Spanien: Arbeitslosenzahl durch Schattenwirtschaft verzerrt

Trotz offizieller vier Millionen Arbeitsloser deutet die hohe Schattenwirtschaft auf eine niedrigere reale Quote hin, doch private Schuldenlast bleibt hoch.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Arbeitslosenzahl durch Schattenwirtschaft verzerrt
Grüne Triebe? Weniger Arbeitslose durch mehr Schattenwirtschaft

Wie viele der vier Millionen in Spanien erfassten Arbeitslosen sind tatsächlich ohne Job? Ende 2009, während das Land noch in der Rezession steckte und die Arbeitslosigkeit Rekordwerte erreichte, setzte sich eine unbequeme Lesart gegenüber der Katastrophenerzählung durch: Die offiziellen Zahlen spiegeln nicht die Realität wider. Es gibt keine Unruhen, keine Massenmobilisierungen und keinen Hunger. Und wenn ein Viertel der spanischen Wirtschaft im Verborgenen stattfindet — über 240 Milliarden Euro —, würde ein großer Teil der statistisch als vernichtet geltenden Beschäftigung schwarz bezahlt werden.

Die Hypothese hat ihre Logik und ihre Tücken. Man sollte beide trennen.

Schattenwirtschaft: 240 Milliarden Euro und bis zu 1,5 Millionen Schwarzarbeiter

Der Ausgangspunkt ist schwer zu bestreiten: In Spanien findet ein Viertel der Wirtschaft im Untergrund statt. Der Selbstständigenverband UPA schätzt, dass zwischen einer und anderthalb Millionen Spanier schwarz arbeiten, also verdienen, ohne Steuern abzuführen. Hinzu kommt eine Praxis, die laut Berichten im Dienstleistungssektor verbreitet ist: Der Arbeitgeber entlässt den Arbeitnehmer, dieser bezieht Arbeitslosengeld, und die Differenz wird bar ausgezahlt. Weder die Entlassung ist real noch die Arbeitslosigkeit vollständig.

Das angeführte Beispiel für die angebliche Lockerheit betrifft einen Zwanzigjährigen, der sechs Monate lang 420 Euro erhält und zur Feier nach London reist. Auch wird auf junge Menschen verwiesen, die vom Studium zum Bauwesen wechselten und nun wieder bei ihren Eltern wohnen. Ohne Hypothekenschulden ist der Schlag weniger hart, als die Statistik suggeriert. Von hier auf eine Schein-Arbeitslosigkeit zu schließen, ist jedoch ein großer Sprung. Und der Abgrund liegt in der Wirtschaft oft dort, wo niemand hinsieht.

Warum private Schulden den Optimismus widerlegen

Hier folgt der Gegenschlag. Zwar begannen Haushalte und Unternehmen Ende 2009, ihre Schulden zu reduzieren, aber diese Daten müssen genau betrachtet werden. Das BIP fiel um fast 4 %, während die privaten Schulden nur um 0,2 % oder 0,3 % sanken. Das Ergebnis dieser Berechnung ist pervers: Die Verschuldungsquote der Haushalte ist jetzt höher als auf dem Höhepunkt der Blase.

Schuldenabbau ist per Definition kontraktiv. Jeder Euro, der zur Tilgung von Schulden verwendet wird, steht nicht für Konsum zur Verfügung, und der Konsum ist genau der Motor, der die Erholung antreiben soll. Das Bild des Nettovermögens verschärft die Lage: Da der größte Teil des Vermögens eines durchschnittlichen Haushalts aus Immobilien besteht und die Baubranche eingebrochen ist, ist der Wertverlust proportional viel größer als der Rückgang der Gesamtwirtschaft. Niemand geht wegen einer Bilanzdifferenz auf die Straße. Aber die Differenz existiert.

Signale, die als grüne Triebe gedeutet werden

Der optimistische Teil hat seine eigenen Zahlen. Im November 2009 verbesserte die OECD ihre Prognosen für Spanien für 2009 und 2010. Im selben Herbst gewannen die Verbraucher teilweise das Vertrauen zurück, das sie im Vorjahr verloren hatten, und die Schulden von Familien und Unternehmen gingen den zweiten Monat in Folge zurück. Für jene, die behaupten, das Schlimmste sei vorbei, liegen hier die erhofften Anzeichen einer Erholung.

Das konkreteste Argument ist häuslicher Natur: Einige Hypotheken haben ihre monatliche Rate um 300 Euro gesenkt, eine spürbare Entlastung für das Familienbudget. Die Haushalte sparen so stark wie seit Jahren nicht mehr, und man erwartet, dass aus diesen Ersparnissen der Konsum hervorgeht, sobald die Angst nachlässt. Der Einwand der Skeptiker lautet, dass diese Ersparnisse auch getilgte Schulden darstellen.

Der Realitätscheck: Volle Terrassen und drei Monate im Voraus angekündigte Kündigungen

Ist ein volles Café ein Thermometer für ein ganzes Land? Keineswegs. Überfüllte Freizeitzentren gab es auch in viel ärmeren Volkswirtschaften: Es reicht, wenn 10 % der Bevölkerung ohne Sorgen leben und Touristen die übrigen Plätze füllen. Dass man am Samstag warten muss, um Krake zu essen, sagt absolut nichts über Montag aus.

Die andere Seite dieser Illusion zeigt sich durch Einschreiben. Mitten in der Januar-Krise 2010 kündigt ein Unternehmen einem Mitarbeiter an, dessen Dienste im April nicht mehr zu benötigen, mit drei Monaten Vorlauf, damit niemand sagen kann, es habe nicht rechtzeitig informiert. Diese lange Vorankündigung ist in Wirklichkeit der Beweis dafür, dass die Anpassung noch nicht abgeschlossen ist. Und die Suppenküchen bleiben voll, wie sie es auch waren, als die Wirtschaft mit 4 % wuchs.

Das Risiko, das niemand ausschließt: Von Griechenland über Portugal und Italien nach Spanien

Zum Bild gesellt sich das Gespenst der Staatsverschuldung. Das diskutierte Szenario skizziert einen hypothetischen Zahlungsausfall Griechenlands, der die vulnerabelsten Volkswirtschaften der Eurozone in einer Kettenreaktion treffen würde, mit Portugal, Italien und Spanien im Fokus. Dass diese Erzählung extrem ist, macht sie nicht unmöglich, besonders angesichts eines Bankensektors, der sich noch nicht vollständig saniert hat.

Bleibt eine Frage, die niemand beantwortet: Wenn die reale Arbeitslosigkeit dank der Schattenwirtschaft viel niedriger ist als die offizielle, warum bricht dann die Steuererhebung nicht zusammen? Und wenn die Haushalte sparen, warum steigt dann die öffentliche Verschuldung, um das Loch zu stopfen? Beides passt nicht ganz zusammen. Nie.

Wenn Schwarzgeld und volle Terrassen uns aus dieser Krise führen sollen, dann sollten zumindest die Schwarzarbeit steuerpflichtig sein und der Krake versteuert werden. Bis jetzt ist der einzige garantierte grüne Trieb derjenige der Statistik, der jedes Mal neu sprießt, wenn jemand sie korrigiert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (194 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver