Spanien: Mindestlohn erstmals steuerpflichtig durch fehlende IRPF-Anpassung

Spaniens Finanzministerium passt die Einkommensteuertabelle nicht an den neuen Mindestlohn an. Das Bruttogehalt steigt, das Netto bleibt stagnierend.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Mindestlohn erstmals steuerpflichtig durch fehlende IRPF-Anpassung
Spanien: Mindestlohn erstmals steuerpflichtig durch fehlende IRPF-Anpassung

Der spanische Mindestlohn (SMI) wird künftig der Einkommensteuer unterliegen. Das Finanzministerium hat beschlossen, die Steuertarife nicht an die Erhöhung des SMI für 2025 anzupassen, sodass Empfänger des Mindestlohns erstmals Lohnsteuerabzüge hinnehmen müssen. Die von El País vorab gemeldete Nachricht wurde als kalte Dusche für jene empfunden, die jede SMI-Erhöhung als sozialen Erfolg feierten. Der Mechanismus ist einfach: Wenn der steuerfreie Grundfreibetrag nicht im gleichen Maße wie der Lohn steigt, geraten Arbeitnehmer in den Bereich der Steuerpflicht. Und der Staat kassiert die Differenz.

Was bedeutet es, den SMI zu besteuern?

Laut Kritikern ist der SMI in den letzten Jahren um 61 % gestiegen. In diesem Zeitraum hinkte der steuerfreie Grundfreibetrag hinterher. Das Ergebnis: Ein Arbeitnehmer mit dem Mindestlohn wechselt von einem effektiven Steuersatz von 0 % zu einer Lohnsteuerabzugshöhe, die in der Praxis einen großen Teil der letzten Erhöhung auffrisst. Manche schätzen diesen Verlust auf rund 50 % der Lohnerhöhung; andere sehen ihn noch höher. Die genaue Höhe hängt von der Autonomen Gemeinschaft, der familiären Situation und anderen Einkünften ab.

Die Paradoxie besteht darin, dass der SMI in vielen Sektoren bereits fast dem Durchschnittsgehalt entspricht. Wenn der Mindestlohn sich dem Median nähert, wird die allgemeine Befreiung für die öffentlichen Haushalte nicht mehr tragbar. Dies ist das Argument der Befürworter: Es ergibt keinen Sinn, wenn die Hälfte der Gehaltsskala nichts zum Erhalt des Staates beiträgt. Dagegen spricht, dass die Einkommensteuer pogre ist und die Besteuerung des niedrigsten Segments genau jene trifft, die am wenigsten Spielraum haben.

Nettoeffekt: Brutto steigt, Netto stagniert

Die Berechnungen kritischer Analysten sind vernichtend. Der Arbeitgeber zahlt mehr für denselben Arbeitnehmer. Der Fiskus erhält die Differenz. Und der Arbeitnehmer bleibt im besten Fall gleich viel netto übrig; im schlimmsten Fall verliert er Kaufkraft. Die SMI-Erhöhung verwandelt sich so in eine statistische Kosmetikoperation: Das Brutto steigt, das Netto stagniert und der Staat erhöht seine Einnahmen, ohne explizit einen Steuersatz zu erhöhen.

Hinzu kommt der Inflationseffekt. Ein höherer SMI treibt die Arbeitskosten nach oben, die Unternehmen an die Preise weitergeben. Das Ergebnis: Derselbe Arbeitnehmer, dessen Bruttogehalt wächst, stellt fest, dass auch sein Einkaufskorb teurer wird. Die nominale Erhöhung verpufft. Und die Zugangsschwellen für Stipendien, Mietzuschüsse oder Schulgutscheine verschieben sich, wodurch Familien ausgeschlossen werden, die zuvor anspruchsberechtigt waren.

Wer zahlt die Rechnung?

Die zentrale Frage lautet: Wer finanziert tatsächlich den Wohlfahrtsstaat? Die Antwort ist zunehmend: der Arbeitnehmer mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Höhere Einkommensgruppen haben Spielraum für Planung, Absetzbarkeit und Verschiebung der Bemessungsgrundlage. Niedrige Einkommen haben diesen nicht. Wenn der SMI in die Einkommensteuer einbezogen wird, verliert das System eines seiner wenigen klaren Umverteilungsinstrumente: die Befreiung des Existenzminimums. Danach tragen alle bei, wenn auch nur minimal.

Die andere Seite ist die Steuerlast. Jedes Rekordjahr bei den Steuereinnahmen wird im Haushalt als Zeichen wirtschaftlicher Gesundheit gefeiert. Aber wenn der Anstieg daher rührt, dass früher Steuerbefreite nun zahlen müssen, handelt es sich nicht um eine Ausweitung der Bemessungsgrundlage, sondern um eine Verlagerung der Last. Der Staat nimmt nicht mehr ein, weil die Wirtschaft besser läuft, sondern weil er entschieden hat, ein Segment stärker heranzuziehen, das zuvor ausgenommen war.




Der Knackpunkt der Analyse ist folgender: Wenn der SMI weiter steigt und der steuerfreie Grundfreibetrag nicht angepasst wird, ist jede neue Erhöhung in Wirklichkeit eine versteckte Steuererhöhung. Noch niemand hat erklärt, wie man diese Dynamik durchbricht, ohne auf eine der beiden Maßnahmen zu verzichten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (189 Antworten).

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