Russell gegen Copleston: Unentschieden im Ring um Gottes Existenz
Warum scheint der Gläubige oft besser dazustehen, wenn er mit einem Atheisten über die Existenz Gottes diskutiert? Diese Frage beschäftigt die Gemüter seit Monaten. Auseinandersetzungen wie zwischen Trevijano und Pater Carreira, Bertrand Russell und dem Jesuiten Frederick Copleston oder dem YouTuber Dalas Review und dem thomistischen Philosophen Rigoberto hinterlassen denselben Eindruck: Jemand hat lauter gesprochen und das letzte Wort behalten.
Das Problem beginnt beim Protokoll. Hier gibt es keinen Schiedsrichter.
Wer entscheidet, wer ein Debattengespräch über Gott gewinnt?
Niemand unterzeichnet das Ergebnis, jeder Lager schreibt es sich selbst zu. Eine Seite behauptet, der Agnostiker sei der natürliche Richter, da er ohne Vorurteil an die Sache geht. Eine andere entgegnet, der Atheist setze sich gar nicht erst an den Tisch, weil er das Unterfangen für Zeitverschwendung halte. Und eine dritte, zynischere Stimme urteilt, dass derjenige gewinnt, der die Regeln festlegt – mit einem klassischen Trick: Ich gewinne, weil ich das entscheidende Komitee bestimmt habe.
Dieser Manöver hat eine technische Bezeichnung: Das Tor verschieben. Wenn der Gläubige ein Argument vorbringt – die Ordnung des Universums, die Komplexität des Auges, die Emotion einer Sinfonie – und der Atheist darauf reagiert, indem er es karikiert, wirft der Gläubige ihm den Strohpuppen-Fehlschluss vor. Wenn der Atheist empirische Beweise für ein immaterielles Wesen fordert, erinnert der Gläubige daran, dass Logik und Metaphysik nicht mit der Stoppuhr gemessen werden. In diesem Austausch bleibt das Publikum bei der Wahrnehmung, nicht bei der Schlussfolgerung.
Lautstärke ist kein Argument, aber sie zählt. Selbst jene, die im direkten Duell zwischen Priester und Philosoph ein klares Unentschieden sehen, geben zu: Keiner wird den anderen überzeugen, und der Tonfall wiegt am Ende schwerer als der Inhalt.
Das ontologische Argument, das Kant bereits widerlegt hatte
Ein häufiger Vorwurf betrifft die angebliche intellektuelle Überlegenheit. Es wird behauptet, manche Atheisten besäßen nicht die nötige Intelligenz, um das gläubige Argument zu verstehen. Das Paradebeispiel sind Anselm von Canterbury und Gaunilo: Letzterer entgegnete, nach derselben Logik könnte man eine perfekt existierende Insel denken; Ersterer antwortete, das Argument gelte nur für das höchste Sein der Realität, nicht für eine Insel.
Dieses Gegenbeispiel hat bei Philosophen einen schlechten Ruf. Kant, keineswegs ein Amateur, hatte bereits die ontologischen Beweise entkräftet, die die Scholastik zur Rechtfertigung der Existenz Gottes angesammelt hatte. Und Russell, Autor eines der zehn einflussreichsten Werke der modernen Philosophie laut vielen Kritikern, verwies die Angelegenheit in den Bereich des Unbeweisbaren. Die Intelligenz des Gegners herabzusetzen, gewinnt keine Debatte: Es lenkt sie auf ein Terrain, wo nichts zu holen ist.
Es gibt jedoch eine Nuance, die der Prüfung standhält. Wer den Glauben aufgibt, tut dies meist emotional, nach einem Schicksalsschlag. Wer sich bekehrt, tut dies fast immer durch Studium, überzeugt von Argumenten. Keiner dieser Wege beweist die Existenz oder Nichtexistenz irgendetwas.
Die Beweislast und die Uhr, die keinen Uhrmacher braucht
Hier liegt der Knotenpunkt. Eine Seite verlangt, dass derjenige, der die Existenz Gottes behauptet, den Beweis liefert. Die andere schiebt den Ball zurück: Wer leugnet, muss die Nichtexistenz beweisen. Dieser Pattzustand, so warnen Experten, kann bis zum Zusammenbruch der Zivilisation andauern.
Die klassische Analogie der Uhr – wenn es eine Uhr gibt, gibt es einen Uhrmacher – prallt auf ein oft wiederholtes Gegenargument: Ordnung allein beweist keinen übernatürlichen Willen. Das Gehäuse einer Schnecke ist komplex und geordnet, doch es gibt keinen Beweis dafür, dass es einen Designer benötigt; bessere naturalistische Erklärungen existieren. Die Uhr erfordert einen Uhrmacher, weil alle Indizien darauf hindeuten; die Schnecke nicht. Der Streit wird dann zur Frage, wer am Zug ist.
Ein weiteres starkes Argument lautet: Auch die Welt unten folgt nicht unbedingt der Logik. Menschen sterben für Flaggen, Symbole, Vaterländer. Menschen konstruieren Ordnung dort, wo keine ist, und projizieren diese missverstandene Ordnung anschließend auf den Himmel.
Warum Wissenschaft revidierbar ist, Religion aber nicht
Ein weiterer Kernpunkt der Uneinigkeit. Die Wissenschaft besitzt eine Eigenschaft, die Gläubigen unangenehm ist: Sie funktioniert für alle gleich. Christen, Muslime, Kommunisten und Kapitalisten nutzen dieselben Formeln. F = m x a hört nicht auf zu funktionieren, nur weil jemand nicht daran glaubt. Religionen und Ideologien hingegen handhaben unveränderliche Wahrheiten, die nicht durch Experimente widerlegt werden können.
Darauf wird erwidert, dass Wissenschaftler auch Menschen sind, mit Interessen und Betrügereien, und dass die Methode nicht immer eingehalten wird. Die Unterscheidung hält jedoch stand: Eine Theorie kann durch Daten gestürzt werden; ein Dogma nicht.
Der Priester im Duell mit Trevijano ging einen anderen Weg: Kunst, ästhetisches Vergnügen, das, was die Wissenschaft noch nicht erklärt. Die Wissenschaft hat es noch nicht erfasst, aber es wird untersucht, und die Lücke, die sie heute lässt, wird morgen geschlossen sein oder auch nicht. Dort Transzendenz zu suchen, ist ein riskantes Wagnis, denn die Lücke schrumpft mit jedem Jahrzehnt.
Der Punkt, an dem die Analyse ins Stocken gerät
Und dennoch hat nach 455 Beiträgen niemanden bewegt. Einige sagen, der Gläubige gewinne, weil er besser ausgestattet sei, mit Jahrhunderten an Argumentationshilfen im Rücken. Andere meinen, im Recht liege, wer recht habe, und dass auf der Seite der Wahrheit zu stehen – wie bei der Behauptung, die Erde sei rund – jede Diskussion erleichtere. Wieder andere sehen ein Unentschieden und fügen hinzu: Wenn das Format dazu zwingt, über etwas zu diskutieren, das auf Glaube beruht, ist das Format selbst falsch konzipiert.
Genau dort stockt die Sache. In einer Konfrontation über die Nichtexistenz Gottes wird niemand den anderen überzeugen, weil es keinen Beweis gibt, der die Sache in irgendeine Richtung abschließt. Was entschieden wird, ist lediglich, wer auf der Bühne länger durchhält. Und das, mit Verlaub, hat wenig mit der Wahrheit zu tun.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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