingegen wird als ausgeschlossen betrachtet: Nach der seinerzeit verabschiedeten Regulierung des Glücksspiels aus der Ferne behauptet ein Nutzer, dass es nicht mehr rentabel sei und die goldene Henne getötet habe.
Beim Kleingedruckten gab es von Anfang an Reibereien. Einige schlugen vor, aus Steueroasen und virtuellen Ländern heraus zu operieren; andere erinnerten daran, dass dies gegen die Gesetze verstößt und dass es einfachere Wege gibt, Gewinn aus Online-Glücksspielen zu ziehen. Auch die Diskussion über das rechtliche Modell taucht auf: zunächst ein Verein, dessen Zweck die Sanierung und Wiederbesiedlung der Grundstücke ist, und später eine Genossenschaft, wenn die landwirtschaftliche Bewirtschaftung ein Geschäft werden soll.
Meldepflicht, Bürgermeisteramt und Bürokratie, die niemand löst
Der Flaschenhals ist nicht der Gemüsegarten, sondern das Standesamt. Einen Meldeadresse in einer kleinen Gemeinde zu bekommen, um das Bürgermeisteramt zu erreichen und Projekte zu genehmigen, erscheint einem Teilnehmer als kompliziert: Die Nachbarn würden die Bewegung bemerken und es würden nicht mehr als drei Paare mit effektiver Anmeldung übrig bleiben. Mittelfristig führe das Umgehen der Legalität durch kommunale Vetternwirtschaft zu Problemen, fügt er hinzu. Als Referenz werden reale Erfahrungen mit Wiederbesiedlung und Selbstverwaltung zitiert, darunter Amayuelas de Abajo in Palencia und das Projekt Escanda in Asturien, wo eine Gemeinschaft mit einem einzigen Fahrzeug funktioniert, das mit gebrauchtem Speiseöl der Nachbarn betrieben wird.
Ein anderer Ansatz schlägt vor, langsam vorzugehen: nicht alles auf einmal abzubrechen, sondern phasenweise einzusteigen, zwei Wochen im Sommer, dann Ostern, bis eines Tages nichts mehr draußen bleibt. Für den Start werden drei oder vier Paare, zehn bis zwölf Personen, mit einer gewünschten Verhältniszahl von einer bis 1,5 Frauen pro Mann genannt. Parallel dazu kursiert die These, dass die kritische Masse 144 Personen beträgt: Ab dort sollte man sich teilen und eine weitere Gemeinschaft gründen.
Dreizehn Jahre später: Machbarkeit halbiert, Hindernisse verdoppelt
Die Rettung des Themas kam mit einem Lockdown, als jemand daran dachte, die Idee wieder aufzunehmen. Die neueste Bewertung, bereits mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Bitte eines der Initiatoren durchgeführt, ist deutlich kühler als die von 2011: Die Machbarkeit hätte sich halbiert, während sich die Hindernisse verdoppelt haben. Es wird argumentiert, dass die aktuelle ideologische Zersplitterung tödlich sei, dass Gruppendynamiken weit vor den 144 Personen zusammenbrechen und dass das Zusammenleben von Unbekannten ohne ländliche Erfahrung zu vielen Konflikten führt. Schon auf den ersten Seiten gab es Stimmen, die das Projekt als unrealistisch und unkonkret sahen. Der Thread kam auch nie zu konkreten Ergebnissen.
Mit Häusern für 4.600 Euro und einem Gutshof 80 Kilometer von Madrid auf dem Tisch wartet die Idee weiterhin in einem dreizehn Jahre alten Thread auf einen Starttermin.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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